U-Ausschuss von

HCB: Görtschitztal bleibt
noch das ganze Jahr betroffen

Rindfleisch laut Landesveterinär zum Teil noch immer mit zu hohen HCB-Werten

Bauer gießt Milch in einen Kübel © Bild: Thinkstock

Derzeit sind noch immer weite Teile des Görtschitztals stark von einer Kontaminierung mit Hexachlorbenzol betroffen. Das sagte der Leiter der Veterinärabteilung des Landes, Holger Remer, am Dienstag in seiner Zeugenaussage vor dem HCB-U-Ausschuss. Zur Vergangenheitsaufarbeitung meinte er, es sei sehr schwierig gewesen, die Ursache für die Verseuchung zu finden.

Aktuell betroffen ist zum einen das Gebiet rund um Wietersdorfer Zementwerk, aus dem das HCB durch die Blaukalkverbrennung ausgetreten ist, aber aufgrund der Windverfrachtung auch andere Bereiche. Rinder aus diesen Gebieten seien nicht "genusstauglich", sie seien zu zwei Dritteln HCB-positiv, das Fleisch müsse vernichtet werden, sagte Remer. Schweine seien nicht betroffen. Der Landesveterinär rechnet damit, dass es dieses Problem noch das ganze Jahr 2015 geben wird.

Der Beamte berichtete, er sei von der Lebensmittelaufsicht des Landes am 2. April über die HCB-Messungen informiert worden und habe sein Wissen per Mail an den zuständigen Landesrat, damals Wolfgang Waldner (ÖVP), weitergegeben. Bei einer Besprechung habe man darüber geredet, dass auch die Referate der Landesräte Beate Prettner (SPÖ) und Rolf Holub (Grüne) betroffen seien. Die erwähnten Politiker seien aber nicht informiert worden, sagte Remer. Die Auswertung der Proben habe keine Systematik erkennen lassen, daher sei die Suche nach dem Grund so schwer gewesen.

Ursachenforschung betrieben

Die Grenzwerte seien damals im April nicht überschritten gewesen, aber aufgrund der Bio-Verordnung habe man dennoch Ursachenforschung betrieben, um eine Verbesserung der Situation zu erreichen, sagte Remer. Da es über den Sommer keine nennenswerten Ereignisse gegeben habe, habe man gehofft, dass dieses Problem ein singuläres gewesen sei. Als Ende August jedoch wieder hohe HCB-Werte gemessen worden seien, habe er die Umweltabteilung und die Agrarabteilung des Landes informiert, erzählte der Zeuge. Waldner-Nachfolger Christian Benger (ÖVP) habe er diesbezüglich erst im November kontaktiert, als er von der Firma "Berglandmilch" eine Meldung über erhöhte Werte bekommen hatte.

Behörden hätte nicht über HCB-Wert informiert

Der Geschäftsführer von "Kärntner Fleisch", Rudolf Krall, hatte zuvor berichtet, dass ihn die Behörden über die gemessenen HCB-Werte nie informiert hätten. Von dem Problem der Kontaminierung mit Hexachlorbenzol hat er nach eigenen Aussagen erst im November aus den Medien erfahren. Die Bäuerliche Vermarktungsgesellschaft hat in der Zeit von April bis November 2014 auch Tiere aus dem Görtschitztal vermarktet. Daher sei es möglich, dass in dieser Zeit kontaminiertes Fleisch in den Handel gekommen sei, sagte Krall. Es wäre schön gewesen, wenn "Kärntner Fleisch" über die Probleme informiert worden wäre. Dazu meinte Remer, man habe keine Untersuchungsergebnisse gehabt, die den Schluss zugelassen hätten, dass das Rindfleisch kontaminiert gewesen sei. Eine Meldung sei daher nicht notwendig gewesen.

Von der AGES, Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit, war ein Mitarbeiter der Abteilung Kommunikation geladen, der nach eigener Aussage erst im November 2014, als die Geschichte bereits in den Medien stand, mit dem Problem in Kontakt gekommen war und über die Vorgänge keine Auskünfte geben konnte. "Sie dürfen nicht vergessen, dass Sie mit dem Pressefuzzi sprechen. Ich bin erst in den letzten Schritt eingebunden, wenn alles von statten gegangen ist", antwortete er den Abgeordneten schließlich auf ihre insistierenden Fragen. Die AGES sei keine Behörde und habe daher gegenüber der Öffentlichkeit auch keine Informationspflicht.

Der Ausschuss tagt wieder am 25. Februar. Auf der Zeugenliste stehen Sachverständige.

Kommentare

higgs70

Nachdem das HCB dort schon länger runterrieselt und eine Halbwertszeit von 3 Jahren hat, ist es wohl eine recht optimistische Annahme des Landesveterinärs, dass es das Problem nur das Jahr 2015 noch geben wird", denn den Boden des gesamten verseuchten Gebiets wird man wohl nicht abtragen.

Und alles in allem hats hier wohl ein Kommunikationsversagen auf ganzer Linie gegeben und die Schuldigen werden ausgeforscht werden, nur das primäre Ziel sollte wohl sein überhaupt keinen Dreck in der Nahrung zu haben und ich erlaube mir die Anmerkung, dass ichs auch untergrenzwertig nicht bestellt hatte. Und die Logik, dass mans solange in die Umwelt einbringt bis irgendwer draufkommt, dass es eine hohe biologische Halbwertszeit hat und karzinogen ist und vielleicht nach weiteren Jahren auch noch Kollateralschäden im ökologischen Bereich bekannt werden, ist halt die Traumwelt von Betriebswirtschädeln.
Wer was ausbringt hat vorher die Ungefährlichkeit auf Punkt und Komma zu prüfen und haftbar zu sein, es ist nicht Aufgabe der anderen hinterherzuhoppeln, zu sanieren und daran gegebenfalls zu sterben.

Des weiteren bin ich für ein Gesetz, das in jedem Bundesland auch die Veröffentlichung der Herbizid-und Giftbestandteile in der konkreten Nahrung regelmäßig erzwingt, die UNTER den Grenzwerten liegen, auf das endlich in die Köpfe sickert was wir im Normalverbrauch so alles mitfressen müssen, weil wir die Kollateralschäden von Bilanzen sind.... denn HCB ist nur ein Stoff von vielen.

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