Umfrage nach Kanzlerduell: Debatte hat kaum Einfluss auf Wahlverhalten der Seher

Mehrheit sieht Schüssel als Sieger der Konfrontation Eindruck von Gusenbauer bei TV-Duell verbessert

Das Gallup-Institut hat im Anschluss an das Kanzler-Duell zwischen Wolfgang Schüssel und Alfred Gusenbauer eine Blitzumfrage unter 300 Österreichern durchgeführt. Ergebnis: Fast die Hälfte der Befragten glaubt, dass Bundeskanzler Schüssel besser abgeschnitten hat. Allerdings gibt über ein Viertel der Befragten an, dass sich durch das TV-Duell ihr Eindruck von Herausforderer Gusenbauer verbessert hat - bei Schüssel sind es nur zehn Prozent. Und 62 Prozent geben an, dass die Fernsehdebatte "gar keinen Einfluss" auf ihr Wahlverhalten haben wird.

Die Ergebnisse der Studie im Überblick: 47 Prozent glauben, dass Schüssel besser abgeschnitten hat, nur 33 Prozent glaubt an einen Sieg Gusenbauers (der Rest machte keine Angabe). Für 56 Prozent der Befragten wirkte Schüssel "insgesamt sattelfester" (von Gusenbauer glauben das nur 27 Prozent). Gusenbauer konnte dagegen nach Meinung der Befragten besser darstellen, welche Ziele er in den kommenden Jahren umsetzen möchte (43 zu 35 Prozent).

Der Eindruck der Zuseher von Amtsinhaber Schüssel ist bei 75 Prozent gleich geblieben, bei 13 Prozent hat er sich verschlechtert und nur zehn Prozent der Befragten geben an, dass sich ihre Meinung vom Kanzler durch den TV-Auftritt verbessert hat. Für Gusenbauer fällt diese Bilanz besser aus: 62 Prozent berichten von einem gleich bleibenden Eindruck, für 28 Prozent hat sich ihr Eindruck vom SP-Vorsitzenden verbessert, nur für neun Prozent verschlechtert.

Schüssel wirkte kompetenter
Bei den meisten von Gallup abgefragten Attributen liegt Schüssel vor seinem Herausforderer Gusenbauer. Der VP-Chef wirkte demnach für 59 Prozent der Befragten kompetenter, nur 28 Prozent sahen den SP-Chef als den kompetenteren Diskutanten. Besonders deutlich in Front liegt der Amtsinhaber bei der Frage, wer die "größte politische Erfahrung" vermittelte (81 zu 8 Prozent). Deutlich vor Schüssel liegt Gusenbauer nur bei der Frage nach der größeren Volksnähe - die billigen 60 Prozent dem Oppositionsführer zu und nur 23 Prozent dem Kanzler.

Knapp in Führung liegt Schüssel bei der Frage, wer auf die Zuseher persönlich sympathischer wirkte - 43 Prozent stimmten für den Kanzler, 35 Prozent für den Herausforderer. Außerdem hatte Schüssel für 43 Prozent die überzeugenderen Argumente, Gusenbauer liegt hier nur bei 36 Prozent. Für 56 Prozent wirkte Schüssel zudem "in Sachen insgesamt Sattelfester" (Gusenbauer 27 Prozent).

Gusenbauer stellte Ziele besser dar
Knapp vorne liegt Gusenbauer bei der Frage, wer besser darstellen konnte, welche Ziele er in den kommenden Jahren für Österreich erreichen möchte - hier votierten 43 Prozent für den Oppositionspolitiker und nur 35 Prozent für den Kanzler. Unentschieden die Antwort auf die Frage, er am besten vermittelt hat, "dass ihm Österreich besonders am Herzen liegt" - hier glauben genau 38 Prozent an Schüssel und 38 Prozent an Gusenbauer.

Die Auswirkungen des TV-Duells auf das Wahlverhalten der Österreicher dürften sich in Grenzen halten, wenn man den Angaben der Befragten Glauben schenkt: 62 Prozent meinten, dass es "gar keinen Einfluss" haben werde. Nur fünf Prozent konzedieren einen "sehr starken Einfluss" der Fernsehkonfrontation auf ihr Stimmverhalten. Acht Prozent beurteilen den Einfluss als stark, 15 Prozent als Mittel und zehn Prozent als gering.

"Sehr interessant" war das Kanzlerduell für 23 Prozent der Befragten, je ein Drittel bezeichnet es als interessant oder mittelmäßig interessant. Wenig interessant war es nur für acht und "gar nicht interessant" für zwei Prozent. Allerdings hat auch nur knapp mehr als die Hälfte der Befragten (55 Prozent) die gesamte einstündige Debatte im Fernsehen verfolgt. 35 Prozent sahen nach eigenen Angaben immerhin "mehr als die Hälfte" und zehn Prozent schalteten den Fernseher schon vor der Halbzeit aus.

Die Schwankungsbreiten der Umfrage liegen zwischen 2,5 und 5,8 Prozent.

Schüssel auch in 2. Umfrage vorne
Auch das VP-nahe Meinungsforschungs-Institut Fessel-GfK hat nach dem Kanzler-Duell am Donnerstagabend eine Blitzumfrage (unter 423 Sehern) durchgeführt. Demnach wollen 56 Prozent VP-Chef Wolfgang Schüssel weiterhin als Bundeskanzler, 37 Prozent wünschen sich SP-Vorsitzenden Alfred Gusenbauer in dieses Amt. Während sowohl die ÖVP-Anhänger als auch die SPÖ-Anhänger jeweils ihren Favoriten als "Sieger" des Duells sehen, liegt bei den Unentschlossenen laut Fessel-Umfrage Schüssel vorne (61 zu 25 Prozent). Damit sei die Kanzlerwahl "eindeutig zugunsten Schüssels entschieden" schreibt das VP-nahe Institut in einer Aussendung. (apa/red)