U-Bahn-Anschlag: Putin will die Drahtzieher
"aus Abwasserkanal ans Tageslicht zerren"

Russischer Ministerpräsident spuckt kriegerische Töne Abgeordnete für Wiedereinführung der Todesstrafe

U-Bahn-Anschlag: Putin will die Drahtzieher
"aus Abwasserkanal ans Tageslicht zerren" © Bild: Reuters/Novosti

Mit kriegerischen Tönen versucht der russische Ministerpräsident Wladimir Putin die verängstigte Bevölkerung nach den Anschlägen in der Moskauer U-Bahn aus ihrem Schockzustand zu reißen. Für die Sicherheitskräfte sei es jetzt eine Frage des Stolzes, die Drahtzieher des Doppelanschlags "aus dem Abwasserkanal ans Tageslicht zu zerren", versprach Putin im Fernsehen. Er sei sicher, dass die Hintermänner gefunden würden. Präsident Dmitri Medwedew schlug eine Verschärfung der Terrorgesetze vor, und einige Abgeordnete forderten die Wiedereinführung der Todesstrafe.

In den russischen Medien wurde über das Motiv der Attentäterinnen und ihrer Hintermänner diskutiert. So spekulierten Zeitungen, die Anschläge könnten ein Racheakt von Islamisten aus dem Nordkaukasus gewesen sein: Dort hatten russische Polizisten kürzlich einen Extremistenführer getötet. Die russischen Behörden vermuten tschetschenische Separatisten hinter den Anschlägen.

Wiedereinführung der Todesstrafe
Medwedew wies die Vorsitzenden des Verfassungsgerichts und des Obersten Schiedsgerichts an, Vorschläge zur "Perfektionierung" der Terrorgesetze zu unterbreiten. Im Föderationsrat, dem Oberhaus des russischen Parlaments, wurden Rufe nach Wiedereinführung der Todesstrafe laut. "Das ist unsere Reaktion auf die tragischen Ereignisse", sagte der Vorsitzende des Justizausschusses, Anatoli Kyskow, laut einer Meldung der amtlichen Nachrichtenagentur RIA Nowosti.

Russland hatte mit seinem Beitritt zum Europarat im Jahr 1996 ein Moratorium der Todesstrafe verhängt. Sie wurde jedoch nie formell abgeschafft, nicht zuletzt, weil sie von vielen Russen befürwortet wird.

Die beiden Selbstmordattentäterinnen hatten sich Montag früh im Abstand von 45 Minuten in voll besetzten Metro-Zügen in die Luft gesprengt. Die Zahl der Todesopfer stieg am Dienstag auf 39 - eine Frau erlag im Krankenhaus ihren schweren Verletzungen. Fünf weitere der mehr als 70 ins Krankenhaus eingelieferten Verletzten schwebten weiter in Lebensgefahr.

(apa/red)