"Um Afghanen nicht gekümmert": Taliban enthaupten Dolmetscher von Mastrogiacomo

23-Jähriger war mit Italiener entführt worden Sieben NATO-Soldaten bei Anschlägen getötet

Die Taliban haben nach Angaben eines Sprechers den Journalisten und Dolmetscher der italienischen Ex-Geisel Daniel Mastrogiacomo getötet. Die Regierung sei auf die Forderung nach Freilassung von zwei Taliban-Kommandeuren im Austausch für Adjmal Naqshbandi nicht eingegangen, erklärte Talibansprecher Shahabuddin Atal.

Mastrogiacomo, ein Reporter der italienischen Zeitung "La Repubblica", und Naqshbandi waren am 5. März gemeinsam mit einem Fahrer in der südafghanischen Provinz Helmand verschleppt worden. Der Fahrer wurde enthauptet, Mastrogiacomo kam am 19. März im Austausch für fünf Taliban-Gefangene frei. Die Taliban hatten eine ähnliche Forderung auch für die Freilassung Naqshbandis erhoben.

"Um 15.05 Uhr (Ortszeit) haben wir Adjmal im Bezirk Garmsir der Provinz Helmand geköpft", erklärte Atal, nach eigenen Angaben ein Sprecher des Taliban-Regionalkommandeurs Mullah Dadullah. "Als wir den Austausch für den italienischen Journalisten verlangt haben, hat die Regierung die Gefangenen freigelassen, aber um den afghanischen Journalisten hat sich die Regierung nicht gekümmert", sagte er.

Ein Sprecher des Innenministeriums in Kabul erklärte, die Polizei habe bisher keine Beweise für eine Tötung des 23-jährigen Naqshbandis. Der Handel für die Freilassung Mastrogiacomos war seinerzeit von vielen Seiten kritisiert worden.

Der UN-Sonderbeauftragte für Afghanistan, Tom Koenigs, verurteilte unterdessen die Ermordung Naqshbandis und forderte die afghanischen Behörden auf, die Täter zur Rechenschaft zu ziehen. "Ich verurteile diesen sinnlosen Mord ohne Einschränkungen", erklärte er.

Der Herausgeber von "La Repubblica", Ezio Mauro, erklärte in einer Stellungnahme auf der Web-Site der Zeitung, Naqshbandi sei lediglich seiner Arbeit wegen in die Region gekommen.

Der afghanische Präsident Hamid Karzai verteidigte unterdessen die Freilassung der Taliban im Austausch für Mastrogiacomo. Der italienische Ministerpräsident Romano Prodi habe seine Regierung mehrfach um Unterstützung gebeten, sagte Karzai. Die Entführung des Reporters habe Rom unter Druck gesetzt. Ein solcher Gefangenenaustausch werde jedoch nicht wiederholt, betonte Karzai.

Sieben NATO-Soldaten bei zwei Anschlägen in Afghanistan getötet
Bei zwei Anschlägen in Afghanistan sind sieben Soldaten der NATO-geführten Schutztruppe ISAF getötet worden. Wie die NATO in der Hauptstadt Kabul mitteilte, explodierte ein Sprengsatz im Süden des Landes, als ISAF-Soldaten mit ihrem Fahrzeug vorbeifuhren. Sechs Soldaten seien ihren Verletzungen erlegen. Zuvor hatte die NATO einen weiteren Anschlag im Süden des Landes gemeldet, bei dem ein Soldat getötet und zwei weitere verletzt worden waren. Auch sie waren demnach in einem Fahrzeug unterwegs.

Bei weiteren Anschlägen wurden drei Afghanen getötet. Bei Kämpfen zwischen afghanischen Sicherheitskräften und radikalislamischen Taliban starben fünf Menschen.

Über den genauen Ort und die Nationalität der getöteten ISAF-Soldaten gab die NATO keine Auskunft. Im Süden des Landes, wo die Taliban wieder auf dem Vormarsch sind, sind vor allem Briten, Kanadier und Niederländer stationiert. Seit Anfang des Jahres wurden in Afghanistan bereits 34 ausländische Soldaten getötet. Die ISAF hat in Afghanistan 37.000 Soldaten aus 37 Nationen stationiert; hinzukommen mehr als 10.000 Soldaten des US-geführten Anti-Terror-Einsatzes "Enduring Freedom".

(apa/red)