U2-Verlängerung erschließt Neuland: Große Schleife um den Wiener Hauptbahnhof!

Direkte Anbindung laut Stadtplanern zu kompliziert Neue Stadtentwicklungsgebiete werden erschlossen

Knapp vorbei, aber doch daneben: Die Verlängerung der U2 in südliche Richtung wird nicht beim geplanten Hauptbahnhof haltmachen. Planungsstadtrat Rudolf Schicker hat gemeinsam mit Journalisten einen Ausflug entlang der künftigen U-Bahn-Trasse unternommen und erläutert, warum die Linie nicht zum Bahnhof, sondern zu den Aspanggründen, ins Arsenal oder bis zur Gudrunstraße führen wird.

Die künftige U2-Süd zieht eine riesige Schleife um das Hauptbahnhof-Gelände, um letztendlich doch dort zu landen. Allerdings wird die Endstation nicht beim ÖBB-Megaprojekt errichtet, sondern viel weiter südlich. Dort befinden sich derzeit vor allem Gleise: Das Areal wird als Frachtenbahnhof genutzt. Wo derzeit Züge verschoben bzw. beladen werden, soll in Zukunft ein eigener Stadtteil entstehen, und das nur rund 2,5 Kilometer vom Stephansdom entfernt.

Auf dem Gelände in Favoriten zwischen Gürtel, Arsenalstraße, Gudrunstraße und Sonnwendgasse werden mehr als 5.000 Wohnungen für rund 13.000 Menschen gebaut. Auch Büroflächen im Ausmaß von 550.000 Quadratmetern Bruttogeschoßfläche sind geplant. Als Erholungsgebiet wird ein acht Hektar großer Park geschaffen. Insgesamt werden 59 Hektar städtebaulich entwickelt, die ersten Einheiten sollen 2012 fertig sein.

Das neue Stadtviertel wird mit der U2 ans Öffi-Netz angebunden. Diese führt vom Karlsplatz über den Schwarzenbergplatz, den Rennweg zu den Aspanggründen (bzw. Entwicklungsgebiet St. Marx), weiter über das Arsenal bis zur Endstation Gudrunstraße. All diese Gebiete seien mit öffentlichen Verkehrsmitteln noch nicht ideal erschlossen, so Schicker. Und bis es so weit ist, wird es auch noch längere Zeit dauern: Geplanter Baubeginn ist 2014, die Fertigstellung ist für 2019 vorgesehen.

Eine Anbindung an den Hauptbahnhof im Bereich des Südtiroler Platzes wäre - so wird vonseiten der Stadt betont - nur unter "extrem großem" Aufwand möglich. Dabei würde die Station der U2 tiefer als jene der U1 zu liegen kommen. Sollte die Station am anderen Ende des Bahnhofes errichtet werden, läge sie am Hintereingang zu den Fernbahnsteigen. Für Pendler, die mit Eilzügen bzw. der S-Bahn ankommen, wäre sie damit kaum erreichbar, heißt es.

Zudem hat sich laut den Wiener Stadtplanern keine sinnvolle Lösung für eine Weiterführung der Trasse vom Hauptbahnhof Richtung Süden gezeigt. Und es gibt auch einen zeitlichen Unterschied. Der Hauptbahnhof soll bereits 2013 seinen Vollbetrieb aufnehmen, also vor dem Baubeginn für die U2-Verlängerung.

Während das Stadtentwicklungsgebiet beim neuen Bahnhof derzeit Betriebsfläche ist, sind die sogenannten Aspang-Gründe in Wien-Landstraße noch fast völlig unbebaut, abgesehen von einer einsamen Schnellbahn-Station. Aber auch dort soll ein neuer Stadtteil, genannt "Eurogate" entstehen, samt Wohnungen, Geschäften, Büros, Grünräumen, einer Schule - und einem Denkmal. Die "Gedenkstätte für den Deportierten Nachbarn" wird an jene Menschen erinnern, die während der NS-Zeit vom dort einst befindlichen Aspang-Bahnhof in die Konzentrationslager abtransportiert wurden. (apa)