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Ruhe nach dem Sturm

Auf dem Taksim-Platz ist vorerst Ruhe eingekehrt. Wasserwerfer in Stellung.

Ein Mann schläft vor seinem Zelt im Gezi-Park. © Bild: REUTERS/Murad Sezer

Nach den Ausschreitungen der vergangenen Tage hat sich die Lage auf dem Taksim-Platz in Istanbul vorerst beruhigt. In der Nacht zum Donnerstag sangen dort Hunderte Regierungsgegner, spielten Fußball oder hörten einem Pianisten zu, der seinen Flügel mitten auf dem Platz in der Innenstadt der Millionenmetropole aufgestellt hatte. Trotz der ruhigen Nacht zeigt die Polizei weiter starke Präsenz, mindestens acht Wasserwerfer sind nach wie vor in Stellung.

In Ankara war die Polizei am Mittwochabend erneut mit Tränengas gegen demonstrierende Regierungskritiker vorgegangen. Rund 2000 Menschen hatten sich im Zentrum der türkischen Hauptstadt versammelt und skandierten Parolen gegen Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan. Ein Autofahrer, der die Demonstranten durch Hupen unterstützte, wurde festgenommen.

Die konservative AK-Partei von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hatte am Mittwoch angeboten, über das umstrittene Istanbuler Bauprojekt auf dem Platz eine Volksabstimmung durchzuführen. Der Protest gegen das Vorhaben ist zu einer breiteren Bewegung gegen die Politik Erdogans geworden. Bei Ausschreitungen waren drei Menschen ums Leben gekommen und nach Angaben des Ärzteverbandes 5000 verletzt worden.

Kommt Referendum?

Noch immer harren Regierungsgegner in Zelten auf dem Taksim-Platz aus. Der stellvertretende AKP-Chef Hüseyin Celik forderte sie am Mittwochabend auf, den Platz zu verlassen, stellte aber zugleich ein Referendum in Aussicht. Es könnte in ganz Istanbul oder dem Stadtteil rund um den Platz abgehalten werden. Weitere Einzelheiten gab er zunächst nicht bekannt. Auch ist unklar, ob die Ankündigung die Lage beruhigen kann.

Erdogan hatte sich mit mehreren Vertretern der Protestbewegung getroffen. AKP-Vertreter Celik zeigte sich nach der Begegnung unnachgiebig. Diejenigen, die auf dem Platz ausharrten, würden es mit der Polizei zu tun bekommen, betonte er. Die Sicherheitskräfte hatten in der Nacht zuvor wieder Tränengas eingesetzt und Barrikaden beseitigt. An dem Vorgehen gibt es scharfe Kritik: Demonstranten fordern eine Bestrafung der Verantwortlichen.

Die Regierung plant, den Taksim-Platz mit dem dazugehörigen Gezi-Park umzugestalten und dafür eine Moschee und eine Kopie einer Kaserne aus der Zeit des Osmanischen Reiches zu bauen. Kritiker bemängeln, dass dem Projekt eine der letzten Grünanlagen in dem Viertel zum Opfer fällt. Der Protest dagegen weitete sich schnell zu Massendemonstrationen gegen Erdogan aus. Viele liberale Türken befürchten, dass der frühere Islamist dem Land seine Moralvorstellungen aufzwingen will.

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