Türkei von

Die Heldinnen von Istanbul

Tausende Frauen demonstrieren Tag für Tag gegen die Regierung von Tayyip Erdogan

© Video: NEWS.AT

Stell Dir vor, Du wachst eines Morgens auf und findest Dich in einem Dir fremd gewordenen Land wieder“, sagt Hazal, die Schöne mit dem widerborstigen lockigen Haar. „Was würdest Du tun?“ Sie schweigt kurz, gibt Zeit, über eine Antwort nachzudenken und sagt dann: „Wir in der Türkei haben nicht bloß eine Nacht, sondern ganze elf Jahre verschlafen. Und als wir endlich munter wurden, war unser Land schon fast eine islamische Diktatur.“

Harte Worte von einer Zartbesaiteten. Hazal ist 30, Modedesignerin, Model und Kostümbildnerin. Das Gegenteil einer Krawallmacherin also und doch an vorderster Front der Proteste, die seit zwei Wochen in der Türkei toben. Sie sitzt im fünften Stock, inmitten des kreativen Chaos, das ihre Wohnung ist. Unter ihr liegt Istanbul, ihre Heimatstadt. Vor ihr eine ungewisse Zukunft. Und hinter ihr Nächte, die ihr Leben bedrohten und für immer veränderten.

„Aber genug ist genug“, sagt sie, stopft alles in ihre Tasche und geht zur Tür. „Auch wenn ich morgen sterbe, mich die Polizisten niederknüppeln, sie mich mit ihren Geschossen ins Jenseits jagen. Es ist die Zeit gekommen, aufzustehen.“ Hazal ist aufgestanden – und mit ihr Hunderttausende Türkinnen im ganzen Land. Von der Ärztin bis zur Anwältin, von der Studentin bis zur Managerin. Es sind moderne, aufgeschlossene Türkinnen, die ihre Art zu leben bedroht sehen und die nun Seite an Seite mit den Männern protestieren. Unten, in Hazals Viertel, ist dieses Land so sehr Europa wie an kaum einem anderen Ort des 76-Millionen-Einwohner-Staates. Volle Bars, Boutiquen, Cafés, ein lockeres leben und leben lassen.

Tränengasnebel

Zwanzig Minuten geht es über steile Gassen bis hoch zum Taksim, dem riesengroßen Platz, auf dem alles begann. Dort liegt Tränengas in der Luft. Beißend, bitter, brutal. Die von den Demonstranten errichteten Blockaden sind verschwunden. Sie sollten verhindern, dass die Polizei, das Gas und mit ihm die Angst zurückkehren. Vergeblich. Es ist früher Abend. Der Platz ist erneut voll, es drängen sich Menschenmassen. Vor ausgebrannten Autobussen posieren junge Männer, lassen sich fotografieren, machen das Victory-Zeichen. So als sei die Schlacht, die hier ausgetragen wurde, schon Monate vorüber, der Krieg längst gewonnen, die Verhältnisse geklärt.

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Kommentare

Ignaz-Kutschnberger
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So sehen also die Terroristen aus, vor denen uns der gute islamische Erdogan und seine Kopftuchtragende Frau warnen... und weswegen in der Türkei 44 Juristen/innen vom scheinbar wiedergeborenen längst totgeglaubten Adolf der Polizei übergeben wurden...

nonono melden

hast doch keine Ahnung....

Ignaz-Kutschnberger
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na Hauptsache DU hast den Durchblick :)

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