Kiew von

Ukraine wählt Poroschenko
und Klitschko

Poroschenko siegte ersten Ergebnissen zufolge. Klitschko wird Bürgermeister.

Poroschenko und Klitschko © Bild: APA/EPA/ALEXEY FURMAN

Bei der Präsidentenwahl in der Ukraine hat der Milliardär Petro (Pjotr) Poroschenko auch ersten Auszählungsergebnissen zufolge in der ersten Runde gewonnen. Er kam demnach auf 54,39 Prozent der Stimmen, wie die zentrale Wahlkommission am Montag in Kiew nach Auswertung von 20 Prozent der Stimmzettel mitteilte.

Die Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko landete weit abgeschlagen bei 13,2 Prozent der Stimmen. Es gibt deshalb keine Stichwahl. Zuvor hatte sich der frühere Wirtschafts- und Außenminister Poroschenko auf Grundlage von Prognosen zum Sieger erklärt. Prognosen zufolge gewann auch Poroschenkos Gefolgsmann, der Ex-Boxprofi Vitali Klitschko, bei der Bürgermeisterwahl in Kiew.

Von der Wahl abgehalten

Im Osten des Landes hielten bewaffnete prorussische Separatisten die Bürger allerdings von der Stimmabgabe ab. In der Bergarbeiterstadt Donezk mit ihren eine Million Einwohnern blieben alle Wahllokale geschlossen, die Straßen waren menschenleer aus Angst vor Gewalt. Der neue Präsident muss die Ukraine nach der Abspaltung der Halbinsel Krim und den Unruhen im Osten aus einer existenziellen Krise führen. Ob dies gelingt, hängt maßgeblich von Russland ab. Bisher ist jedoch völlig unklar, ob der große Nachbar den Wahlausgang anerkennen wird.

Poroschenko verspricht den 45 Millionen Ukrainern eine engere wirtschaftliche und politische Anbindung an den Westen und trotzt damit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin. Die Abstimmung habe ihm das Mandat gegeben, seinen Europa-freundlichen Kurs fortzusetzen, erklärte der schwer reiche Süßwaren-Fabrikant nach der Bekanntgabe der Prognosen. Noch in diesem Jahr solle eine Parlamentswahl stattfinden, kündigte er an. Als erstes werde er aber in den Osten des Landes reisen, um "Krieg und Chaos" dort zu beenden. Verhandlungen mit den Separatisten schloss er aus, bis sie ihre Waffen niederlegten.

Keine Anerkennung der "Krim-Besatzung"

Russlands "Besatzung der Krim" werde er nie anerkennen, betonte Poroschenko in seiner Wahlkampfzentrale. Dennoch wird sich der schwer reiche Geschäftsmann bemühen müssen, die Beziehungen zum großen Nachbarn im Norden wieder zu flicken. Denn die Ukraine steht finanziell am Abgrund - und Russland liefert ihr nicht nur einen Großteil ihres Erdgases, sondern ist auch der größte Absatzmarkt für ihre Waren.

Barack Obama hat dem ukrainischen Volk bereits zur Präsidentenwahl gratuliert. Obama sagte er dem künftigen Staatsoberhaupt seine Unterstützung bei "wichtigen politischen und wirtschaftlichen Reformen" zu. Er lobte die Ukrainer für ihren Mut und ihre Entschlossenheit, "ihre Führungspersonen ohne Einmischung von außen zu wählen und in einer Demokratie zu leben". Trotz Provokationen und Gewalt seien Millionen Ukrainer in die Wahllokale gegangen, um ihrer Stimme Gehör zu verschaffen.

"Ein Traum geht in Erfüllung"

Nach dem voraussichtlichen Sieg von Vitali Klitschko bei der Bürgermeisterwahl in der ukrainischen Hauptstadt Kiew hat sich der Boxweltmeister "überwältigt" gezeigt. Für ihn gehe "ein Traum in Erfüllung", schrieb Klitschko in einem Beitrag für die "Bild"-Zeitung vom Montag. "Ich bin überwältigt von dem Vertrauen, das mir entgegen gebracht wurde."

Der Wahltag in der Ukraine sei "ein Tag, der unserem ganzen Land wieder Hoffnung macht", schrieb Klitschko auch mit Blick auf Poroschenkos Wahlerfolg, weiter. Noch weitere Wochen "ohne einen demokratisch gewählten Präsidenten wären in dieser Situation fatal gewesen". Er wolle nun gemeinsam mit Poroschenko "die großen Probleme sofort anpacken" und durch Reformen Investitionsanreize schaffen.

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