Überdachte Premiere in Frankreich: Erste
Hallen-Ski-EM soll kein Gaudirennen sein

Überraschungssieger wäre keine Überraschung Misstöne und Drohungen: Die FIS legt sich quer

Überdachte Premiere in Frankreich: Erste
Hallen-Ski-EM soll kein Gaudirennen sein © Bild: APA/dpa

Heute wird in Frankreich alpine Skigeschichte geschrieben. In der "Snowhall" von Amneville geht erstmals ein alpiner Ski-Europameisterschaftsbewerb in Szene. Während es seit 1931 Weltmeisterschaften gibt, ist die Ski-"EURO" die erste Initiative des im vergangenen Mai gegründeten Europa-Verbandes ESF. Rund 80 Läufer und Läuferinnen aus 13 Nationen sind bei der Premiere am Start, die zwölfeckigen Medaillen werden in einem K.o.-Slalom vergeben. Überraschungssieger wären keine Überraschung.

Die erste EM im Alpinbereich wird freilich nicht nur deshalb in Erinnerung bleiben, weil sie unter Dach und auf einem von Kühlschläuchen in fester Form gehaltenen Kunstschnee auf einem relativ flachen Hang stattfindet. Sie wird auch begleitet von einem Misston, weil der Internationale Skiverband Sanktionen in den Raum gestellt hat, nachdem dieses Rennen nicht im FIS-Kalender aufscheint.

Zumindest die Fahrer brauchen aber offenbar nichts zu befürchten, nachdem sich der neue Athletensprecher Kilian Albrecht persönlich bei FIS-Präsident Gian Franco Kasper eingesetzt hat. Vor allem Athleten, die von ihren Verbänden zu einem EM-Start "überredet" werden mussten, wollten dafür nicht auch noch bestraft werden. Ob freilich die nationalen Verbände sanktioniert werden, darüber wird der FIS-Vorstand erst Mitte November entscheiden.

Sportlich sinnvoll?
Selbst wenn die sportliche Sinnhaftigkeit eines EM-Slaloms in der Halle infrage gestellt werden kann, sie ist zumindest und eigentlich das erste sichtbare Statement des von den vier Alpinländern Schweiz, Frankreich, Italien und Österreich gegründeten Kontinentalverbandes EFS. Einige Europa-Verbände aber auch Teile der Ski-Industrie fühlen sich vom Weltverband FIS schon seit längerem nicht ausreichend vertreten und wollen nun mit geeinten Kräften ihre Interessen wahrnehmen. Die EFS bezeichnet sich als "Wächter des europäischen Skilaufs", nennt aber dezitiert ein gutes Verhältnis zur FIS als Teil der Mission. Nicht zuletzt geht es wohl auch darum, als Körperschaft um EU-Förderungen ansuchen zu können.

Neben den Läufern aus diesen vier Ländern gehen zwar fast nur Ski-Exoten an den Start der 436 m langen Piste. Dennoch kann sich vor allem bei den Herren das Feld sehen lassen. Von den besten zehn Slalomläufern in der maßgeblichen FIS-Liste fehlen mit Ivica Kostelic, Mattias Hargin und dem Österreicher Benjamin Raich nur drei Läufer.

Raich nicht dabei
Der ÖSV hat zwar auf eine Nennung des vielbeschäftigten Slalom-Olympiasiegers Raich verzichtet, schickt dafür aber mit Mario Matt und Manfred Pranger zwei Weltmeister sowie Reinfried Herbst und Marcel Hirscher. Die Konkurrenz ist nicht ohne. Der französische Weltranglisten-Erste Jean Baptiste Grange führt das Feld vor Pranger sowie seinem Landsmann Julien Lizeroux an, auch der italienische Routinier Giorgio Rocca ist am Start.

Bei den Damen hingegen fehlen mit Maria Riesch, Sarka Zahrobska, Tanja Poutiainen, Lindsey Vonn und der am Comeback arbeitenden Marlies Schild die nominell besten fünf Slalomartistinnen der Welt, womit auch hier mit Sandrine Aubert eine Französin vor der Österreicherin Kathrin Zettel die Nummer eins auf der Startliste ist. Nicht dabei ist mit der verletzten Nicole Hosp auch eine Läuferin, mit der in Frankreich sogar auf dem offiziellen Ankündigungs-Plakat geworben wird.

Selbst Insider wären nicht verwundert, wenn es kräftige Überraschungen gibt. Zu unterschiedlich sind die Verhältnisse in der Halle. Die Piste ist zwar lang, aber nicht besonders steil. Kriterien, die womöglich eher Speedfahrer bevorzugen, das hat man auch bei den bisherigen Europacups gesehen. Zudem muss wegen des "toten" Eis-Schnees in der Halle eine ungewöhnlich aggressive Abstimmung bei Ski und Schuh gefunden werden.

(apa/red)