Tschetschenen-Mord in Wien: Liste mit
Name des Opfers ist im Internet abrufbar

2.000 in Gefahr durch russischen Geheimdienst?

Im Internet ist seit Februar 2008 eine Liste mit Namen veröffentlicht, auf der Personen angeführt sind, denen vom russischen Geheimdienst Gefahr drohen soll. Darauf befindet sich auch der Name des am 13. Jänner in Wien erschossenen Tschetschenen Umar I. Drei weitere Personen mit seinem Nachnamen stehen auf der Liste. Die tschetschenische Rebellenwebseite "Chechenpress" listet auf ihrer Homepage insgesamt rund 2.000 Namen von Personen auf. Laut der Webseite, die tschetschenischen Separatisten nahe stehen soll, seien gegen diese Tötungen oder Entführungen geplant.

Die Publikation sei zur Warnung vom sogenannten tschetschenischen Ministerium für Staatssicherheit übergeben worden, heißt es auf der Homepage. Darauf fänden sich die Namen von tschetschenischen Bürgern und anderen Menschen, die durch den russischen Geheimdienst nun wiederholt von Hinrichtungen bedroht seien. "Wir glauben, die Genannten und ihre Verwandten sind in Gefahr", so die "Chechenpress", die sich selbst als Vertreter der autonomen Republik Tschetscheniens innerhalb der Russischen Föderation sieht.

Tschetschenien ist offiziell eine autonome Republik im Rahmen der Russischen Föderation und befindet sich seit Jahren im Konflikt mit Moskau. In diesem Zusammenhang kam es immer wieder zu kriegerischen Auseinandersetzung. Am 27. November 1991 löste sich Tschetschenien unter Präsident Dschochar Dudajew aus dem Republiksverband mit Inguschetien und erklärte einseitig seine Unabhängigkeit als "Republik Itschkerija". Russland erkannte die Unabhängigkeit jedoch nicht an. 2004 wurde Präsident Ahmat Kadyrow bei einem Bombenanschlag getötet. Sein Sohn Ramsan Kadyrow wurde 2007, nachdem er das gesetzliche Mindestalter von 30 Jahren erreicht hatte, von Wladimir Putin als neuer Präsident vorgeschlagen und eingesetzt.

Kadyrow jun. galt als Protege Putins, versuchte sich aber durch ein Vorantreiben der Islamisierung von diesem Image zu befreien. Menschenrechtsorganisationen sprechen immer wieder von Gräueltaten, die seiner Miliz vorgeworfen werden. Beschuldigt wurde der Präsident auch im Zusammenhang mit dem Mord an der russischen Journalistin und Regierungskritikerin Anna Politkowskaja im Oktober 2006.

(apa/red)