Überraschung in Lake Louise: Büchel holt erste Saison-Abfahrt vor Osborne-Paradis

Liechtensteiner nimmt Eberharter "Oldie-Rekord" weg Dritter Rang an Fill - Grugger beim Comeback Vierter

Überraschung in Lake Louise: Büchel holt erste Saison-Abfahrt vor Osborne-Paradis

Der Speed-Auftakt des alpinen Ski-Winters endete mit einer ÖSV-Niederlage sowie einem historischen Erfolg: Der Liechtensteiner Marco Büchel triumphierte in Lake Louise trotz einer angebrochenen Rippe 5/100 vor Überraschungsmann Manuel Osborne-Paradis aus Kanada und avancierte mit 35 Jahren und 21 Tagen zum ältesten Sieger der Weltcup-Geschichte. Dritter wurde der Südtiroler Peter Fill (+0,14), erst auf Platz vier folgte mit dem Salzburger Hans Grugger (0,39) der beste Österreicher.

Für den Speed-Spezialisten Büchel war es der insgesamt dritte Weltcupsieg seiner Karriere, der zweite in der Abfahrt nach seinem Gröden-Triumph am 17. Dezember des Vorjahres. Das Kraftpaket aus Balzers löschte damit den "Oldie-Rekord" des Tirolers Stephan Eberharter, der am 6. März 2004 18 Tage vor seinem 35. Geburtstag die Kvitfjell-Abfahrt gewonnen hatte, aus.

"Mit diesem Sieg habe ich nie gerechnet, denn wegen meiner angebrochenen Rippe hatte ich zuletzt sogar mit dem Training aussetzen müssen und große Motivationsprobleme", betonte Büchel, der sich die Verletzung, die "vor allem beim Atmen und Lachen mächtig wehtut", in der Vorwoche beim Training in Nakiska, eine knappe Autostunde von Calgary entfernt, zugezogen hatte. "Ich hätte aber auch Osborne-Paradis hier in seiner Heimat den Sieg gegönnt."

Der Kanadier sorgte mit seinem zweiten Platz für die Riesensensation. Bisher hatte der 22-jährige, 2004 in Marburg Junioren-Vizeweltmeister im Super G, einen zwölften Platz (Abfahrt am 10. Dezember 2005 in Val d'Isere) als bestes Weltcup-Resultat zu Buche stehen gehabt. Fill egalisierte dagegen mit Rang drei sein bisher bestes Ergebnis in der Abfahrt, in der er bisher nur beim Weltcup-Finale im März in Aare auf dem Podest gestanden war.

Tolles Comeback von Grugger
Grugger schaffte gleich beim Comeback nach seiner Hüftluxation, die er sich Ende Dezember bei seinem Sturz in der Weltcup-Abfahrt in Bormio zugezogen hatte, sein bisher bestes Lake-Louise-Resultat (bisher Rang sieben). "Das ist ein super Einstand, mit dem ich nicht gerechnet habe", lautete der erste Kommentar des Salzburgers, der sich vor dem Rennen sehr unsicher gefühlt hatte. "Nach der langen Zeit ohne Rennen war ich total nervös, weil ich nicht gewusst habe, wo ich stehe. Deshalb war ich auch in den ersten Trainings total verspannt", gestand Grugger. "Doch nach diesem Ergebnis freue ich mich jetzt natürlich schon sehr auf die nächsten Abfahrten."

Der zweitbeste Österreicher war der nach einer Sinusitis (Nebenhöhlenentzündung) noch nicht ganz fitte ÖSV-Superstar Hermann Maier (0,66), der unmittelbar vor seinem überglücklichen Teamkollegen Klaus Kröll (0,79/Comeback nach schwerem Sturz in Aare, wo er sich am 15. März mehrere Brüche zugezogen hatte) Sechster wurde, während der Olympia-Zweite Michael Walchhofer (1,02) mit einem Fehler im unteren Teil den möglichen Sieg vergab und am Ende mit Platz zehn vorlieb nehmen musste. Maier war als Sechster auch bester Atomic-Fahrer.

"Mit diesem Einstieg in die Saison bin sehr, sehr zufrieden. Es ist mir wieder einmal gelungen, den Schalter im Rennen umzulegen", erklärte der "Herminator", der in den Zeitläufen am Donnerstag und Freitag nur hinterhergefahren war. Der im Training stets starke Tiroler Christoph Gruber rätselte dagegen nach seinem zwölften Rang mit 1,12 Sekunden Rückstand: "Ich weiß nicht, wo ich die Zeit liegen gelassen habe. Ich hatte ein super Gefühl und auch keinen Fehler, irgendwas hat wohl nicht mit dem Ski gepasst, denn ich habe oben im Gleitstück viel Zeit verloren."

Pum: "Walchhofer hätte ohne Fehler gewonnen"
Damit sprach Gruber ganz offen aus, dass die erste Abfahrt vor allem eine Materialschlacht war. Die Head-Fahrer (Büchel und Grugger) hatten gemeinsam mit den Läufern von Rossignol (Osborne-Paradis) sowie Dynastar (Fill) diesmal die schnellsten Latten. "Wir müssen dieses Resultat genau analysieren", meinte Atomic-Rennchef Rudi Huber.

Trotz des fehlenden Podestplatzes wollte ÖSV-Alpinchef Hans Pum nicht von einer schweren Niederlage sprechen. "Das war keine Ohrfeige für uns. Mit vier Läufern in den Top Ten waren wir mannschaftlich stark. Außerdem haben wir schon vor dem Rennen gewusst, dass es schwer wird, hier zu gewinnen", erläuterte Pum, um anschließend das Positivste aus österreichischer Sicht herauszustreichen. "Ich freue mich sehr über die Comebacks von Grugger und Kröll. Und Walchhofer hätte ohne Fehler sicher gewonnen."

Endstand der Abfahrt in Lake Louise:
1. Marco Büchel LIE 1:50,72
2. Manuel Osborne-Paradis CAN 1:50,77 +0,05 +1,37 m
3. Peter Fill ITA 1:50,86 +0,14 +3,84 m
4. Hans Grugger AUT 1:51,11 +0,39 +10,67 m
5. Didier Cuche SUI 1:51,17 +0,45 +12,31 m
6. Hermann Maier AUT 1:51,38 +0,66 +18,01 m
7. Klaus Kröll AUT 1:51,51 +0,79 +21,54 m
8. Stephan Keppler GER 1:51,62 +0,90 +24,51 m
9. Bruno Kernen SUI 1:51,66 +0,94 +25,59 m
10. Michael Walchhofer AUT 1:51,74 +1,02 +27,75 m
11. Ambrosi Hoffmann SUI 1:51,75 +1,03 +28,02 m
12. Christoph Gruber AUT 1:51,84 +1,12 +30,44 m
. Werner Heel ITA 1:51,84 +1,12 +30,44 m
14. John Kucera CAN 1:51,87 +1,15 +31,25 m
15. Kurt Sulzenbacher ITA 1:51,93 +1,21 +32,86 m
16. Patrik Järbyn SWE 1:51,98 +1,26 +34,21 m
17. Steven Nyman USA 1:51,99 +1,27 +34,48 m
. Jan Hudec CAN 1:51,99 +1,27 +34,48 m
19. Fritz Strobl AUT 1:52,00 +1,28 +34,74 m
20. Tobias Grünenfelder SUI 1:52,06 +1,34 +36,35 m
21. Jürg Grünenfelder SUI 1:52,10 +1,38 +37,42 m
22. Georg Streitberger AUT 1:52,14 +1,42 +38,50 m
23. Erik Guay CAN 1:52,19 +1,47 +39,83 m
. Mario Scheiber AUT 1:52,19 +1,47 +39,83 m
25. Didier Defago SUI 1:52,20 +1,48 +40,10 m
26. Marco Sullivan USA 1:52,23 +1,51 +40,90 m
27. Hans Olsson SWE 1:52,27 +1,55 +41,97 m
28. Scott Macartney USA 1:52,44 +1,72 +46,50 m
29. Bode Miller USA 1:52,48 +1,76 +47,57 m
30. Romed Baumann AUT 1:52,50 +1,78 +48,10 m
31. Benjamin Raich AUT 1:52,57 +1,85 +49,96 m
Weiter:
33. Werner Franz AUT 1:52,67 +1,95 +52,61 m
37. Antoine Deneriaz FRA 1:52,76 +2,04 +55,00 m

(apa/red)