Essen, das krank macht

Große Nahrungskonzerne fördern Anstieg von Diabetes v.a. in ärmeren Ländern

Menschen aus ärmeren Ländern werden immer dicker. Und dadurch kränker. Schuld daran sind die großen Lebensmittelkonzerne, die den Konsum gesüßter Erfrischungsgetränke und verarbeiteter Lebensmittel fördern. Die Folge: Fettleibigkeit und chronische Krankheiten nehmen dort, wo man ohnehin von allem zu wenig hat, überhand. Grotesk.

von Übergewicht - Essen, das krank macht © Bild: Corbis

Soziologen von der englischen Universität Cambridge werteten offizielle Verkaufsdaten von Lebensmitteln aus. Für bis zu 80 Länder analysierten sie die Entwicklung der vergangenen Jahre und Prognosen bis zum Jahr 2016. Dass der steigende Konsum keine zwangsläufige Folge von Wohlstand ist, beschreiben die Forscher an den Beispielen von Mexiko und Venezuela.

Kinder werden immer dicker
In Mexiko stieg der Konsum von Erfrischungsgetränken seit den 1990er Jahren nach einem Freihandelsabkommen mit den USA auf internationale Rekordwerte an: Mexikaner trinken davon pro Kopf durchschnittlich mehr als 300 Liter pro Jahr. Gleichzeitig hat Mexiko von allen Entwicklungsländern den höchsten Anteil übergewichtiger Kinder. In Venezuela dagegen, das kein Freihandelsabkommen mit den USA hat, blieb der Konsum solcher Getränke seit den 1990er Jahren weitgehend konstant - trotz steigenden Wirtschaftswachstums.

Dieses Essen macht krank

Mit dem Konsum zuckerhaltiger und verarbeiteter Nahrungsmittel steigt das Risiko für Gesundheitsprobleme wie etwa Fettleibigkeit, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Typ-2-Diabetes, warnen die Forscher aus Großbritannien, Indien und den USA im Online-Journal "PLoS Medicine".

Nestle gibt fadenscheinige Erklärung ab
Ein Sprecher von Nestle erklärte, sein Unternehmen trage weltweit dazu bei, die Ernährung und die Gesundheit der Menschen zu verbessern. Dabei würden Nahrungsmittel mit gesundheitsfördernden Nährstoffen wie Eisen, Vitaminen oder Mineralstoffen angereichert. Gleichzeitig habe Nestlé in den vergangenen Jahren in seinen Produkten die Konzentrationen von Salz, Zucker und Fett gesenkt.

Schwere Kritik an Nestle seitens Foodwatch
Die Konsumentenschutzorganisation Foodwatch sieht das anders: Sie kritisiert den weltgrößten Nahrungshersteller wegen seiner Werbung für ungesunde Kinderlebensmittel wie etwa Nestle-Frühstücksflocken: "Ihre Kindercerealien bestehen alle zu mindestens 30 Prozent aus Zucker. Sie sind kein gesundes Frühstück, sondern Süßigkeiten." Laut Foodwatch machen süße Snacks einen Großteil des Produktangebotes von Nestle aus. Von gesund also keine Rede.