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Protest gegen Gewalt

Promis fordern Ende der Brutalität - Auch deutsche Politikerin angegriffen

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    Ausschreitungen in der Türkei

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    Ausschreitungen in der Türkei

Tränengasgranaten, schreiende Menschen und Verletzte - Die Gewalt in der Türkei eskaliert. Jetzt fordern auch deutsche Prominente ein Ende der Brutalität. Rund 40 Künstler wie der Erfolgsregisseur Fatih Akin, die Schauspieler Sibel Kekilli, Jan Josef Liefers sowie der Schriftsteller Maxim Biller haben Bundeskanzlerin Angela Merkel in einem offenen Brief aufgefordert, sich für ein Ende der Gewalt stark zu machen. "Bitte schauen Sie nicht zu", forderten sie in dem verbreiteten Schreiben.

Die Kanzlerin solle gemeinsam mit ihren europäischen Kolleginnen und Kollegen die türkische Regierung dazu bewegen, die "Gewalt gegen die Bevölkerung sofort zu beenden", hieß es in dem Schreiben weiter. Zu den Unterzeichnern gehören auch der Kameramann Michael Ballhaus, der Regisseur Dani Levy, die Autorin Hatice Akyün und der Präsident der Berliner Akademie der Künste, Klaus Staeck.

Künstler für Dialog statt Eskalation

Der deutsche Regierungssprecher Steffen Seibert warnte unterdessen über den Kurznachrichtendienst Twitter vor einer Gewaltspirale. "Nur Dialog wird weiterführen, nicht die Eskalation", schrieb Seibert. Die Bundesregierung rufe daher "erneut alle Seiten zu Besonnenheit auf". In einer weiteren Nachricht schrieb Seibert, Berlin habe "mehrfach gemahnt: Demonstrations- und Meinungsfreiheit müssen gewährt, friedliche Bürger respektiert werden".

Unterdessen spitzt sich nach der gewaltsamen Räumung des Istanbuler Gezi-Parks der Machtkampf zwischen den Demonstranten und Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan weiter zu. Einen Tag nach der Erstürmung des Parks und des benachbarten Taksim-Platzes lieferten sich Demonstranten am Sonntag immer wieder Straßenschlachten mit der Polizei, zwei der größten Gewerkschaften riefen für Montag zum landesweiten Generalstreik auf. Vor zehntausenden Anhängern in Istanbul zeigte sich Erdogan derweil unnachgiebig.

Erdogan: "Gezi-Park gesäubert"

Es sei seine "Aufgabe als Regierungschef" gewesen, die Räumung anzuordnen, nachdem die Demonstranten alle Aufrufe missachtet hätten, sagte Erdogan vor den mehr als hunderttausend Anhängern seiner konservativ-islamischen AKP. Daher seien "Taksim-Platz und Gezi-Park gesäubert" worden. "Wir überlassen den Platz keinen Terroristen", fügte Erdogan in Anspielung auf einige Plakate von verbotenen Bewegungen während der Kundgebungen auf dem Taksim-Platz hinzu.

Tränengasangriff auf deutsche Politikerin

Am Samstagabend hatte die Polizei den seit zwei Wochen besetzten Gezi-Park und den benachbarten Taksim-Platz gestürmt. Unter dem massiven Einsatz von Tränengas und Wasserwerfern räumten Polizisten den Park binnen weniger Minuten, wie AFP-Korrespondenten berichteten. Grünen-Chefin Claudia Roth als eines der Opfer sagte "Focus Online", niemand habe "damit gerechnet, dass der Park mit einer solchen Brutalität geräumt wird". Die Politikerin erlebte einen Tränengasangriff hautnah mit. "Das ist wie im Krieg. Die jagen die Leute durch die Straßen und feuern gezielt mit Tränengas-Granaten auf die Menschen", sagte sie. Roth sprach mit den Protestierenden in dem seit zwei Wochen besetzten Gezi-Park, als der Polizeieinsatz begann. Die Stimmung in dem Protestlager sei zuvor friedlich gewesen, betonte sie. Andere Besucher des Zeltlagers berichteten, im Park hätten sich auch Kinder aufgehalten.

Reporter vor Ort berichten von brutaler Polizeigewalt selbst gegen Kinder und Schwangere. Auch flüchtende Demonstranten, die sich später in umliegende Hotels retteten, seien laut "Bild" von der Polizei verfolgt worden. "Die Polizei hat uns dann mit Tränengas und Wasserkanone drinnen angegriffen. Da waren Kinder, Frauen, eine Schwangere", berichtet ein "Bild"-Reporter, der vor Ort ist. "Das Tränengas zog rein, wir hatten Todesangst. Man muss sich das mal vorstellen: Die Polizei hat Tränengas in geschlossene Räume geschossen!"

Hunderte Menschen wurden verletzt

In der Nacht und am Sonntag gingen die Straßenschlachten weiter. Die Polizei riegelte Taksim-Platz und Gezi-Park ab. In der Hauptstadt Ankara sowie in Izmir beteiligten sich Tausende an Solidaritätskundgebungen. Mit Tränengas und Wasserwerfern vertrieb die Polizei hunderte Demonstranten in Ankara, als sie Blumen an der Stelle niederlegen wollten, an der am 1. Juni ein Demonstrant tödlich verletzt worden war.

Nach Angaben des Istanbuler Protestbündnisses wurden seit Samstagabend hunderte Demonstranten verletzt. Der Gouverneur der Millionenmetropole, Huseyin Avni Mutlu, sprach von 44 Verletzten.

Kommentare

Die wirtschaftlich wie gesellschaftlich zurückgebliebene TR scheint nun endgültig an inneren Konflikten zu zerbrechen.
Da werden noch nicht mal mehr die von Türken in der EU bezogenen und in die TR überwiesenen Sozialleistungen einen Halt erreichen.
Game over!

Die wollen in die EU? Europa noch mehr versauen.

Dieses Gesindel in die EU? Europa geht den Bach runter. Arme Jugend nach uns!

Man kann nur hoffen das das Militär wieder die Regierung in der Türkei übernimmt und Atatürk´sche Regeln wieder Einkehr halten. Die totale Trennung von Religion und Staat wie vor Atatürk muss wieder her!

bushmaster

Die Grüne "Fatima" Roth ist also bei den Demos in Istanbul vor Ort.

Da kann man mal sehen wo die Schwerpunktinteressen der Politiker sind.

Mutti geht in die Hochwassergebiete und die Roth zu den Demos in die Türkei. Hat die eigentlich schon die türkische Staatsbürgerschaft?

Gringo100 melden

Dein Kommentar ist der Ausdruck Deiner Dummheit "napy-one".
Ein Volk das die Unterdrückung ablehnt ist auf den Weg in den Fortschritt.

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Als Dummheit würde ich deinen Kommentar bezeichnen Gringo100! Ihr habt ja allesamt keine Ahnung um was es hier geht. Alle denken wegen der Unterdrückung etc. Alles ein riesen Nonsens. Würde man sich ein wenig mit der Geschichte auseinandersetzen, wie mit dem Lausannervertrag 1923 wäre das besser als blöd einen unqualifizierten Kommentar abzugeben.

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Lieber Gringo 100!
Das Wort Fortschritt ist dort unerwünscht!

wintersun melden

@nibelungengau: Können Sie das belegen dass die Unruhen auf den Auswirkungen das Vertrages von Lausanne beruhen?
Der Vertrag ist mir bekannt, nur kann ich nicht beurteilen in wie weit dessen Auswirkungen in der jetzigen Lage eine Rolle spielen.

das kommt davon wenn man die Nase überall hineinsteckt.
Geschieht ihr recht.

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