"Umfragen sind übel und manipulativ": LH Haider glaubt der "Sonntagsfrage" nicht!

BZÖ-Spitzenkandidat wird am 22. April präsentiert Die Partei tritt im Herbst als "BZÖ - Liste Haider" an<br>MITSTIMMEN: Wem würden Sie ihre Stimme geben?

Die Entscheidung über die BZÖ-Spitzenkandidatur ist offenbar noch immer offen. Präsentiert werden soll der Kandidat oder die Kandidatin aber jedenfalls am Wochenende nach Ostern, erklärte Parteichef Jörg Haider. Bei den Nationalratswahlen wird das Bündnis als "BZÖ - Liste Jörg Haider" antreten. Als Ziel sieht Haider ein zweistelliges Ergebnis. Umfragen, die das BZÖ bei nur zwei Prozent sehen, seien "übel manipulativ tätig", so Haider.

Laut Haider hat sich die Auswahl der möglichen Kandidaten auf "zwei bis drei Personen eingekreist". Die definitive Entscheidung soll bis 22. April fallen. Für diesen Tag ist in Salzburg ein Fest anlässlich des ersten Jahrestages der BZÖ-Gründung geplant. Im Rahmen dieser Feier soll dann das Geheimnis über die Spitzenkandidatur gelüftet werden. Haider wollte keinerlei Andeutungen über den Kreis der möglichen Kandidaten machen, nicht einmal, ob auch an einen Quereinsteiger gedacht wird: "Ich bin verschlossen wie eine Auster."

Landeshauptmann wird nicht kandidieren
Er, Haider, werde jedenfalls nicht als Spitzenkandidat antreten, sich aber in den Wahlkampf österreichweit einbringen und auch seinen Namen für die Listenbezeichnung hergeben. "BZÖ - Liste Jörg Haider" soll daher auf dem Wahlzettel stehen. "Mit diesem Zusatz soll den Wählern klar gemacht werden, was in dem Paket drinnen ist." Es gelte, die "Identifikation wieder herzustellen". Schon beim Anti-EU-Volksbegehren der FPÖ habe sich gezeigt, "sobald die Leute verstehen, wo der Jörg Haider ist, gehen sie nicht mehr zur FPÖ", so der Kärntner Landeshauptmann.

Haider träumt von zweistelligem Ergebnis
Im Hinblick auf die Wahlen im Herbst ist Haider ungebrochen optimistisch: "Wahlziel ist, ins Parlament in ansehnlicher Stärke einzuziehen und ein zweistelliges Ergebnis zu machen. Dieses Ziel ist erreichbar, weil der Gewöhnungsprozess allmählich in Gang kommt und die Leute uns identifizieren können. In der Anfangsphase war das schwierig, weil vor allem meine Person immer noch mit der FPÖ identifiziert wurde."

Meinungsforscher sind "übel manipulativ tätig"
Die Meinungsforscher, die das BZÖ nach wie vor in der Sonntagsfrage bei 2 Prozent sehen, sind nach Ansicht Haiders "übel manipulativ tätig". Der Parteichef meint, "es bestreitet mittlerweile niemand mehr, dass wir in Kärnten das Grundmandat schaffen". In Kärnten liege das BZÖ - "auch ohne Zusatz Jörg Haider" - zwischen 30 und 33 Prozent, "für das Grundmandat brauchen wir 26 Prozent", so der Landeshauptmann.

Haider: Umfragen können nicht stimmen
Haiders Rechnung: "Wenn wir in Kärnten 30 Prozent haben, dann haben wir alleine schon damit österreichweit 2,5 Prozent. Dann kann das gar nicht stimmen, was die Umfragen sagen. Dieser Versuch des Totschreibens hat damit zu tun, dass bei den Linken das Interesse natürlich nicht vorhanden ist, jenen Koalitionspartner am Leben zu
erhalten, der sie an einer Machtübernahme hindert."

Stimmungsmache gegen Rot-Grün
SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer wisse "ganz genau", so Haider wörtlich, "wenn es uns nicht mehr gibt, dann gibt es auch Bundeskanzler Wolfgang Schüssel und diese Koalition nicht mehr, dann ist der Weg für ihn frei." Die Nationalratswahl wird nach Ansicht des BZÖ-Obmanns zu einer "Richtungsentscheidung". Haider: "Wer Rot-Grün nicht will, der muss Schwarz-Orange wählen." Auch eine Große Koalition mit ÖVP und SPÖ sei "für die Wähler, die für uns ansprechbar sind, nicht erstrebenswert. Unsere Aufgabe ist es, die heute im Wartesaal befindlichen Nichtwähler zu mobilisieren."

Grüne: Haider verlässt sinkendes Schiff
Für die stellvertretende Bundessprecherin der Grünen, Eva Glawischnig ist es bezeichnend, dass Haider nicht als Spitzenkandidat antritt. "Haider scheut sich, wie so oft, vor der Übernahme der Verantwortung und hat offensichtlich Angst vor dem Votum der WählerInnen über jene verfehlte Politik, die er mitzuverantworten hat. Kapitän Haider verlässt damit als erster das sinkende Schiff BZÖ", meinte Glawischnig.

FPÖ: Haider ist ein "Angsthase"
Die FPÖ hat sich darüber lustig gemacht, dass BZÖ-Obmann Jörg Haider bei der Nationalratswahl im Herbst nicht für seine Partei als Spitzenkandidat antreten will. Generalsekretär Harald Vilimsky nannte Haider einen "Angsthasen", der nun jemand anderen als "Kanonenfutter" missbrauche.

"Von Jörg Haider ist heute nicht mehr viel übrig. Abgesehen davon, dass er bis über beide Ohren im Spekulationssumpf der Hypo Alpe-Adria steckt, traut er sich nicht einmal für das BZÖ an der Spitze zu kandidieren und verkauft dafür irgendeine arme Seele für die orangene Wahlfront", sagte Vilimsky in einer Aussendung. Von einem Reformpolitiker der 90er Jahre sei heute nur mehr "ein tragischer Angsthase" geblieben. Nach Ansicht Vilimskys ist es aber "völlig gleich, wer als orangenes Kanonenfutter für die Wahl missbraucht wird". Bei der Wiener Wahl habe sich ja gezeigt, dass das BZÖ weniger Stimmen als die Kommunisten bekommen haben. Vilimisky findet es "eigentlich schade, dass aus Jörg Haider heute ein politischer Clown wurde, dessen einziges Ziel es ist, den schlechtesten Bundeskanzler der Zweiten Republik, Wolfgang Schüssel, zu unterstützen, nur weil er, Haider, dafür ein paar Brosamen der Macht erhält".

FP fordert parteifreien Innenminister
Ein parteifreier Innenminister sollte nach den Vorstellungen der burgenländischen Freiheitlichen der nächsten Bundesregierung angehören. Grund für diese Forderung sei "die Reihe von parteipolitisch motivierten Personalentscheidungen unter den Innenministern (Ernst, Anm.) Strasser (V) und (Liese, Anm.) Prokop (V)", so Klubobmann Johann Tschürtz.

"Auch die SPÖ hat in hohem Maß Parteifreunde und Genossen an den Schalthebeln des Bereiches Inneres untergebracht. Die ÖVP ist aber hier mit einer Überheblichkeit und Ignoranz vorgegangen, die seinesgleichen sucht", erklärte Tschürtz: "Es würde Österreich gut tun, wenn wir künftig in den Bereichen Justiz, Inneres und Landesverteidigung nicht Parteigänger als Minister einsetzen, sondern parteifreie Experten."

(apa/red)