Umfrage belegt Image-Probleme: Lehre bleibt gegenüber Matura im Hintertreffen

Ranking: BHS vor "Lehre mit Matura" und der AHS "Lehre mit Matura" als "logische Weiterentwicklung"

Umfrage belegt Image-Probleme: Lehre bleibt gegenüber Matura im Hintertreffen © Bild: APA/DPA/Thieme

Die Lehre bleibt gegenüber Abschlüssen mit Matura im Hintertreffen. Laut einer von Karmasin Motivforschung im Auftrag des Wirtschaftsministeriums durchgeführten Studie würden 49 Prozent der Österreicher für das eigene Kind eine herkömmliche Lehre als "wahrscheinlichen" Ausbildungsweg wählen. Damit liegt dieser Ausbildungsweg auf Platz vier hinter BHS, "Lehre mit Matura" und AHS-Matura.

78 Prozent der Befragten würden ihre Kinder - so sie welche hätten - "sehr wahrscheinlich" oder "wahrscheinlich" auf eine BHS schicken. 70 Prozent können sich "Lehre mit Matura" als wahrscheinlichen Weg für den Nachwuchs vorstellen, 66 Prozent die AHS-Matura und 49 Prozent eine klassische Lehre. Am schlechtesten schnitten laut Studienleiterin Sophie Karmasin die Pflichtschulen ab, ein Pflichtschulabschluss käme nur für 29 Prozent der Befragten infrage.

Die BHS wurden auch puncto Beurteilung des Ausbildungsangebots am höchsten bewertet - wieder gefolgt von der "Lehre mit Matura", bei der Lehrlinge mittels der Berufsreifeprüfung Zugang zu einer Universität oder Fachhochschule erhalten. Bei der Zukunftstauglichkeit liegen beide Ausbildungswege in der Gesamtbewertung gleich auf an der Spitze.

Image der Lehre am Prüfstand
Ziel der Studie war es, eine repräsentative Befragung für die österreichische Wohnbevölkerung durchzuführen und Wissensstand, Image und Beurteilung der Lehre in der Bevölkerung zu analysieren (500 Telefoninterviews, ab 14 Jahren). Staatssekretärin Christine Marek (V) verwies auf den prognostizierten Fachkräftemangel - laut der Wirtschaftskammer werden "bis 2010 rund 50.000 Facharbeitskräfte fehlen" - sowie die demografische Entwicklung. "Bis 2015 soll es 18.000 15-Jährige weniger geben", so Marek. Bereits in drei Bundesländern gebe es mehr offene Lehrstellen als Lehrstellensuchende. Die "Lehrstellenlücke" entwickle sich kontinuierlich zu einer "Lehrlingslücke". "Wenn wir weiter selbst für unseren Fachkräftenachwuchs sorgen wollen, müssen wir auch in das Image der Lehre investieren", so Marek.

Dabei ist das Bild der Österreicher von der Lehre "sehr ambivalent", so Karmasin. Als Stärken dieser Ausbildung gelten zwar u.a. die Praxisnähe und Berufsorientierung sowie gute Berufschancen, doch gleichzeitig "gibt es eine Reihe von Einwänden", u.a. den Missbrauch der Lehrlinge für Hilfsdienste, Schwächen bei der theoretischen Wissensvermittlung und die schlechte Bezahlung.

"Lehre mit Matura" hat Potenzial
Während die Lehre nicht als moderne und zeitgemäße Ausbildung gilt, sehen die Österreicher laut Karmasin die "Lehre mit Matura" als "logische Weiterentwicklung" dieser Ausbildungsart. 75 Prozent der Befragten hätten bereits von der "Lehre mit Matura" gehört, allerdings nur 64 Prozent der bis zu 30-Jährigen und damit der potenziellen Teilnehmer. Grundsätzliche zeigt sich für Marek, dass die "Lehre mit Matura" als duale Ausbildung viel Potenzial habe. Die 1997 eingeführte Ausbildungsform hätten bereits 12.000 Menschen - auch Erwachsene - in Anspruch genommen. Doch "nicht nur Lehrlinge mit Matura sind top", man werde auch dringend klassische Facharbeiter brauchen.

Allerdings herrschen Informationsdefizite über die Lehre: Mehr als die Hälfte der Befragten gab an, sich mittel bis "gar nicht gut" über Möglichkeiten und Nachteile der Lehre informiert zu fühlen. Mehr Informationen will man dabei auch heuer wieder im Rahmen des "Tag der Lehre" am 16. Oktober vermitteln. Der zum zweiten Mal durchgeführte Informationstag bietet österreichweit Veranstaltungen und wird im Wiener Semper-Depot mit einer "großen Show- und Aktivbühne" begangen, so Marek. Zu den Neuigkeiten zählen u.a. "Probevorstellungsgespräche", die Lehrlinge führen können, sowie die erstmalige Verleihung des Staatspreises für "Beste Lehrbetriebe".

"lehrlingsVZ" gestartet
Mit der Präsentation der Studie erfolgte auch der Start einer neuen Informationswebsite für Lehrlinge à la "StudiVZ": Das Portal "lehrlingsVZ" bietet Raum für die eigene Darstellung, den Chat und Unterhaltung rund um das Thema Lehre.

(apa/red)