Überraschungseffekt beim BAWAG-Prozess: Flöttl sorgt mit Telefon-Mitschnitt für Wirbel

Spekulanten-"Geständnis" von Bank-Chef diktiert? Flöttl-Elsner-Urlaub auf Bahamas erheitert Gericht

Überraschungseffekt beim BAWAG-Prozess: Flöttl sorgt mit Telefon-Mitschnitt für Wirbel

Einige Überraschungseffekte hat der BAWAG-Prozess am 19. Verhandlungstag geboten, wo die letzten großen Verluste der BAWAG mit Investmentbanker Wolfgang Flöttl, die mehr als 400 Mio. Euro in den "Uni-Bonds", aufgearbeitet wurden. Flöttl präsentierte den Mitschnitt eines Telefonats, das er mit Elsner über sein "Geständnis" geführt hat: Demnach habe Elsner das Schriftstück konzipiert, um seine Vorstandskollegen zu beruhigen. Elsner widersprach dieser Ansicht heftig, Flöttl hätte im Geständnis bloß seine Schuld an den Verlusten eingestanden. Widersprüche zwischen Flöttl und Elsner taten sich auch bei der Schilderung eines gemeinsamen Urlaubs in Flöttls Villa auf den Bahamas Ende August 2000 auf.

Die BAWAG hatte im Jahr 2000 rund 430 Mio. Euro in sieben "Uni-Bonds", benannt nach amerikanischen Universitäten, angelegt. Damit sollte zumindest ein Teil der mit Flöttl erlittenen Verluste zurückverdient werden. Nach ihren Aussagen vor Gericht waren die BAWAG-Vorstandsmitglieder, auch Elsner, in dem Glauben, dass die Gelder nicht von Flöttl sondern von dem in London lebenden Investmentbanker Kaveh Alamouti gemanagt wurden. Dieser hatte aber damals keine Lizenz zur Vermögensverwaltung, alles Kapital wurde von Flöttl gemanagt. Durch riskante Spekulationsgeschäfte auf japanische Zinsen verlor er im November 2000 innerhalb von rund zwei Wochen fast das gesamte Kapital.

Immer mehr Widersprüche
Flöttl beharrte darauf, Elsner habe ihn zu Investments mit höherer Rendite gedrängt, Elsner widersprach dem entschieden. Die BAWAG-Vorstände legten Dokumente vor, wonach die Uni-Bonds in verschiedene Märkte investiert werden sollten. Flöttl widersprach, er sei bei seinen Investments nicht an Einschränkungen gebunden gewesen. Ein Dokument mit dem Briefkopf seiner Gesellschaft "International Asset Management" (IAM), das die einzelnen Bonds (Anleihen) verschiedenen Märkten zuordnet, habe er nicht unterzeichnet, eine Paraphe "WF" stamme nicht von ihm, betonte er.

Flöttl dachte sogar an Selbstmord
Elsner schilderte, wie ihm Flöttl Anfang Dezember in London von dem Verlust des Geldes berichtet habe. Flöttl sei verzweifelt gewesen, er habe sogar an Selbstmord gedacht. Um die Verschuldenslage intern in der Bank zu klären, habe Flöttl dann ein Geständnis verfasst, in dem er die Abkehr von der vereinbarten Investmentstrategie eingestand. In dem von Flöttl heimlich aufgenommenen Telefonat sagte Elsner, "Ich hab was konzipiert in der Sache, über die wir am 21. August geredet haben." Flöttl meinte, "die haben dann keinen Zugriff darauf?", da er offenbar besorgt war, dass die anderen BAWAG-Vorstände das Geständnis gegen ihn verwenden könnten. "Das will niemand verwenden", beruhigte Elsner. "Dafür ist ja niemand verantwortlich von euch", meinte Flöttl dann. "Ja eben, und das muss herauskommen, dass wir eine Vereinbarung hatten, die dann anders gelaufen ist."

"Warum haben Sie das Gespräch aufgenommen", fragte die Richterin Flöttl. "Um mich zu schützen, um zu zeigen, dass hier ein Auftrag vorliegt von Elsner für ein Geständnis", erklärte Flöttl. Elsner wiederum rechtfertigte sich, warum er nach dem erneuten großen Verlust Flöttl nicht wegen Betrugs und Untreue angezeigt habe. "Wir wollten uns ja nicht selbst anzünden", argumentierte Elsner. Ziel sei es gewesen, die neuen Verluste nicht öffentlich werden zu lassen. Diese Geheimhaltung sei aus Verantwortung für die Bank erfolgt.

Gemeinsamer Urlaub auf den Bahamas
Die Berichte über einen gemeinsamen Urlaub von Flöttl mit Elsner und seiner Familie in Flöttls Villa auf den Bahamas sorgten bei den Zuschauern im Großen Schwurgerichtssaal für Heiterkeit. Flöttl schilderte, dass sich Elsner selber eingeladen habe. Nur weil er von seinem im Jahr 2000 einzigen Kunden, der BAWAG, wirtschaftlich abhängig war, habe er dem Urlaub zugestimmt und Elsners Familie sogar mit einem gemieteten Privatflugzeug eingeflogen. Elsners Hund habe eine teure Zwischenlandung auf den Azoren verursacht, weil er "äußerln" musste. Elsner bestritt diese Darstellung, "Flöttl wollte, dass wir kommen." Die Zwischenlandung sei nur erfolgt, weil das Flugzeug auftanken musste. Über Investitionen habe er im Urlaub mit Flöttl nicht gesprochen, "das war eine private Sache". (apa/red)