Ukraine-Krise von

EU-Sanktionen treffen Russen kaum

Experte: Niedriger Ölpreis und schwacher Rubel wirken sich stärker aus

Ukraine-Krise - EU-Sanktionen treffen Russen kaum © Bild: REUTERS/Mikhail Metzel/Pool

Die Russlandsanktionen der EU wirken sich kaum auf das russische BIP aus, glaubt der russische Wirtschaftsprofessor Sergey Afontsev. 2015 werde das BIP-Wachstum aufgrund der Sanktionen um nur 0,1 Prozentpunkte geringer ausfallen. Deutlicher wirke sich die Maßnahme bei den Importen Russlands aus: Im dritten Quartal 2014 fielen sie im Vergleich zum ersten Quartal um 6,3 Prozent.

Grundsätzlich sei es aber schwer zu sagen, welche Effekte genau die Sanktionen auf die russische Wirtschaft haben, so Afontsev, Direktor und Professor am Moskau State Institute for International Relations. Das BIP sei aber kaum betroffen. 2016 könnte dann dadurch das Wachstum um etwa 0,4 Prozentpunkte geringer ausfallen. Wesentlich wirkungsvoller schätzt der frühere österreichische EU-Abgeordnete Hannes Swoboda die Sanktionen ein. Er geht davon aus, dass diese Maßnahme Russland ein Prozent seiner Wirtschaftsleistung gekostet hat.

Afontsev erinnert daran, dass auch andere Faktoren zur Verschlechterung der Indikatoren beitragen. Etwa die grundsätzlich schlechte Wirtschaftslage Russlands. Mehr als die Sanktionen schadeten der russischen Wirtschaft der niedrige Ölpreis, der schwache Rubel und die Kapitalflucht. 100 bis 120 Mrd. Dollar seien bis zum dritten Quartal 2014 aus Russland abgeflossen. Viele Firmen hätten Schulden in Dollar oder Euro. Der niedrige Rubel lasse diese in die Höhe schnellen. Russische Unternehmen haben oft auch ohne Sanktionen Probleme mit westlichen Partnern, erinnerte Afontsev diese Woche bei einer Veranstaltung in Wien.

Für die Lösung der Ukraine-Krise seien die Sanktionen kontraproduktiv, glaubt der russische Wissenschafter. Denn die russische Öffentlichkeit gebe dem Westen die Schuld für die schlechte wirtschaftliche Lage und solidarisiere sich mit Putin. Zusätzliche Unsicherheit schaffe der Zeitpunkt der jüngsten Sanktionsverschärfung: Die EU hat einen Tag nach der Unterzeichnung des Minsker Abkommens zwischen der ukrainischen Regierung und den prorussischen Separatisten die Sanktionen erweitert, erinnerte Afontsev. Auch könne sich Russland nicht sicher sein, dass ein völliger Rückzug aus der Ukraine das Zurücknehmen der Sanktionen zur Folge hätte.

Putin selbst hätte überhaupt kein Interesse an der Ostukraine, so die These Afontsevs. Er wolle nur unter keinen Umständen, dass die Ukraine NATO-Mitglied wird. Das Abkommen der Ukraine mit der EU sah Putin als ersten Schritt zur NATO-Mitgliedschaft. Da die Lösung aller ethnischen oder territorialen Streitigkeiten Voraussetzung für die NATO-Mitgliedschaft eines Staates sei, habe Putin großes Interesse, in der Ukraine, Georgien und in der Republik Moldau Konflikte zu schüren. Eine Lösung könne ein internationales Abkommen sein, das garantiert, dass die genannten Länder nie in die NATO aufgenommen werden.

Afontsev war am Dienstag Gast eines Workshops in Wien vom The International Center for Advanced and Comparative EU-Russia (NIS) Research (ICEUR), der unter anderem die Sanktionen gegen Russland als Thema hatte.

Kommentare

Oliver-Berg
Oliver-Berg melden

Putin ist und bleibt ein Machtmensch. Der probiert jetzt aus, was sich viele Russen denken. Die Ukraine war hunderte Jahre lang russischer Boden. Die EU und die Nato sind permanent gewachsen. Zudem gibt es in der Ukraine eine Pseudodemokratie. Putin tut das was die EU und die Nato vor ihm getan haben.

Die Sanktionen wirken doch. Man sollte sich an das Jahr 1998 1. Rubelkrise zurück erinnern.

christian95 melden

Einen "ganz kleinen Putin" könnte die EU bauch brauchen. Diese EU wird immer wieder weltweit gar nicht ernst genommen.

higgs70

Naja, in Einigem dürfte der Mann nicht ganz falsch liegen, denn die ganze Situation ist ja nicht entstanden, weil der Machtpolitiker Putin eines Morgens aufwachte und beschloss,die Sowjetunion wiederherzustellen, sondern weil die EU den Sturz eines durchaus korrupten Präsidenten beförderte und anschließend meinte, man könne die eigene Einflusssphäre ausdehnen ohne auf die russischen Befindlichkeiten Rücksicht zu nehmen und mit denen zu sprechen. Und dabei hat man halt übersehen, dass auch eine Mittelmacht ihre Interessen hat und vor allem, dass die Loyalitäten der Bevölkerung dort durchaus geteilt sind. Und die Nato war vorher viel relativierter, - in einem friedlichen Europa braucht das ja niemand - hat aber schnell Morgenluft gewittert und schon publizistisch Öl ins Feuer gegossen bevor der Russe sich wirklich bewegte, so wird ein Schühlein draus. Und man hat verabsäumt sich sofort an einen Tisch zu setzen und auch jetzt lassen alle ihre Muskeln spielen statt es zu tun.

Es gab immer viele Analytiker die meinten, dass ein Atomkrieg nicht aus einem Großkonflikt sondern aus einem lokalen Schmarrn entstehen würde und da will man wohl hin.

Diese Sanktionen wirken sehr wohl. Nicht für Russland sondern im eigenen Land. Die ohnehin schwächelnde Wirtschaft liegt danieder und die Arbeitslosigkeit steigt weiter.
Noch nie haben Sanktionen etwas bewirkt. (Gegen Bundespräsident Waldheim, gegen die Schüssel - Haider - Regierung usw.)

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