Tunesien triumphierte im Afrika Cup 2004:
Roger Lemerre trainiert 'Adler von Karthago'

Vierfacher WM-Teilnehmer letzter ÖFB-Prüfstein 2007 Mannschaft mit beachtlicher internationaler Erfahrung

Tunesien triumphierte im Afrika Cup 2004:
Roger Lemerre trainiert 'Adler von Karthago'

Tunesien mag in Fußballkreisen keinen klingenden Namen besitzen, hat im Laufe der Jahrzehnte aber bereits viel internationale Erfahrung gesammelt. Größter Erfolg der vom Franzosen Roger Lemerre trainierten Auswahl war der Gewinn des Afrika-Cups 2004, am kommenden Mittwoch treffen die Nordafrikaner im Wiener Ernst-Happel-Stadion in einem Testspiel auf Österreich.

Der organisierte Fußball ist in Tunesien erst relativ spät angekommen und konnte - weil Muslime in der Zeit des französischen Protektorats (1881 - 1956) von der Teilnahme ausgeschlossen waren - erst nach dem Zweiten Weltkrieg breite Wirkung entfalten. Der tunesische Verband wurde denn auch erst im Jahr nach der dem Erringen der staatlichen Souveränität 1957 gegründet.

Das Land selbst (10 Millionen Einwohner, 163.000 Quadratkilometer) ist eine Präsidialrepublik, der Islam Staatsreligion. Der bereits drei Mal wiedergewählte Präsident Ben Ali regiert seit 20 Jahren das Land in autoritärer Manier. Staatsgründer Habib Bourguiba hatte seit der Unabhängigkeit von Frankreich 1956 eine eher westlich orientierte Politik gepflegt, ebenso sein Nachfolger Ben Ali.

Wirtschaftlich hat sich das vom Ölsegen ausgesparte Schwellenland in den vergangenen Jahren relativ gut entwickelt, vor allem im regionalen Vergleich. Zu einer Haupteinnahmequelle hat sich der Tourismus entwickelt, der durch Anschläge radikaler Islamisten (wie 2002 in Djerba) freilich in Gefahr ist. Die Regierung hat sich diesbezüglich zu einem harten Vorgehen entschieden.

Beachtliche internationale Erfahrung
Die Fußball-Nationalmannschaft Tunesiens verfügt bereits über beachtliche internationale Erfahrung, ist nicht nur Dauergast beim Afrika-Cup, sondern hat auch bereits vier WM-Endrunden absolviert (1978, 1998, 2002 und 2006). Bei der Premiere in Argentinien schrieben die "Adler von Karthago" Geschichte, der 3:1-Erfolg über Mexiko bedeutete den ersten Endrunden-Sieg einer afrikanischen Mannschaft. Die Gruppenphase überstand man damals freilich nicht, ebensowenig bei den folgenden WM-Auftritten.

Bei der WM in Deutschland 2006 wurden der Mannschaft von allen afrikanischen Teilnehmern die besten Chancen eingeräumt, die Vorrundengruppe (mit Spanien, Saudi-Arabien und der Ukraine) erfolgreich zu meistern. Die Auguren täuschten sich freilich: Für die biederen Nordafrikaner, die in der Qualifikation noch überzeugt hatten, blieb ein mageres 2:2 gegen Saudi-Arabien der einzig zählbare Erfolg.

Ihre Sternstunde hatte Tunesiens Auswahl bereits zwei Jahre zuvor erlebt. Beim Afrika-Cup 2004 holte das Team erstmals den Titel, nach dem 2:1-Finalerfolg über Marokko vor heimischem Publikum in Rades machten Hunderttausende im ganzen Land die Nacht zum Tag. Ein Erfolg, der nicht zuletzt dem französischen Trainer Roger Lemerre zu verdanken war, der mit seinem Heimatland 2000 den EM-Titel geholt hatte und nach der katastrophalen WM 2002 (Aus in der Vorrunde) in Tunesien anheuerte.

"Killer mit dem Babyface"
Seit der WM 2006 hat Lemerre den Kader entscheidend verändert. Zehn Mann sind neu, Routiniers wie Tormann Boumnijel (Karriereende), Hatem Trabelsi oder Zied Jaziri stehen nicht mehr im Team. Star der Mannschaft ist der 2004 eingebürgerte Brasilianer Santos, in der französischen Liga bei Toulouse im Einsatz. Der 28-Jährige wird gern auch als "Killer mit dem Babyface" bezeichnet. Ein Attribut das weniger grenzenloser Genialität geschuldet ist, denn gutem Überblick und ausgezeichnetem Timing. Einen gewissen Bekanntheitsgrad haben in Österreich auch die in der deutschen Bundesliga spielenden Defensivkräfte Karim Haggui (Bayer Leverkusen) und Jaouhar Mnari (Nürnberg).

(apa/red)