Ukraine-Krise von

Putin traf Poroschenko

Die beiden Präsidenten wollen in Kürze über einen Waffenstillstand beraten

Poroschenko © Bild: imago/Metodi Popow

Russlands Präsident Wladimir Putin und sein neu gewählter ukrainischer Kollege Petro Poroschenko haben in der französischen Normandie erstmals ein Gespräch geführt. Es sei vereinbart worden, in den kommenden Tagen über "die Modalitäten eines Waffenstillstandes" zu beraten, wie am Freitag aus dem Umfeld des französischen Präsidenten Francois Hollande verlautete.

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Putin und Poroschenko hätten sich die Hände gegeben und sich "vollkommen normal unterhalten". Nach Angaben der französischen Regierung brachte Hollande die beiden zusammen. Sie hätten eine Viertelstunde lang über Möglichkeiten gesprochen, die Lage in der Ostukraine zu entspannen.

Außerdem haben sie zu einem Ende des Blutvergießens und der Militäreinsätze im Osten der Ukraine aufgerufen. Dies meldete die Nachrichtenagentur RIA Novosti am Freitag unter Berufung auf das russische Präsidialamt.

Auch Merkel dabei

Ein Reporter beobachtete zudem, wie Putin, Poroschenko und die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel zusammen das Schloss von Benouville betraten und dabei miteinander sprachen. Merkel hatte sich am Vormittag mit Putin getroffen.

Poroschenko wird am Samstag in Kiew in sein Amt eingeführt, auch Bundespräsident Heinz Fischer reist nach Kiew. Die G-7-Staaten hatten Putin am Donnerstag aufgefordert, die Wahl des ukrainischen Präsidenten anzuerkennen.

Merkel und Putin: Kühle Atmosphäre

Merkel und Putin wollten beim ersten persönlichen Treffen seit Beginn der Ukraine-Krise über Wege zur Wiederannäherung beraten. Zur Begrüßung gaben sich Merkel und Putin kurz die Hand, die Atmosphäre wirkte kühl. Die Politiker saßen vor den Flaggen beider Länder an einem Tisch relativ weit voneinander entfernt.

Krisen-Entschärfungs-Plan am Tisch?

Nach Angaben aus deutschen Delegationskreisen dauerte das Gespräche am Freitag im französischen Deauville knapp über eine Stunde. Ergebnisse des Gesprächs wurden zunächst nicht bekannt. Nach russischen Angaben sollte bei dem Gespräch zwischen Merkel und Putin in Deauville ein Plan auf dem Tisch liegen, um die schwerste Sicherheitskrise in Europa nach Ende des Kalten Krieges zu entschärfen. Aus deutschen Regierungskreisen wurde dies zunächst nicht bestätigt.

Es wurde erwartet, dass Merkel an ihrem Kurs festhält und Putin Verhandlungsbereitschaft signalisiert, ihm aber auch deutlich macht, dass der Westen zu weiteren Sanktionen bereit ist, falls er in der Ukraine-Krise nicht einlenkt. Merkel hatte seit der international scharf kritisierten Annektierung der Krim durch Russland vor knapp drei Monaten immer wieder mit Putin telefoniert, ihn aber nicht mehr persönlich getroffen.

Auch Obama traf Putin

US-Präsident Barack Obama hat Putin zu einem Kurswechsel im Ukraine-Konflikt aufgefordert und Konsequenzen im Falle einer Weigerung angedeutet. Ohne eine "Deeskalation der Spannungen in der Ukraine" werde sich Russland auf internationaler Bühne "weiter isolieren", sagte Obama bei seinem Treffen mit dem russischen Amtskollegen.

Der US-Präsident forderte laut seinem stellvertretenden Nationalen Sicherheitsberater Ben Rhodes die Anerkennung des gewählten ukrainischen Staatschefs Petro Poroschenko durch Moskau, das "Ende der Unterstützung für die Separatisten in der Ostukraine und einen Stopp sämtlicher Waffen- und Materiallieferungen über die Grenze" zum Nachbarland. Obama habe Putin im persönlichen Gespräch verdeutlicht, dass die "erfolgreiche" Präsidentschaftswahl in der Ukraine am 25. Mai "eine Chance ist, die ergriffen werden muss", sagte Rhodes weiter.

"Sollte Russland diese Chance ergreifen, die neue Regierung in Kiew anerkennen und mit ihr zusammenarbeiten", könnten möglicherweise auch bilaterale Spannungen im Verhältnis zwischen Moskau und Washington abgebaut werden, erläuterte Rhodes die Äußerungen Obamas weiter.

Zur Atmosphäre während des 15-minütigen informellen Gesprächs der beiden Staatschefs wurden am Freitag zunächst keine Details bekannt. Zuvor gingen sich Obama und Putin beim Familienfoto der D-Day-Feiern aber aus dem Weg. Bei der Platzierung waren die beiden Staatschefs jeweils von Adligen eingerahmt. Merkel stand beim Foto schräg hinter Putin. Beim Auseinandergehen war Obama ins Gespräch mit Queen Elizabeth vertieft, während Putin und der französische Präsident Francois Hollande miteinander sprachen.

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