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Warum Trump erneut
Präsident werden könnte

Alles offen - Warum Trump erneut
Präsident werden könnte © Bild: Getty Images

Donald Trump, Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika: Was für viele immer noch wie ein schlechter Scherz anmutet, jährt sich morgen, am 8. November, zum dritten Mal. Und mit seiner Präsidentschaft auch ein Rattenschwanz an Skandalen, der nicht enden will. Dennoch stehen die Chancen gar nicht so schlecht, dass Trump die Präsidentschaftswahlen 2020 erneut für sich entscheiden kann.

Momentan scheinen die Zeichen für Donald Trump schlecht zu stehen: Bei zwei von drei Gouverneurswahlen, die als Stimmungstest für die Präsidentschaftswahl gegolten haben, konnten sich die Demokraten gegen die Republikaner durchsetzen. Auch die Umfragewerte haben zuletzt merklich nachgegeben, nur noch knapp 40 Prozent scheinen mit der Politik des amtierenden Präsidenten zufrieden zu sein.

Von der Amtsenthebung können alle profitieren

Und dann wäre da natürlich noch das Amtsenthebungsverfahren, das für den Wahlkampf noch schwer abzuschätzen ist. Möglicherweise wird Trump durch das Verfahren weiter geschwächt. Der Schuss könnte aber natürlich auch nach hinten losgehen - wie im Fall von Bill Clinton im Jahr 1998.

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Die dritte Möglichkeit wäre, dass Trump tatsächlich des Amtes enthoben wird - dafür bräuchte es aber eine Zweidrittel-Mehrheit im Senat. In diesem Fall wäre dann plötzlich auch bei den Republikanern das Rennen wieder völlig offen, auch wenn dann wohl Vizepräsident Mike Pence die besten Karten für eine Kandidatur hätte.

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"Die Chance gibt es. Ich würde sagen zehn bis 15 Prozent", schätzt "Spectator"-Kolumnist Daniel McCarthy zur Möglichkeit einer erfolgreichen Amtsenthebung. "Es bräuchte ungefähr 20 republikanische Senatoren, die die Demokraten unterstützen", so McCarthy. Wie gefährlich es ist, mit Wahrscheinlichkeiten zu spielen, hat uns schon der letzte US-Wahlkampf gezeigt.

Nutznießer eines Systemfehlers

Was also kann Trump dennoch zuversichtlich stimmen für einen Wahlsieg? Die Antwort ist relativ simpel: Es ist das amerikanische Wahlsystem selbst. Schon 2016 haben knapp 80.000 Stimmen in vier Bundesstaaten Donald Trump bei der Präsidentenwahl zum Sieg gereicht, obwohl er landesweit fast drei Millionen Stimmen weniger hatte als seine Kontrahentin Hillary Clinton. Und Experten halten eine Wiederholung dieses Szenarios bei der Wahl 2020 für nicht unwahrscheinlich. Sicher scheint nur, dass sich das Rennen in so wenigen Staaten abspielen wird wie nie zuvor.

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Der Fehler liegt im System selbst: Der US-Präsident wird nämlich nicht direkt gewählt, sondern von Wahlmännern aus den 50 Bundesstaaten und der Bundeshauptstadt Washington D.C. Dabei räumt der stimmenstärkste Kandidat sämtliche Wahlmänner des betreffenden Staates ab. Schon seit Jahrzehnten bewirkt dieses System, dass sich der Wahlkampf auf jene Staaten konzentriert, die keine Hochburgen einer der beiden großen Parteien sind.

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Während es bei vergangenen Wahlen etwa ein Dutzend solcher "Battleground States" oder "Swing States" gab, könnten es diesmal nur vier sein, schreibt die "Washington Post". Konkret geht es um Pennsylvania, Michigan, Wisconsin und Florida, in denen Trump vor drei Jahren den Sieg gegen Clinton geholt hat. Fast alle anderen Bundesstaaten seien nämlich aufgrund von demografischen Veränderungen und der politischen Polarisierung in Bezug auf Trump weitgehend fest in republikanischer oder demokratischer Hand.

Konzentrierte Wahlmacht gefragt

Die radikalen Änderungen der politischen Landkarte machen auch nicht halt vor bisherigen Bauernregeln der US-Politik. So wird der klassische Trendsetter-Staat Ohio ("As goes Ohio - so goes the nation") mittlerweile dem republikanischen Lager zugerechnet, ebenso wie der erste Vorwahlstaat Iowa. Virginia und Colorado tendieren aufgrund demografischer Veränderungen deutlich in Richtung der Demokraten. Fast schon surreal scheint, dass Demokratenhochburgen wie Kalifornien oder New York noch vor nicht allzu langer Zeit "Swing States" waren.

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Die Kampagnenmanager beider Parteien beraubt das enge Spielfeld der Möglichkeit, nach "alternativen Wegen" zur magischen Zahl von 270 der 538 Wahlmänner zu suchen. Mehr noch als bei früheren Wahlen spitzt sich das Rennen auf Florida mit seinen 29 Wahlmännern zu. Geht der "Sunshine State" verloren, müssen nämlich die drei anderen umkämpften Staaten - Pennsylvania (20), Michigan (16) und Wisconsin (11) - gewonnen werden, um in der Endabrechnung doch noch vorne zu liegen.