Übungsgelände für Tausende Soldaten:
Pro Jahr sind 30.000 Soldaten in Allentsteig

Nazis löschten viele Dörfer für Trainingsgelände aus

Mit seinen 157 Quadratkilometern ist der Truppenübungsplatz Allentsteig fast genauso groß wie das Fürstentum Liechtenstein. Heute ist er ein moderner Trainingsplatz mit technischen Anlagen, die dem Bundesheer, das seit 1957 über das Gebiet verfügt, als Schieß- und Ausbildungsstätte dienen. Rund 30.000 Soldaten kommen pro Jahr auf den Übungsplatz, 1.500 können gleichzeitig in den vorhandenen Unterkünften untergebracht werden.

Der Truppenübungsplatz hat - im Vergleich zum übrigen Waldviertel - eine vergleichsweise kurze, dafür umso bewegtere Vergangenheit. Am 26. Juni 1938 ordneten die Nazis die Aussiedlung von 42 Dörfern und die Schließung zahlreicher Pfarren an - knapp 7.000 Menschen verloren bis 1942 ihre Heimat. Denn die Ansiedlungen wurden nach der Räumung größtenteils dem Erdboden gleichgemacht.

Dörfer wie Wurmbach, Edelbach, Groß-Poppen, Kühbach, Mestreichs, Thaures, Schlagles, Neunzen, Kleinmotten oder Kleinhaselbach sind heute nur noch in Geschichtsbüchern nachzulesen. Selbst die noch verbliebenen Ruinen existieren nur für einen kleinen Personenkreis - denn sie liegen innerhalb von militärischem Sperrgebiet.

Jedes Jahr zu Allerseelen trifft sich die stetig kleiner werdende Aussiedler-Gemeinde in Döllersheim, wo Kirche und Friedhof als öffentliches Mahnmal dienen. Die anderen Dörfer am Rand und innerhalb des Truppenübungsplatzes sind verschwunden. Einige Höfe und Streusiedlungen haben am Grund des Ottensteiner Stausees ihre letzte Ruhestätte gefunden.
(apa/red)