U19 fehlte bei EM Kaltschnäuzigkeit und Cleverness: Coach Stadler 'bitter enttäuscht'

"Wir haben unser Ziel bei weitem nicht erreicht" ÖFB-Team schied als Gruppenletzter mit 1 Punkt aus

Für Österreichs U19-Fußball-Nationalteam ist die Heim-EM in Oberösterreich nach der verdienten 0:2-Niederlage gegen Portugal im mit 7.600 Zuschauern ausverkauften Fill-Metallbau-Stadion in Ried mit nur einem Punkt als Letzter der Gruppe A zu Ende gegangen. "Ich bin bitter enttäuscht, wir haben unser Ziel bei weitem nicht erreicht. Wir mussten Lehrgeld zahlen", betonte Coach Hermann Stadler.

Gegen spielstarke Portugiesen fanden die Österreicher vom Start weg kein Rezept und konnten sich in der Offensive fast überhaupt nicht in Szene setzen. "Wir waren von Beginn an im Spielaufbau ängstlich. Mit dem 0:1 sind die Dämme gebrochen. Wir sind körperlich am Limit gewesen. Sie waren uns in allen Belangen überlegen", war sich Stadler bewusst.

Dass der große Druck, im abschließenden Gruppenspiel unbedingt gewinnen zu müssen, die Spieler gehemmt hätte, ließ Abwehrspieler Jan Marc Riegler nicht als Ausrede gelten. "Natürlich hatten wir einen Druck, aber der war nicht hemmend, und wir wurden gut eingestellt", meinte der Rieder.

Den Semifinaleinzug verhinderte vor allem eine schwache Offensivleistung, den einzigen Treffer der ÖFB-Auswahl im Turnierverlauf erzielte Daniel Beichler beim 1:1-Remis gegen Griechenland aus einem Elfmeter. "Wenn man in drei Spielen nur ein Tor, und das noch dazu aus einem Elfmeter, macht, hat man keine Berechtigung aufzusteigen. Alle Offensivspieler hatten zu wenig Durchsetzungsvermögen", stellte Stadler klar. Vor allem von Neo-Bochum-Stürmer Marc Sand hätte sich der Coach mehr erwartet. "Das war für seine Person viel zu wenig."

Neben der fehlenden Durchschlagskraft in der Offensive unterliefen den Abwehrspielern noch dazu entscheidende Fehler in der Defensive, so auch gegen Portugal. "Aus einem Einwurf ein Tor zu bekommen, ist ein Wahnsinn", machte Stadler deutlich. Insgesamt drei der fünf kassierten Gegentreffer resultierten aus Standardsituationen. Trotzdem sei die ÖFB-Auswahl gar nicht so weit von der absoluten europäischen Spitze entfernt. "Die Spieler brauchen noch mehr Cleverness bei Standards und mehr Kaltschnäuzigkeit", sagte Stadler.

Kapitän Julian Baumgartlinger befand, dass die ÖFB-Auswahl in allen drei Spielen recht gut mitgehalten habe. "Gegen Spanien und Portugal war ein kleiner Qualitätsunterschied erkennbar", merkte der Mittelfeldspieler von 1860 München an. Der Deutschland-Legionär wies auch auf die enorme körperliche Belastung im Rahmen des Turniers hin. "So ein Turnier mit drei Spielen in sechs Tagen ist eine extreme Belastung." Das Turnier sei jedenfalls eine wichtige Erfahrung für die jungen Spieler gewesen. "Es war wichtig, auf hohem Niveau gegen 'Starspieler', die schon in Topligen engagiert sind, zu spielen", so Baumgartlinger, der als nächstes Ziel bei 1860 in den Kampfmannschaftskader "hineinrutschen" möchte.

Riegler resümierte: "Gegen Spanien haben wir in drei Minuten das Spiel verloren, gegen Griechenland hat uns das nötige Quäntchen Glück gefehlt und auch gegen Portugal haben wir phasenweise gut mitgespielt. Aber der letzte Punkt der Konzentration und die Kaltschnäuzigkeit haben gefehlt." Der Innenverteidiger der SV Ried will sich nun bei seinem Club, wo er mit Dospel, Glasner und Jank drei große "Konkurrenten" hat, in den Vordergrund spielen. "Es wird schwierig, aber ich werde versuchen, mich im Training zu beweisen."

Den Unterschied zum erfolgreichen U20-Team mache derzeit noch die fehlende Spielpraxis auf "hoher Ebene" aus, wie Stadler erklärte: "Die U20-Spieler haben durchwegs Bundesliga- und Erstliga-Erfahrung und sind daher einen Schritt weiter." Sehr viele U19-Spieler seien vor allem das "hohe Tempo nicht gewöhnt gewesen". "Aber ich will keine Ausreden suchen, wir gewinnen und verlieren gemeinsam", so Stadler.

Für Stadler war es der letzte Auftritt als Coach der zum letzten Mal in dieser Besetzung zusammenspielenden U19. Er wird in Zukunft als ÖFB-U16-Trainer (Jahrgang 1992) fungieren. "Die EM war der Höhepunkt meiner vierjährigen Zusammenarbeit mit den Jungs", erwähnte Stadler.

(apa/red)