Ukraine von

Heftige Kämpfe in der Ukraine

Schüsse in Luhansk und Donezk - Kommende Woche Krisentreffen in Minsk angesetzt

Ukrainische Soldaten. © Bild: REUTERS/Valentyn Ogirenko

Während im Osten der Ukraine die Kämpfe immer härter werden, halten diplomatische Bemühungen um den Ukraine-Konflikt an. Im Zentrum von Luhansk lieferte sich die ukrainische Armee nach eigenen Angaben am Dienstag Straßenkämpfe mit den Separatisten. Am kommenden Dienstag treffen Russlands Präsident Wladimir Putin und sein ukrainischer Kollege Petro Poroschenko mit EU-Vertretern in Minsk zusammen.

THEMEN:

Die "Straßenkämpfe" hätten sich ins Zentrum der Industriestadt Luhansk verschoben, erklärten ukrainische Armeevertreter. Demnach wurde ein Bezirk von Luhansk "befreit". Nach Angaben der Stadtverwaltung wurden in der Nacht zum Dienstag mehrere Zivilisten bei Gefechten getötet oder verletzt. Sollte sich das Vorrücken der Armee bestätigen, wäre dies ein bedeutender Fortschritt im Kampf um die Rückeroberung der Städte.

Kämpfe auch in Donezk

Auch in der Innenstadt der Industriemetropole Donezk toben mittlerweile Kämpfe. Eine Reuters-Reporterin beobachtete am Dienstag, wie sich mehrere Separatisten auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums versteckten und von dort schossen. Zivilisten flüchteten aus der Nähe des Rebellen-Hauptquartiers, nachdem die Gegend mit Granaten beschossen worden war.

Die ukrainischen Regierungstruppen versuchen, gegen die Rebellen in Donezk weiter vorzurücken. In der Stadt lebten vor dem Krieg fast eine Million Menschen. Am Dienstag schlossen wegen des Granatbeschusses viele Geschäfte. Kämpfer der Separatisten rasten mit Autos durch die Stadt.

Merkel reist nach Kiew

Auf Einladung Poroschenkos reist die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Samstag erstmals seit Beginn des Konflikts nach Kiew. Dort will sie über "konkrete Möglichkeiten" sprechen, "die Ukraine in der aktuellen Krise zu unterstützen", wie Regierungssprecher Steffen Seibert sagte. Merkel will demnach auch mit Regierungschef Arseni Jazenjuk zusammenkommen. Zuvor hatte Kiew Merkels Visite angekündigt und von einem "sehr interessanten Besuch" gesprochen.

Im weißrussischen Minsk findet am Dienstag zudem ein Regionalgipfel statt, an dem Putin, Poroschenko, die Präsidenten aus Kasachstan und Weißrussland sowie EU-Vertreter teilnehmen. Nach Kreml-Angaben sind auch bilaterale Gespräche geplant, es blieb aber unklar, ob Putin und Poroschenko direkt zusammenkommen. Poroschenkos Büro erklärte, in Minsk solle unter anderem über Möglichkeiten zur Stabilisierung der Lage in der Ostukraine beraten werden. Die EU ist vordergründig durch die Außenbeauftragte Catherine Ashton vertreten.

Steinmeier glaubt an Lösung

Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte am Dienstagabend im ZDF, er halte den Konflikt "noch immer für lösbar". Er erkenne eine "Veränderung in der Haltung beider Konfliktpartner", sagte er. Beide Seiten suchten nach Möglichkeiten, einen Weg zu einer Waffenruhe zu finden. Es sei nach den Entscheidungen zu Sanktionen gegen Moskau außerdem "richtig", dass nun wieder eine Phase der Gespräche eingeleitet worden sei.

Auch ein ranghoher Vertreter der ukrainischen Präsidentschaft sprach angesichts der diplomatischen Termine von einer "wichtigen Woche". Er begrüßte, dass von der "Telefondiplomatie" zur "direkten Interaktion" übergegangen werde.

Wasser zunehmend knapp

In der Ostukraine verschärfte sich indes die Lage. Luhansk hat seit nunmehr 17 Tagen keinen Zugang zu Strom, Wasser und Lebensmitteln. Auch in der Rebellenhochburg Donezk standen die Menschen erneut für Wasser Schlange. Eine AFP-Reporterin berichtete von mehreren Gefechtsexplosionen.

In Makijiwka östlich von Donezk sah ein AFP-Fotograf drei Leichen auf der Straße. Die Stadt war am Dienstagvormittag beschossen worden. Rauchsäulen stiegen auch über der nahegelegenen Stadt Jasinuwata auf, wo Soldaten nach eigenen Angaben bei einer "Säuberungsaktion" im Einsatz waren. Nahe Luhansk barg die Armee nach eigenen Angaben mindestens 17 tote Zivilisten aus einem Flüchtlingskonvoi, der am Montag von Rebellen beschossen worden sein soll. Die Separatisten wiesen das zurück.

Hilfskonvoi nach wie vor blockiert

Im Streit um einen russischen Hilfskonvoi für die Ostukraine warf der russische Außenminister Sergej Lawrow der Regierung in Kiew eine Blockadehaltung vor. Es sei schwer nachvollziehbar, warum die etwa 280 Lastwagen aus Moskau seit Tagen an der Grenze festsitzen würden. Lawrow sicherte dem Präsidenten des Internationalen Roten Kreuzes (IKRK), Peter Maurer, bei einem Telefonat erneut zu, dass Russland die Leitung des Konvois komplett der Hilfsorganisation überlasse.

Das Rote Kreuz warte weiter auf Sicherheitsgarantien der Ukraine, sagte Maurer demnach. Ohne diese werde das IKRK die rund 2.000 Tonnen Hilfsgüter nicht durch das von Aufständischen beherrschte Gebiet in die Großstadt Luhansk bringen. Separatistenführer Andrej Purgin sagte der Organisation Schutz zu.

Über die Krise hatten in Berlin am Sonntag auch die Außenminister von Deutschland, Russland, der Ukraine und Frankreich beraten. Über weitere Gespräche sollte noch am Dienstag entschieden werden.

Nach UN-Angaben wurden seit dem Beginn des Konflikts mehr als 2100 Menschen getötet. Mehr als 285.000 Menschen sind auf der Flucht.

Kommentare