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Türkei bittet um Hilfe

Für eine Erstversorgung der Bebenopfer - noch immer werden Lebende geborgen

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    Fast 108 Stunden nach dem verheerenden Erdbeben in der Türkei wird der 13-jährige Ferhat Tokay aus den Trümmern geborgen.

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    Wenige Stunden zuvor wird der 18-jährige Imdat lebend entdeckt und geborgen. Etwa zur gleichen Zeit wird auch ein 19-jähriger Mann gerettet.

Drei Tage nach dem schweren Erdbeben nimmt die Türkei nun doch Hilfsangebote aus dem Ausland in Anspruch. Die Regierung fragte bei den mehr als 30 Ländern, die ihre Unterstützung angeboten hatten, um Hilfe für eine Erstversorgung der Bebenopfer nach, wie ein Vertreter des Außenministeriums mitteilte. Ministerpräsident Erdogan hatte zunächst erklärt, die Türkei komme ohne internationale Hilfe aus.

Nun kam die Regierung aber auch auf das israelische Hilfsangebot zurück. Israel kündigte an, eine Luftbrücke in das Katastrophengebiet im Südosten der Türkei einzurichten. Die Beziehungen zwischen der Türkei und Israel waren zuletzt auf einem Tiefpunkt. Hintergrund ist der Streit über einen israelischen Militäreinsatz gegen eine Hilfsflotte für den palästinensischen Gazastreifen, bei dem neun türkische Aktivisten getötet wurden. Über die Hilfe für die Bebenopfer könnten sich beide Seiten wieder annähern.

Meuterei in Gefängnis
In der von einem schweren Erdbeben getroffenen türkischen Provinz Van gab es unterdessen aber auch eine Meuterei in einem Gefängnis. Schüsse waren in der Nacht auf Mittwoch zu hören, Rauch stand am Himmel, nachdem Häftlinge ihre Decken angezündet hatten. Sie protestierten damit gegen die Entscheidung der Behörden, die Gefangenen trotz Schäden an dem Gebäude nicht an einen sichereren Ort zu verlegen. Die Feuerwehr rückte an, um die Flammen zu löschen.

Knapp 500 Todeopfer
Die Zahl der Todesopfer stieg unterdessen auf mindestens 481. Zudem seien 1.650 Menschen verletzt, berichtete die türkische Nachrichtenagentur Anadolu Ajansi. Der türkische Staatspräsident Gül kündigte für Freitag einen Besuch in dem Katastrophengebiet in der östlichen Provinz Van an.

Noch immer Lebende geborgen
Die Rettung einer Frau aus den Trümmern des schweren Erdbebens in der Türkei hat den Einsatzkräften am Mittwoch neuen Mut gegeben. Die 27-Jährige wurde 66 Stunden nach dem Erdstoß in der Stadt Ercis aus den Trümmern ihres Hauses gezogen. "Sie war unsere Mieterin. Sie haben sie vor einer Stunde geborgen", berichtete Akif Goltas. Die Rettungskräfte hätten die ganze Nacht nach der 27-Jährigen gesucht. Diese arbeitete Medienberichten zufolge als Lehrerin.

Zuvor war auch ein 18-jähriger Student aus den Trümmern eines eingestürzten Hauses in der Stadt Ercis geborgen - 61 Stunden nach dem Erdstoß. Die Rettungskräfte führten kleine Kameras in die Schuttberge ein und fanden Eyup Erdem. Der Student war nach einem Bericht der amtlichen Nachrichtenagentur Anadolu verletzt und wurde in einem provisorischen Lazarett behandelt.