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Türkei-Symposium in Wien

Kurz: "Investieren statt reparieren" - Bekenntnis zu proaktivem Integrationszugang

Außenminister Sebastian Kurz © Bild: APA/Dragan TATIC

"Investieren statt reparieren" - mit diesen Worten definierte Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) am Montag bei einem Türkei-Symposium in Wien die Strategie der Integrationspolitik: sprachliche Frühförderung, Beurteilung nach Leistung, Umgang mit anderen Traditionen. Vom türkischen Premierbesuch in Wien erhofft sich Kurz "positive Signale".

Der auch für Integration zuständige Minister legte beim Symposium "50 Jahre Anwerbeabkommen Österreich-Türkei "ein klares Bekenntnis zu einem proaktiven Zugang" in diesem Bereich vor. Der Erwerb der deutschen Sprache "ist ein Schlüssel"; die Mittel für Frühförderung seien auf 30 Mio. Euro erhöht worden. An einem Anerkennungsgesetz werde gearbeitet. Es gelte ferner, Einsatz zu leisten, nicht nur auf dem Arbeitsmarkt. Die Österreicher als "Vereinsweltmeister" fordert Kurz auf, vor allem auch um ländlichen Raum ihre Vereine zu öffnen.

Kurz für positiven Zugang von beiden Seiten

Kurz wünscht sich einen positiven Zugang von beiden Seiten - "eine Kultur, wo Vielfalt positiv ist". Die Menschen müssen lernen, mit unterschiedlichen Gebräuchen und Kulturen umzugehen. "Integration ist ein gegenseitiger Prozess. Die einheimische Bevölkerung soll am Wir-Gefühl mitarbeiten."

An der Diskussion um die bevorstehende Visite des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan ist laut Kurz abzulesen, wie emotional mit dem Thema Integration umgegangen werde. Der Außenminister erneuerte seinen Appell an den Gast: "Wir hoffen, dass er die richtigen Worte findet, um das Integrationsklima nicht zu verschlechtern, sondern zu verbessern." Erdogan möge die Türken aufrufen, sich zu integrieren. Positive Signale seien nötig, das Trennende solle vermieden werden.

Türken "haben unser Land geprägt"

Die Türken "haben unser Land geprägt, mitgestaltet und verändert", fasste Kurz die Lage 50 Jahre nach dem Anwerbeabkommen vom 15. Mai 1964 zusammen. 20 Prozent der Österreicher hätten heute Migrationshintergrund. Dies gelte auch für 25 Prozent der Volksschüler, in Wien sogar für 60 Prozent. All dies habe eine nachhaltige Veränderung der österreichischen Gesellschaft gebracht. Beide Seiten hätten 1964 nicht gewusst, was auf sie zukommen würde. Teils habe es auch eine falsche Erwartungshaltung gegeben. Man habe aus Fehlern gelernt, müsse Vorurteile abbauen und mit der Integration möglichst früh beginnen, resümierte der Außenminister.

Der türkische Botschafter in Österreich, Hasan Gögüs, bezeichnete die rund 300.000 Türkischstämmigen in Österreich als "Brücke". Türken fänden sich heute in allen Lebensbereichen, viele erwarben die österreichische Staatsbürgerschaft. Doch es gebe auch Probleme bei der (Aus-) Bildung und auf dem Arbeitsmarkt. "Wir sind uns bewusst, dass Deutsch-Lernen wichtig ist." Türkisch als Maturafach einzuführen, wäre für den Diplomaten "ein positiver Schritt".

Österreichs Botschafter in Ankara, Klaus Wölfer, sprach von einer "win-win-Situation", wenn es puncto Sprache, Ausbildung und Arbeit funktioniert. An der Botschaft in Ankara wurde eine Integrationsbeauftragte installiert, eine Tirolerin mit türkischen Wurzeln. Es bedürfe eines "respektvollen Umgangs beider Seiten" miteinander. Wölfer verwies auch darauf, dass die Türkei bald das bevölkerungsreichste Land Europas sein werde.

Kommentare

Dass Kanzler und Vizekanzler den Herrn Kurz vorschicken ("Möge sich doch ein Anderer die Finger verbrennen.:"), ist mehr als jämmerlich.
Das Wahlwerben ausländischer Politiker in Österreich ist und bleibt illegal und ist zwischenstaatlich weder geregelt noch vorgesehen.

Solche deutlichen Worte wie sie vom türkischstämmigen Grünen Bundesrat Efgani Dönmez ausgesprochen werden, kann man weder vom Außenminister, der Innenministerin oder dem Bundespräsidenten nicht erwarten!
Solche Menschen mit Rückgrat wie Herr Dönmez brauchen wir mehr in der Politik!

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