U21-Team spielt um einzigartige Chance:
Partie vs. Finnland 1. Hürde auf Weg zu EM

Teamchef Manfred Zsak fordert Sieg ohne Gegentor Brückner ob Beschlagnahmung der Jungen kritisiert

U21-Team spielt um einzigartige Chance:
Partie vs. Finnland 1. Hürde auf Weg zu EM © Bild: APA/EPA/Hudcovic

Das österreichische Fußball-U21-Team will heute den ersten Schritt zu einem historischen Erfolg schaffen. Mit einem Sieg im Paschinger Waldstadion gegen die Altersgenossen aus Finnland soll schon vor dem Rückspiel im Rahmen des EM-Play-offs am Dienstag (18.00 Uhr) in Turku die Basis gelegt werden, damit die 17. U21-EM-Endrunde von 15. bis 29. Juni 2009 erstmals mit ÖFB-Beteiligung über die Bühne geht.

Teamchef Manfred Zsak wünscht sich gegen die Skandinavier einen Sieg ohne Gegentor und schätzt die Chancen seiner seit 13 Partien ungeschlagenen Schützlinge auf eine EM-Teilnahme auf 50:50. "Wenn alle Spieler in den zwei Partien 100 Prozent abrufen können, werden wir uns qualifizieren", prophezeite der Ex-Teamspieler, der den Gegner anhand von fünf DVDs analysierte. "Das ist eine taktisch disziplinierte Mannschaft, die - was mich überrascht hat - auf technisch hohem Niveau spielt", lautete die Einschätzung von Zsak auf einer Pressekonferenz in Linz am Donnerstag.

Der Coach muss auf eine einigermaßen ersatzgeschwächte Truppe zurückgreifen. Emin Sulimani, Zlatko Junuzovic sowie Peter Hackmair fehlen verletzungsbedingt und Andreas Dober ist für das erste Match gesperrt, dazu kommen die noch spielberechtigten Sebastian Prödl, Christian Fuchs, Martin Harnik, Ronald Gercaliu, Erwin Hoffer und Marko Arnautovic, die allesamt am Donnerstag mit dem A-Team auf die Färöer flogen.

Gerangel um Jungspieler
Zsak musste zähneknirschend zu Kenntnis nehmen, dass für Teamchef Karel Brückner zahlreiche ÖFB-Jungkicker offenbar schon unabkömmlich sind. "Wir haben alles versucht, so viele Spieler wie möglich zu bekommen, aber vielleicht ist Brückner selbst schon unter Druck", mutmaßte der U21-Betreuer, der zwar Verständnis für die Priorität des A-Teams zeigte, aber dennoch um den einen oder anderen Kicker kämpfte.

Bei Rubin Okotie setzte sich Zsak durch, dafür wurde aber Arnautovic für die WM-Qualifikation geholt, der auch für die U21-Auswahl ein Thema gewesen wäre. Prödl, Harnik und Fuchs wären für Zsak nach eigenen Angaben ohnehin nicht infrage gekommen ("Weil sie die Mannschaft nicht kennen und eventuell das Gefüge stören könnten"), dafür hatte der Ex-Austrianer auf Hoffer und Gercaliu gehofft.

Vor allem die A-Team-Nominierung von Gercaliu löste bei Zsak Kopfschütteln aus. "Der hat bei den letzten drei A-Länderspielen nur aufgewärmt, da hätte man diesmal auch einen anderen auf die Bank setzen können." Trotz aller Personalnöte ist der Optimismus beim 43-Jährigen ungebrochen. "Obwohl so viele fehlen, können wir immer noch eine ausgezeichnete Mannschaft auf den Platz schicken." Wie die Elf aussehen wird, wollte der Niederösterreicher aber nicht bekanntgeben. "Das kleine Plus, die Aufstellung erst kurz vor Spielbeginn zu verraten, will ich mir bewahren."

Kritik an Brückner
In der Frage des mangelnden Entgegenkommens von Brückner erhielt Zsak Unterstützung vom Paschinger "Hausherren" Franz Grad. "Ich kann nicht nachvollziehen, warum man bei so einer historischen Chance so viele U21-Spieler für die A-Team abstellen muss, und die meisten davon sitzen dann auch noch auf der Bank", ärgerte sich der Clubchef des ehemaligen oberösterreichischen Bundesligisten.

ÖFB-Vize-Präsident und -Nachwuchs-Verantwortlicher Leo Windtner war dagegen bemüht, das schon bisher Erreichte hervorzuheben. "Diese historische Chance ist das Ergebnis von acht Jahren harter Arbeit. Jetzt können die Früchte des Challenge-08-Projekts geerntet werden", betonte Windtner, nach dessen Angaben derzeit an einem Nachfolge-Projekt mit dem Arbeitstitel "Challenge 12" gefeilt wird. Außerdem wies er darauf hin, dass vom aktuellen U21-Kader nur Harun Erbek nicht in dem Projekt erfasst war.

Bereits 1.500 Karten abgesetzt
Für den Technischen ÖFB-Direktor und Challenge-08-Leiter Willi Ruttensteiner hat die U21-Auswahl mit der Play-off-Teilnahme noch lange nicht ihren Zenit erreicht. "Wenn die Mannschaft die Hürde Finnland nimmt, wird sie auch in Schweden eine gute Rolle spielen, und dann kann für den gesamten österreichischen Fußball wieder eine Euphorie entstehen. Was Zsak mit diesem Team geschafft hat, ist sensationell, die Endrunden-Teilnahme wäre die Krönung der harten Arbeit", erklärte der Oberösterreicher.

Für die Partie in Pasching wurden bisher rund 1.500 Karten abgesetzt. Tickets sind im Vorverkauf in allen oberösterreichischen Raiffeisen-Filialen um 1,50 Euro zu haben, an der Abendkassa sind drei Euro zu bezahlen.
(apa/red)