Tunesien wählt von

Begeisterung bei Wahlen

Rege Beteiligung bei erster freier Wahl - Zehntausende in Schlangen vor Wahllokalen

Tunesien wählt - Begeisterung bei Wahlen © Bild: APA/EPA/Garcia

Die ersten freien Wahlen in der Geschichte Tunesiens sind nach offiziellen Angaben ein riesiger Erfolg. "Der Ansturm der Tunesier auf die Wahllokale übertrifft alle Erwartungen", sagte der oberste Wahlaufseher Kamel Jendoubi am Sonntagmittag in der Hauptstadt Tunis. Er hoffe auf eine Wahlbeteiligung von über 60 Prozent. Zugleich berichtete er von "Unregelmäßigkeiten".

"Einige Parteien" hätten noch während der Abstimmung den Wahlkampf fortgesetzt und damit die Vorschriften verletzt. Unter anderem sollen demnach Analphabeten beeinflusst worden sein. Zur Gewährleistung eines ruhigen Ablaufs waren laut Regierung rund 40.000 Soldaten und Polizisten im Einsatz. Erste Ergebnisse aus den 27 tunesischen Wahlkreisen sollen bereits am Sonntagabend bekanntgegeben werden. Ein vorläufiges Endergebnis wird für Montag erwartet.

Neun Monate nach dem Sturz von Langzeitherrscher Ben Ali waren am Sonntag rund sieben Millionen Wahlberechtigte aufgerufen, die 217 Mitglieder einer verfassungsgebenden Versammlung zu bestimmen. Diese soll eine neue Übergangsregierung benennen und ein Grundgesetz erarbeiten.

"Einzigartiger Tag in der Geschichte"
Interims-Regierungschef Beji Caid Essebsi gab im Norden von Tunis seine Stimme ab. Es sei ein "einzigartiger Tag in der Geschichte" und er sei "von nun an ein Ex-Premierminister", sagte Essebsi. Er hatte zuvor angekündigt, abzutreten, sobald die am Sonntag gewählte Nationalversammlung einen Interims-Präsidenten ernannt hat.

Ein Favorit für hohe Staatsämter nach der Wahl, der Anführer der islamischen Ennahda-Partei Rachid Ghannouchi, nannte die Wahl bei seiner Stimmabgabe ein "Fest der Demokratie", berichtete der Sender Al-Jazeera. Die linksliberale PDP wurde bereits unter der Herrschaft Ben Alis begründet und war als eine von wenigen Oppositionskräften unter dem Regimes zugelassen.

Reges Interesse
Der Ablauf der Wahlen wird auch im Ausland mit großem Interesse verfolgt. Im Jänner hatten die Tunesier als erstes Volk in der Region erfolgreich gegen die autoritäre Herrschaft ihrer Führung rebelliert. Tunesien wird deshalb auch als Mutterland des "arabischen Frühlings" bezeichnet. Der gestürzte Herrscher Ben Ali lebt seit seiner Vertreibung in Saudi-Arabien im Exil.