UEFA nach Bild-Ausfällen in der Kritik:
TV-Mattscheibe droht juristisches Nachspiel

Strom- & Back up-Aussetzer führten zu Unterbrechung ZDF prüft Klage gegen europäischen Fußball-Verband

UEFA nach Bild-Ausfällen in der Kritik:
TV-Mattscheibe droht juristisches Nachspiel © Bild: Reuters/Prammer

Die Fernsehpanne beim Halbfinale Deutschland gegen Türkei hat möglicherweise ein juristisches Nachspiel. Das ZDF überprüft derzeit, ob Ansprüche gegen die Europäische Fußball Union (UEFA) geltend gemacht werden können. Bei der Live-Übertragung, die in Deutschland bis zu 32,74 Millionen Fans verfolgten, war das von der UEFA produzierte Weltbild in der zweiten Spielhälfte mehrmals wegen eines Stromausfalls im Internationalen Fernsehzentrum (IBC) in Wien ausgefallen.

Die Panne könnte laut ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz einen deutschen TV-Rekord verhindert haben. Im Schnitt sahen 29,54 Millionen Deutsche (81,8 Prozent Marktanteil) die dramatische Partie. Das bedeutet EM-Rekord und Platz zwei in der ewigen TV-Hitliste hinter dem Halbfinale Deutschland gegen Italien (29,66 Millionen) bei der Heim- Weltmeisterschaft 2006.

Drei kurze Stromaussetzer und das Versagen des Sicherheitssystems sind die Gründe, die zum Ausfall der TV-Bilder während der Direktübertragung geführt haben.

"Bedauern das zutiefst"
"Wir bedauern das zutiefst. Es war eine Verkettung unglücklicher Umstände", so Alexandre Fourtoy, der Chef der UEFA Media Technology SA. Schuld an den Ausfällen seien drei Strom-Ausfälle im Milli-Sekunden-Bereich des Stromversorgungssystems gewesen. "Diese reichten aus, um das System neu starten zu müssen," begründete Fourtoy die Probleme im International Broadcasting Center (IBC), das auf dem Wiener Messe-Areal im Prater untergebracht ist.

Zum Zeitpunkt der Live-Übertragung waren über über der österreichischen Bundeshauptstadt schwere Gewitter mit starkem Wind niedergegangen. In vielen Ländern blieben die TV-Schirme für insgesamt 18 Minuten dunkel.

Der Mainzer Sender hatte nach einem zweiten Stromausfall in Wien das Übertragungssignal des Schweizer Fernsehens SF1 übernommen, das zu dieser Zeit über eine Glasfaser-Direktverbindung aus dem Stadion in Basel als einziges noch verfügbar war.

Sender müssen UEFA-Signal übernehmen
Laut Gruschwitz haben sich alle anderen TV-Sender verpflichtet, das von der UEFA in Wien produzierte Signal zu übernehmen. Auch die von eigenen Kameras hergestellten ZDF-Bilder gehen über das IBC und waren von der technischen Panne betroffen. "Darüber wird noch zu reden sein", sagte Gruschwitz.

Durch die Übernahme der Fernsehbilder von SF1 sahen die deutschen Zuschauer auch einen sogenannten Flitzer, der in Basel über den Platz lief und von Ordnungskräften zu Boden gerissen wurde. Bei einem ähnlichen Vorfall während der Partie Österreich gegen Kroatien hatte die UEFA die Szene in ihrem Weltbild- Angebot nicht gezeigt. TV-Kritiker sprachen danach von Zensur.

(apa/red)

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