Neue Regierung von

Timoschenko versus Klitschko:
Machtkampf in der Ukraine

Die "Gasprinzessin" gegen den Boxer mit Blick Richtung Westen

Zwei Namen aus der Opposition stehen besonders im Mittelpunkt der Umwälzungen in der Ukraine: Die lange Zeit inhaftierte ehemalige Ministerpräsidentin Julia Timoschenko und der Profiboxer Vitali Klitschko. Was sie eint, ist ihr Wunsch nach einer Öffnung Richtung Westen. Unumstritten sind aber beide nicht. Nach der Absetzung und Flucht von Ex-Präsident Janukowitsch ruht die Hoffnung des Landes nun auf der Opposition.

Mit einem emotionalen Auftritt im Rollstuhl vor mehr als 100.000 Regierungsgegnern in Kiew feierte Julia Timoschenko ein furioses Comeback - auch wenn es für sie auf dem Unabhängigkeitsplatz (Maidan) auch Pfiffe gab. Bereits aus der zweieinhalbjährigen Haft heraus führte die wegen Amtsmissbrauchs verurteilte Politikerin mit flammenden Appellen die Opposition gegen Präsident Viktor Janukowitsch.

Wie glaubhaft ist Julia Timoschenko?

Die in Dnjepropetrowsk geborene Timoschenko stieg nach dem Zerfall der Sowjetunion 1991 zur "Gasprinzessin" auf. Politische Gegner werfen der Ex-Regierungschefin mit Blick auf ihr Vermögen vor, keine saubere Weste zu haben. Für viele ist die 53-Jährige aber noch ein Symbol der prowestlichen Orangenen Revolution von 2004.

Klitschko: Nur begrenzten Einfluss?

Der 42-jährige Vitali Klitschko ist international vor allem als erfolgreicher Boxer bekannt. Seit 2012 sitzt er als Fraktionschef der Partei Udar (Schlag) im Parlament in Kiew. In seiner Heimat Ukraine verbinden viele Menschen mit "Dr. Eisenfaust" die Hoffnung auf eine weitere Westanbindung der Ex-Sowjetrepublik.

Der 2,02-Meter-Hüne hatte erklärt, sogar Präsident des zweitgrößten Flächenstaats Europas werden zu wollen. Nach dem jüngsten Machtwechsel wird er in den Medien auch als möglicher Außenminister gehandelt. Kritiker werfen ihm vor, er habe kein Konzept. Beobachter halten Klitschkos Einfluss für begrenzt.

© APA/ EPA/SERGEY DOLZHENKO Klitschko inmitten der Demonstrationen in Kiew

Weitere wichtige politische Akteure

Alexander Turtschinow: Der Wirtschaftswissenschaftler Alexander Turtschinow steht als Parlamentschef und Übergangspräsident auf dem Höhepunkt seiner bisherigen Karriere. Der 49-Jährige stammt wie Julia Timoschenko aus Dnjepropetrowsk und gilt als Vertrauter der Oppositionspolitikerin. Turtschinow war bereits während der Orangenen Revolution 2004 einer der Organisatoren der Proteste. Nach dem Sieg der demokratischen Kräfte wurde er Geheimdienstchef. Bei der Bürgermeisterwahl in Kiew kandidierte er 2008 für die Partei von Timoschenko, scheiterte aber. Seine Gegner werfen dem früheren Vizeregierungschef Korruption vor, ohne aber Beweise zu präsentieren.

© Reuters/Alex Kuzmin Alexander Turtschinow

Arseni Jazenjuk: Als Fraktionschef der Vaterlandspartei galt der 39-jährige Arseni Jazenjuk vielen Ukrainern lange nur als "Platzhalter" für die inhaftierte Julia Timoschenko. Medien in Kiew bezeichnen ihn oft als blassen Technokraten. Mit seinen mitreißenden Reden bei den Protesten auf dem Maidan hat es der Jurist aber geschafft, aus dem Schatten der übermächtigen und jetzt aus der Haft entlassenen Parteifreundin zu treten. Beobachter schließen nicht aus, dass es in der Partei nun zu einer Zerreißprobe kommen könnte. Politische Erfahrung besitzt Jazenjuk als ehemaliger Wirtschafts-und Außenminister reichlich.

© REUTERS/Maks Levin Arseni Jazenjuk mit Timoschenko nach ihrer Freilassung

Kommentare

Die hat doch von der Politik KEINE AHNUNG!!!!!!!!!!

napy-one melden

Der hat doch von der Politik KEINE AHNUNG!!!!!!!!!!

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Die Ukraine wird jetzt schön brav ausverkauft, das Volk besch****n und in einem halben Jahr gehen sie wieder auf die Straße. Nur dann werden sie im Namen der Demokratie geknüppelt.

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