Türkei schlägt Lager vor Toren Wiens auf:
Große Zuversicht bei "Enkeln der Osmanen"

Erdogan zieht EU-Vergleich: "Botschaft für Europa" Terim kündigt Abrechnung mit "unfairen Medien" an

Türkei schlägt Lager vor Toren Wiens auf:
Große Zuversicht bei "Enkeln der Osmanen" © Bild: Reuters/Hartmann

Die Türken sind in Wien - und sie sind mächtig stolz darauf. "Willkommen, ihr Enkel der Osmanen" stand auf einem Transparent, das türkische Schlachtenbummler beim ersten Training ihrer Nationalmannschaft in Krems entfaltet haben. Die Erinnerung an die türkischen Belagerungen der Stadt im 16. und 17. Jahrhundert verleiht dem Umzug der türkischen Fußballer aus ihrem bisherigen Quartier in der Schweiz historische Anklänge, die von Fans und Medien in der Türkei begeistert aufgegriffen werden. Doch während die osmanischen Angriffe auf die Stadt am Ende erfolglos blieben, wird das türkische Abenteuer bei der Europameisterschaft 2008 nach Überzeugung vieler Türken zu einem Triumphzug werden.

Vor dem Viertelfinalspiel gegen Kroatien am Freitag herrschen Stolz und Zuversicht am Bosporus. "Na, dann kommen wir wohl ins Finale", sagte etwa ein Istanbuler Schreinermeister lächelnd. Noch vor einer Woche hätte kaum jemand in der türkischen Metropole einen solchen Satz über die Lippen gebracht. Nach dem schwachen Auftaktspiel gegen Portugal wuchsen dank des 2:1-Siegs über die Schweiz zwar die Hoffnungen auf ein Weiterkommen nach der Gruppenphase. Doch erst die sensationelle Aufholjagd im Spiel gegen die Tschechen hat der Öffentlichkeit genügend Zuversicht eingeflößt, dass auch die Begegnung mit Kroatien als lösbare Aufgabe erscheint.

Wenn die Türkei so spiele wie in den ersten 65 Minuten der Partien gegen die Schweiz und Tschechien, dann könne sie kein einziges Spiel mehr gewinnen, kommentierte die Zeitung "Hürriyet" - doch wenn sie so spiele wie in den letzten 25 Minuten dieser beiden Begegnungen, dann könne sie jedes Spiel für sich entscheiden.

Politik zieht Parallelen
Selbst die Politik ließ sich vom Kampfgeist und der Entschlossenheit der Türken im Tschechien-Spiel inspirieren. Das Beispiel zeige, dass man bis zur letzten Minute kämpfen müsse, schärfte Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan den Abgeordneten seiner Regierungspartei AKP ein - und machte ihnen damit angesichts des drohenden Verbots der Partei durch das Verfassungsgericht Mut.

Auch die EU solle die von dem Sportereignis ausgehende Botschaft sehr genau studieren, sagte Erdogan: "So wie unsere Nationalmannschaft ein unverzichtbarer Teil der Farbe, der Begeisterung und der Möglichkeiten der Europameisterschaft ist, wird auch die EU von einer türkischen Mitgliedschaft profitieren", sagte Erdogan. Auch die Tatsache, dass viele türkischstämmige Spieler in westeuropäischen Mannschaften spielten, zeige die "Untrennbarkeit von Türken und Europäern".

Abrechnung mit Medien nach dem Turnier
Unter dem Eindruck der Begeisterung, die der türkische Sieg über die Tschechen ausgelöst hat, ist die vor kurzem noch sehr laute Kritik an der Mannschaft in den Medien nahezu verstummt. Der von den Zeitungen scharf attackierte Nationaltrainer Fatih Terim hat aber bereits klargestellt, dass er dies nur als vorübergehenden Waffenstillstand betrachtet. Nach dem Turnier werde er mit den seiner Meinung nach unfairen Medien abrechnen, kündigte Terim an.

Selbst wenn Terims Team am Freitag gegen Kroatien ausscheiden sollten, dürfte sich die Enttäuschung in der Türkei in Grenzen halten. Das Wichtigste sei das Erreichen des Viertelfinales gewesen, sagt Fatih Uraz, ein Sportkommentator der Zeitung "Zaman". Auch ein 0:3 oder ein 0:4 gegen Kroatien werde nun niemanden mehr groß aufregen.

Turan Arda bei Arsenal im Gespräch
Wie immer das Spiel ausgehen wird, könnte die EM zumindest für einige türkische Akteure zu einem Wendepunkt werden. Nach Presseberichten interessiert sich der britische Spitzenclub Arsenal für den türkischen Jungstar Turan Arda. Und Trainer Terim soll seine Bereitschaft bekundet haben, als Coach nach Italien zurückzukehren, wo er Anfang des Jahrzehnts bereits Fiorentina und Milan betreut hatte. Finanziell hat sich die EM für die türkische Mannschaft auf jeden Fall schon jetzt ausgezahlt: Als Belohnung für das Erreichen des Viertelfinales erhält jeder Spieler eine Prämie von umgerechnet knapp 160.000 Euro.

(apa/red)

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