Konflikt eskaliert von

Ukraine wirft Russland Abschuss von Transportflugzeug vor

Russland verstärkt Truppen im Grenzgebiet. Mögliche Sanktionen Thema bei EU-Gipfel.

Ukraine Konflikt © Bild: REUTERS/Maxim Zmeyev

Kurz vor dem EU-Gipfel eskaliert in der Ostukraine erneut der Konflikt zwischen der Ukraine und Russland. Das ukrainische Verteidigungsministerium bestätigte am Montag den Abschuss eines Militärflugzeugs durch prorussische Separatisten. Die Rakete sei wahrscheinlich von russischem Gebiet aus abgefeuert worden, sagte Verteidigungsminister Waleri Heletej.

Zuvor hatte Präsident Petro Poroschenko Russland vorgeworfen, sich mit Offizieren direkt an den Gefechten im Osten seines Landes zu beteiligen. Außerdem sei in den vergangenen Tagen ein neues russisches Raketensystem gegen die ukrainische Armee eingesetzt worden, erklärte er bei einer Krisensitzung des Nationalen Sicherheitsrates in Kiew. Deshalb werde die Armee ihre Truppen im Osten massiv aufrüsten. "Darauf müssen wir reagieren", so Poroschenko.

Truppen verstärkt

Ein Sprecher des Sicherheitskabinetts sagte, es sei beobachtet worden, dass nahe Luhansk russische Einheiten und Ausrüstung über die Grenze gebracht worden seien. Zudem verstärke Russland seine Truppen an der Grenze. Auch die NATO warf Russland vor, bereits wieder mehr als 10.000 Soldaten im Grenzgebiet zur Ukraine zusammengezogen zu haben.

Poroschenko hatte am Sonntag in einem Telefonat mit EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy gefordert, dass die EU einen härteren Kurs gegen Moskau fahren sollte. Auf dem EU-Gipfel am Mittwoch soll auch über neue Sanktionen gesprochen werden. Russland steuerte dagegen und lud als "Geste des guten Willens" die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit (OSZE) ein, Beobachter an zwei russisch-ukrainische Grenzposten zu schicken.

Maschine von Rakete getroffen

Das Verteidigungsministerium in Kiew teilte mit, eine Transportmaschine vom Typ AN-26 sei beim Einsatz gegen die Separatisten südöstlich von Luhansk von einer Rakete getroffen worden. Zu zwei der acht Besatzungsmitgliedern hätten die Retter Kontakt. Das Schicksal der übrigen sechs Insassen war zunächst unklar. Das Flugzeug sei in 6.500 Metern Höhe geflogen. Daher komme eigentlich nur ein Raketenabschuss von russischer Seite und nicht durch die prorussischen Separatisten in der Ostukraine infrage, die nicht über entsprechende Waffensysteme verfügten. Prorussische Separatisten hatten den Abschuss bereits zuvor vermeldet, sie erklärten jedoch, 20 Fallschirmspringer seien ums Leben gekommen.

In Luhansk hatten ukrainische Regierungstruppen nach eigenen Angaben am Sonntagabend die Blockade des Flughafens durchbrochen. Kampfflugzeuge hätten den Separatisten dabei schwere Verluste zugefügt. Auch ein Konvoi bewaffneter Fahrzeuge sei beschossen worden, der nach Darstellung der Regierung von Russland aus die Grenze überquert hatte. Die prorussischen Kräfte wiesen dies am Montag zurück. Alle Angriffe seien abgewehrt worden. Die Stadtverwaltung von Luhansk appellierte an die Einwohner, nicht auf die Straße zu gehen.

30 Kämpfer getötet

Allerdings verloren die Aufständischen bei Luftangriffen der ukrainischen Streitkräfte nach eigener Darstellung 30 Kämpfer in den eigenen Reihen. Diese seien bei einem Beschuss des Ortes Aleksandrowka getötet worden, teilte Sprecher Konstantin Knyrik vom Informationszentrum Südost-Front mit. Das Verteidigungsministerium in Kiew bestätigte, dass es am Sonntag nahe Luhansk fünf Luftschläge gegeben habe. "Der Feind hat bedeutende Verluste erlitten", teilte das Ministerium mit. Auch Kampftechnik sei zerstört worden.

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