Umfrage-Stopp vor Italien-Wahl Anfang April: Prodi liegt deutlich vor Berlusconi

2 Wochen der Ungewissheit bis zur Parlamentswahl

Zwei Wochen vor den Parlamentswahlen dürfen keine Umfrageergebnisse mehr veröffentlicht werden - so will es das italienische Wahlgesetz. Demnach sind die Werte von der Vorwoche die letzten Indikatoren hinsichtlich des aktuellen Meinungsbildes. Und dieses sieht Oppositionschef Romano Prodi an der Spitze seiner Mitte-Links-Allianz Unione bei 52,8 Prozent relativ deutlich in Führung vor dem Mitte-Rechts-Block Casa delle Liberta' (CDL, Haus der Freiheiten) von Ministerpräsident Silvio Berlusconi, der zuletzt immerhin leicht zulegen konnte und nun bei 46,6 Prozent liegt.

Die letzten 14 Tage vor dem Urnengang muss Italien nun in einem Klima der relativen Ungewissheit leben. Signifikant dürften sich die Werte aber nicht mehr verschieben: Seit Jahresbeginn konnte Prodi seinen Vorsprung ausbauen: Lag der Unterschied zunächst bloß bei 1,8 Prozent (49,7 versus 47,9 Prozent), so konnte der Chef der Unione den "Polster" auf zuletzt 6,6 Prozent vergrößern. Ruhig schlafen wird Prodi auf diesem Kissen aber nicht, denn der Anteil der unentschlossenen Wähler ist mit 13,5 Prozent (zu Jahresbeginn 33 Prozent) immer noch sehr hoch und erlaubt auch einen Umsturz im Wahlergebnis.

Berlusconi-Werte seit Mitte Februar im Keller
Betrachtet man die Umfragen seit Jahresbeginn als Zeitleiste, so fällt gleich der markanteste Punkt auf: Mitte Februar stürzten die Werte für Berlusconi wie bei einem Börsencrash ab, nachdem Reformenminister Roberto Calderoli mit dem Tragen von T-Shirts mit Motiven der umstrittenen Mohammed-Kariakturen für internationale Empörung gesorgt hatte. Dass Calderoli sofort gehen musste, war naheliegend, der Abwärtstrend konnte aber einen Monat lang nicht abgefangen werden, während der Kurs der "Aktie" Prodi konstant in die Höhe kletterte.

Rekordwahlbeteiligung erwartet
Nur 6,5 Prozent der Italiener haben angegeben, nicht zur Wahl gehen zu wollen, es zeichnet sich demnach ein Rekordergebnis hinsichtlich der Wahlbeteiligung ab, die schon 2001 mit über 80 Prozent außerordentlich hoch war. Damals mussten die letzten Wähler bis zu sechs Stunden nach Wahlschluss noch Schlange stehen, um ihr Kreuz machen zu können; für die kommende Wahl hat man daraus gelernt und den Urnengang gleich auf zwei Tage ausgedehnt. Wahlschluss ist nun am Montag, 10. April, um 15.00 Uhr. Unmittelbar danach sollen Nachwahlbefragungen (exit polls) veröffentlicht werden. Am Abend zur Primetime wird man schon mit Hochrechnungen, vielleicht sogar auch mit einem vorläufigen Endergebnis, aufwarten können.

Neben den Unentschlossenen bilden auch die rund 3,5 Millionen Auslands-Italiener einen Unsicherheitsfaktor, die bei diesem Wahlgang, anders als in der Vergangenheit, mitstimmen dürfen. Wie deren politische Meinungsbildung abläuft, ist eine große Unbekannte.

Schwierig zu kalkulieren ist zudem der Einfluss des 1993 abgeschafften und Ende 2005 wieder eingeführten Verhältnis- bzw. Proporzwahlrechts, bei dem eine Klausel bestimmt, dass der Wahlsieger auf Kosten der Kleinparteien, die an der Wahlhürde von 2 bzw. 4 Prozent scheitern, einen Bonus erhält. Dies würde bedeuten, dass theoretisch selbst ein äußerst knappes Wahlergebnis zu einer satten Mandatsmehrheit führen kann.

Zweites TV-Duell am 3. April
Infolge des großen Anteils an Unentschlossenen kommt dem zweiten TV-Duell am 3. April besondere Bedeutung zu. Zwar gab es nach der ersten TV-Konfrontation keine markanten Stimmenzuwächse für Prodi, der nach Expertenmeinung gewann, der Abwärtstrend für Berlusconi konnte aber auch nicht aufgehalten werden. Das zweite TV-Duell dürfte vor allem dem Regierungschef Sorgen machen, weil es kaum möglich sein wird, mit einem einzigen TV-Auftritt ein Manko von fast 7 Prozent aufzuholen; dem Oppositionschef würde hingegen schon ein "Unentschieden" reichen, um seinen Vorsprung zu halten. Erschwerend kommt für alle Beteiligten hinzu, dass sie die Ergebnisse der letzten Tage und des zweiten TV-Duells nicht ausschlachten können, weil sie die aktuellen Zahlen nicht publizieren dürfen. Sie können also nicht damit rechnen, die "Sogwirkung", die ein gewisser Trend verursachen würde (Wer will schon einen Verlierer wählen?), für sich zu nützen.

Wie die Meinungsforschung zudem schon in der Vergangenheit immer wieder feststellen konnte, setzt sich am Wahltag schließlich jener Kandidat durch, der zwar knapp, aber dennoch beständig vor den anderen lag. Die besseren Karten hat, so gesehen, Romano Prodi in seinem Talon. Silvio Berlusconi könnte dann nur noch ein italienisches Sprichwort helfen: "Man weiß, was man hatte, man weiß nicht, was man kriegt." (apa)