Überraschende Wende bei der Alitalia: Regierung Prodi startet mit Privatisierung!

Beteiligung soll unter 30-Prozent-Schwelle sinken Gewerkschaft befürchtet Abbau zahlreicher Stellen

Die italienische Regierung startet mit der Teilprivatisierung der Alitalia und gibt ihre Kontrollmehrheit ab. Das Kabinett in Rom hat angekündigt, sich von Teilen ihres Aktienpakets von 49,9 Prozent trennen zu wollen, um die Sanierung der Fluglinie mit Hilfe neuer Anteilseigner voranzutreiben.

Über eine "Goldene Aktie" hat die Regierung bisher die Stimmrechtsmehrheit über Alitalia. Nach Angaben des italienischen Staatssekretärs Enrico Letta soll der Staatsanteil unter die Schwelle von 30-Prozent gedrückt werden. Dies soll beim aktuellen Kurs rund 577 Mio. Euro in die Staatskassen spülen.

Der Verkauf solle in einem Bieterverfahren sowie in direkten Verhandlungen erfolgen, teilte die italienische Regierung mit. Das Wirtschaftsministerium wolle zum Abschluss der Privatisierung der Gesellschaft Gespräche mit Interessenten aufnehmen. "Die Rettung der Alitalia ist eng mit dem Kapitaleinstieg neuer industrieller und finanzieller Gruppen verbunden, der auf transparente Weise erfolgen soll", so die Regierung. Das Schatzministerium werde die Frist bekannt geben, binnen der sich die Interessenten bewerben können.

Bei der Wahl der Interessenten für den staatlichen Alitalia-Anteil will die Regierung Gruppen bevorzugen, die Arbeitsplätze retten und ein geeignetes Angebot an Dienstleistungen sichern können. Auch die Höhe der angebotenen Summe sowie der Geschäftsplan soll in Übereinstimmung mit den Alitalia-Managern berücksichtigt werden, hieß es in der Presseaussendung. Die Entscheidung stehe in Zusammenhang mit der Suche nach strategischen Partnern im Ausland.

Vor der Mitteilung waren Alitalia-Aktien vom Handel ausgesetzt worden. Der Kurs der Alitalia-Aktie schoss nach der Ankündigung der Regierung über 15 Prozent in die Höhe und wurde vorübergehend vom Handel ausgesetzt.

Gewerkschaft besorgt
Bei den Gewerkschaften hat der Beschluss der Regierung, sich von der Kontrollmehrheit an der Alitalia zu trennen, besorgte Reaktionen ausgelöst. Sie befürchten, dass Alitalia in ausländische Hände geraten könnte - mit dem Abbau zahlreicher Stellen als Konsequenz.

Verlust von 220 Mio. Euro erwartet
Die Alitalia-Gruppe rechnet im laufenden Jahr mit einem Verlust von mehr als 220 Mio. Euro. Angesichts der roten Zahlen ist Alitalia schon seit längerem auf der Suche nach einem Partner und führte mit Europas größter Fluggesellschaft Air France-KLM bereits erste Gespräche. Die Regierung plant, bis Jänner einen Plan zur Rettung des Unternehmens vorzulegen. Die vor 60 Jahren gegründete Alitalia zählt mit jährlich 24 Mio. Passagieren und rund 180 Maschinen zu den zehn größten Fluggesellschaften in Europa. (apa/red)