TV-Debatte US-Wahl von

Romneys Rückkehr

Dank überzeugendem Auftritt im ersten TV-Duell wieder Chancen auf Wahlsieg

Obama und Romney beim ersten TV-Duell für die US-Wahl 2012 © Bild: Reuters/RICK WILKING

Selbst viele seiner Unterstützer hatten ihn schon aufgegeben. Zu hölzern, zu abgehoben, zu reich, zu wenig eloquent sei Mitt Romney, um Barack Obama ernsthaft zu gefährden. Seit Wochen liegt der Amtsinhaber in den Umfragen weit voran, vor allem in den wahlentscheidenden Bundesstaaten. Mehr und mehr setzte sich die Überzeugung durch, dass einfach zu wenig Zeit bleibe, um das Ruder noch herumzureißen. Das hat sich mit Mitt Romneys Erfolg im ersten TV-Duell gründlich geändert.

Vor bis zu 60 Millionen Zusehern gab sich Romney sehr angriffig und drängte Obama gekonnt in die Defensive. Dieser musste über weite Strecken seine bisherige Amtszeit, die umstrittene Gesundheitsreform, die hohe Arbeitslosigkeit und schwächelnde Wirtschaft verteidigen. Unterstützer und wohlmeinende Medien wunderten sich gar, wo Obama geblieben sei.

Das große US-Portal „The Daily Beast“ meinte in einem Kommentar, noch nie in den letzten vier Jahren einen so schwachen Obama erlebt zu haben. Denn der Präsident verzettelte sich mit komplizierten Zahlenspielereien, strahlte keine Lockerheit aus, sondern wirkte im Gegenteil nervös und unsicher.
Der Kommentator des eher linken TV-Senders MSNBC Chris Matthews kritisierte den Präsidenten sehr scharf. Dass er nicht in der Lage gewesen sei, seinen Herausforderer zu konfrontieren. „Where was Obama tonight“, fragte er sich.

Romney überzeugt

Romney konnte zwar keines seiner Konzepte im Detail erklären, der Präsident ließ ihn aber damit durchkommen und ermöglichte dem Republikaner so, sich als mitfühlenden Advokaten der Mittel- und Unterschichten zu präsentieren. Obwohl in Wirklichkeit fast all seine Konzepte auf eine stärkere Belastung dieser Bevölkerungsgruppen hinauslaufen.

Das Publikum erlebte die Debatte nicht anders als die politischen Kommentare. Eine große Mehrheit der Befragten sah Romney als Sieger der Debatte. Bei CNN waren 67 Prozent davon überzeugt und in einer CBS Umfrage sahen 44 Prozent Romney als Sieger und nur 22 Obama (der Rest sah ein Unentschieden)

Lange Durststrecke für Obama

Volle zwei Wochen muss Obama nun damit leben, in den Medien als der Verlierer des Duells dargestellt zu werden. Denn erst am 16. Oktober folgt die zweite von insgesamt drei Debatten. Den Abschluss bildet eine Debatte zur Außenpolitik am 22. Oktober. Ein weiteres Risiko stellt die Konfrontation zwischen den zwei Vizepräsidentschaftskandidaten am kommenden Donnerstag dar. Denn Obamas-Co, Joe Biden, ist bekannt dafür flapsige und unüberlegte Statements abzugeben, die seinen Chef regelmäßig in Erklärungsnotstand bringen.

Dramatisch ist die Lage für Obama nun aber dennoch nicht. Nahezu alle Umfragen zeigen den Präsidenten momentan klar in Führung und was noch viel wichtiger ist, vor allem in den umkämpften Bundesstaaten den so genannten „Swing States“. Denn die US-Wahlen sind keine direkte Wahl, sondern funktionieren über so genannte Wahlmänner. In fast allen Bundesstaaten bekommt der jeweilige Sieger alle Wahlmänner. Wer insgesamt eine Mehrheit (mindestens 270 Wahlmänner) erreicht gewinnt die Wahlen.

Präsident weiter klar in Führung

40 von 50 Bundesstaaten sind dabei völlig unumstritten, sie sind traditionell entweder ganz klar demokratisch oder ganz klar republikanisch. Da die bevölkerungsreichen Bundesstaaten an den Künsten zu den Demokraten tendieren und Dank ihrer Bevölkerung mehr Wahlmänner stellen als die republikanisch dominierten, geht Obama mit einem Vorsprung in den Kampf um die wahlentscheidenden „Swing States“.

Diese gilt es zu gewinnen, wenn man Präsident werden will. Und in fast all diesen Staaten führt Obama deutlich. So klar, dass er inzwischen in allen Umfragen einen großen Wahlmänner-Vorsprung gegenüber Romney hat.

Wenig Zeit für Romney

Die Zeit, die Romney noch bleibt ist sehr kurz, denn am 6. November wird bereits gewählt. Der wohl kompetenteste Polit-Statistiker der Welt, Nate Silver, der mit seinem Blog 538 (so viele Wahlmänner gibt es) für die New York Time als Koryphäe der Wahlprognose gilt, sieht Obama weiterhin klar im Vorteil. Auf 73 Prozent schätzt er die Wahrscheinlichkeit, dass Obama die Wahlen gewinnen wird. Denn die bisherigen Wahlen in den USA wurden fast nie durch TV-Duelle entschieden.

Zwar gab es fast immer ein leichtes Umfragehoch für den Herausforderer direkt nach der Debatte, wahlentscheidend war das aber selten. Im Durchschnitt machte der Herausforderer 1,5 Prozent in den Umfragen durch das Duell gut. Das wäre für Romney aber viel zu wenig, liegt er doch zwischen drei und fünf Prozent zurück.

Bei einem fulminanten Sieg wie gestern, kann sich jedoch durchaus auch mehr ändern. Für Romney tickt die Uhr jedenfalls. Denn in etwa einer Woche werden aktuelle Umfragen die Stimmungslage nach der Konfrontation wiedergeben können. Dann sollte Romney besser in Führung liegen. Denn bislang hat noch jedes Mal der Kandidat die Wahlen gewonnen, der nach dem ersten Duell in Führung lag.

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