Tschad: Lage bleibt weiter unübersichtlich -
Rebellen formieren sich wahrscheinlich neu

In Hauptstadt N'Djama beginnen die Aufräumarbeiten Keine Änderungen für die österreichischen Soldaten

Tschad: Lage bleibt weiter unübersichtlich -
Rebellen formieren sich wahrscheinlich neu © Bild: Reuters/Taquet/ECPAD/French Defence Ministry

Die Lage im Tschad bleibt weiter unübersichtlich: Während in der Hauptstadt N'Djamena nach dem Ende der blutigen Kämpfe erste Aufräumarbeiten begannen und die Regierung behauptet, die Lage im ganzen Land wieder unter Kontrolle zu haben, dürften sich die Rebellen lediglich zurückgezogen haben, um sich neu zu formieren. Die Stationierung der geplanten EUFOR-Schutztruppe soll sich nach dem Willen Frankreichs durch die jüngsten Kämpfe um höchstens sechs Wochen verzögern.

Präsident Idriss Déby hatte erklärt, seine Truppen hätten die Rebellen erfolgreich geschlagen. Der französische Außenminister Bernard Kouchner berichtete dagegen von ihrer Neugruppierung der Rebellen. Auch Verteidigungsminister Hervé Morin sagte, dass zusätzliche Rebellentruppen von der sudanesischen Grenze in Richtung N'Djamena unterwegs seien. Ein Rebellensprecher bestätigte das Zusammentreffen zweier Rebellengruppen nahe der Stadt Mongo, rund 400 Kilometer östlich von N'Djamena. Ob sie aber erneut in Richtung Hauptstadt vordringen wollten, war vorerst unklar. Rebellensprecher Abderaman Koulamallah erklärte jedenfalls, die Rebellen hätten ihre Ziele nicht aufgegeben. Er rief Frankreich auf, sich aus dem Konflikt herauszuhalten.

EU-Truppen sollten Flüchtlinge beschützen
Die EU hatte Ende Jänner mit der Stationierung der Truppe begonnen, bevor Rebellen auf N'Djamena vorrückten. Die insgesamt 3.700 Mann sollen im Osten des Tschad und in der Zentralafrikanischen Republik rund 450.000 Flüchtlinge aus der sudanesischen Krisenregion Darfur beschützen und den Hilfsorganisationen die Arbeit erleichtern. Frankreich stellt 2.100 Soldaten, Österreich beteiligt sich mit 160 Soldaten, ein erstes Vorkommando von 15 Personen sitzt in der Hauptstadt N'Djamena fest.

EUFOR-Truppen hätten bereits helfen können
Angesichts der eingestellten Kampfhandlungen in N'Djamena hatten EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner und der Präsident des Tschad selbst appelliert, die EUFOR-Mission möglichst rasch in die Tat umzusetzen. Wäre die Truppe bereits in seinem Land, hätte ihm dies im Kampf gegen die Rebellen geholfen, sagte Deby dem französischen Radiosender Europe-1. Denn dann hätte er seine Soldaten, die sich um den Schutz der Flüchtlinge kümmerten, gegen die Aufständischen einsetzen können, erklärte der Präsident. Er beschuldigte das Nachbarland Sudan, die tschadischen Rebellen bei ihrem Umsturzversuch offen militärisch unterstützt zu haben. Behauptungen der Rebellen über ein Eingreifen der französischen Luftwaffe wies er zurück.

Flüchtlinge kehren zurück
Nach dem Abflauen der Kämpfe in N'Djamena kehrten unterdessen Hunderte von Flüchtlingen aus dem nahen Kamerun nach N'Djamena zurück. Bei den Kämpfen waren nach ersten Berichten von Hilfsorganisationen mindestens 100 Menschen getötet worden. Die Zahl der Verwundeten wurde von "Ärzte ohne Grenzen" (MSF) mit mindestens 700 angegeben.
(apa/red)