Neue Zeiten von

Trumps Außenpolitik:
Das Ende des Weltpolizisten

Die USA sollen sich nur noch einmischen, wenn es ihren eigenen Interessen dient

Neue Zeiten - Trumps Außenpolitik:
Das Ende des Weltpolizisten © Bild: Sarah D. Davis

Donald Trump will als US-Präsident die amerikanische Außenpolitik der vergangenen Jahrzehnte völlig auf den Kopf stellen. Militärisches Eingreifen in fremden Ländern, um Diktatoren zu stürzen und Demokratien aufzubauen, führe zu einem "zerstörerischen Kreislauf von Interventionen und Chaos". Die USA sollen sich in Zukunft ganz auf sich selbst konzentrieren.

Die Ankündigungen Trumps bei einer Rede am Dienstag in Fayetteville, North Carolina, waren, wenn man seinen Wahlkampf verfolgt hat, nicht neu. Doch nun, als designierter Präsident rund einen Monat vor der Angelobung, haben sie Gewicht. "Wir werden aufhören, fremde Regime zu stürzen, über die wir nichts wissen, mit denen wir nichts zu tun haben sollten", sagte Trump. Stattdessen müssten sich die USA auf die Bekämpfung des Terrorismus und vor allem die Zerstörung des IS konzentrieren. Das wäre eine völlige Abkehr von der US-Außenpolitik seit Ende des Kalten Krieges und ihren Taktiken des "regime change" und "state building".

US-Interventionen führen nur zu "Chaos"

Davon hält Trump nämlich denkbar wenig. Das führe zu einem "zerstörerischen Kreislauf von Interventionen und Chaos". Für einen Republikaner eine eher ungewöhnliche Position, die ihm auch schon vor der Wahl Skepsis aus Militär- und Sicherheitskreisen der Partei einbrachte. Scharf kritisierte er im Wahlkampf ja auch den Irak-Krieg von Präsident George W. Bush. Wobei seine Behauptung, er sei schon damals dagegen gewesen, widerlegt werden konnte. In Zukunft sollen die USA laut Trump nur noch dann militärisch eingreifen, wenn es den eigenen nationalen Sicherheitsinteressen dient. Zwar wurde auch vor dem Irak-Krieg behauptet, Saddam Husseins Regime verfüge über Massenvernichtungswaffen und sei daher eine Bedrohung für die USA. Das stellte sich aber als falsch heraus. Trump wirft der Bush-Regierung vor, das schon vorab gewusst zu haben.

In anderen Staaten griff und greift die Supermacht in den letzten Jahren auch immer wieder aktiv ein, um Aufständische in – bereits ausgebrochenen – Konflikten gegen ihre Regierungen zu unterstützen. So zuletzt in Libyen und nach wie vor in Syrien und dem Jemen. Meist handelte es sich um den USA nicht allzu freundlich gesinnte Regierungen, und man erhoffte sich ein bessere Zusammenarbeit mit dem möglichen künftigen Regime. Auch war und ist es oft Ziel, diktatorische und menschenrechtsverletzende Regierungen durch demokratischere zu ersetzen. Im Rahmen des "state building" unterstützte man Staaten dann auch beim Aufbau stabiler Strukturen, etwa durch die Ausbildung von Polizisten und Beamten. In sehr vielen Fällen schlugen diese Bemühungen aber fehl. Trump verweist gerne auf den Irak. Nur wegen der verfehlten US-Politik hätte sich von dort aus der IS ausbreiten können. Auch Afghanistan ist nach wie vor ein Unruheherd, Libyen ein zerfallener Staat.

Zukunft der NATO offengelassen

Die Involvierung in so viele Konflikte schwäche das Militär außerdem unnötig. "Wir wollen kein überlastetes Militär, weil wir überall sind und an Orten kämpfen, an denen wir gar nicht kämpfen sollten. Diese Überlastung endet jetzt", meint der künftige Präsident. Zugleich kündigte er an, das Militärbudget erhöhen zu wollen. Das Geld, dass sich die USA durch ferne Kriege sparen, würde er aber auch in die amerikanische Infrastruktur investieren. Seit seiner Wahl nicht mehr erwähnt hat Trump, wie er sich die Zukunft der NATO vorstellt. im Wahlkampf stellte er die Sinnhaftigkeit des Verteidigungsbündnisses für die USA infrage, sie sei "ein schlechter Deal", bei dem die Amerikaner draufzahlen. In Europa sorgten diese Bemerkungen für einige Unruhe. In der Rede am Dienstag sagt Trump aber auch, man werde "nicht vergessen" und "alte Freundschaften stärken".

Kommentare

Ivoir
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Dann sollten sie auch nicht fremde Regime unterstützen. Wie und wer definieren die Faktoren für ein eventuelles eingreifen in internationalen Krisenherden? Wenn der russische Bär mit seinen Pranken wieder nachbarliche Territorien hinter seine Grenzen ziehen will? Was wollen sie tun, wenn sie für ihre konstruierten Scharmützel niemand mehr bezahlt? Ein Teufelskreis, ob er den durchbrechen kann?

giuseppeverdi melden

Ja dann heißt es ab in die Heimat mit Ihnen. Das Dauerstudium auf Kosten Österreichs ist damit beendet. Ab an die Elfenbeinküste mit Ihnen!

Wolfen Pi

Trump ist wohl genau das das die Welt benötigt... Gut so!

Izmir-Ibel

Würde mich nicht wundern, wenn Hr. Trump bald mysteriös erkrankt oder einem Unfall zum Opfer fällt.

higgs70
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Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.
"Die USA sollen sich nur noch einmischen, wenn es ihren eigenen Interessen dient". War das nicht ohnehin schon immer der Fall? Ist es doch der Staat, der im Wahn God´s own country zu sein - und das meinen die wirklich so - sich sämtlicher internationaler Usancen entschlägt, sobald diese unangenehm werden und der seit 1945 die meisten Kriege geführt hat, immer moralisch bemäntelt und immer aus eigenen Wirtschaftsinteressen. Und wo man meint, alles sei erlaubt wenns der city upon a hill dient.

Ich will Trump ja nicht absprechen, dass er das anstrebt, aber nachdem er einen Kriegsfetischisten wie James Mattis zum Verteidigungsminister gekürt hat, wirds wohl schwer werden, der wird ihm das erfolgreich ausreden. Den Iran hat der ja schon jetzt im Visier.

parteilos melden

Wenn die AMIS nicht gewesen wären, dann hätten wir noch den Bärtigen, dazu kommen noch andere Aktivitäten wie Jugo und Co. wo die EU nicht in der Lage war Probleme zu lösen. Die Amis brauchen auch keinen Import an Wirtschaft und Öl. Sie haben schon lange Russland überholt. Und wenn man im Jahr 85 bio spart, dann spielen Schulden auch keine Rolle da man sich selbst versorgt, im Gegenteil zu Öster.

higgs70
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Schon mal dran gedacht, dass Wohlstand ein sehr relatives Konzept ist und es keinen Fortschritt gibt, der nicht einen Preis hat und dass der manchmal schlicht zu hoch ist (und das ist nicht pekuniär gemeint)? Schon mal dran gedacht, dass ein Großteil der Ölproduktion der USA aus Tight Oil, also Fracking-Öl, besteht und dass Ihnen die ganze Öl - und Wirtschaftsunabhängigkeit oder 6 Porsches in der Garage nix nutzen, wenns kein sauberes Wasser und fatale Auswirkungen auf die Umwelt und Ihre Gesundheit haben? Schon mal dran gedacht, dass es eine Hierarchie von Wertigkeiten gibt? Schon mal dran gedacht, dass nur Soziopathen glauben können, alles und jedes sei eine Ware? Ich schon.


higgs70
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Achso und was den Bärigen betrifft, wenn man
Gerechtigkeit gewollt hätte, hätte man auch den vor einen internationalen Gerichtshof bringen müssen, wurst was er getan hat. Ankläger, Richter und Henker in einer Person zu sein ist immer noch Willkür, wurst um wen es geht.

parteilos melden

och, ich wollte nur auf den Inhalt ihres Post hinweisen, dass die AMIS wirtschaftlich unabhängig sind und keine wirtschaftlichen Interessen verfolgen. Und wenn sie jetzt darauf hinweisen, dass Kriege Geld kosten und der Aufbau eben so, dann sei gesagt auch hier verdienen EU Firmen ein paar Milliarden. Ob das mit Umweltschutz vereinbar ist, ist doch eine andere Diskussion.

parteilos melden

Und durch eine realtive Immunität der Staaten sind Schulden nicht gleich Schulden.

Sie meinen jetzt wohl den Strafgerichtshof und nicht den IGH, sind zwei paar Schuhe...Das Römische Statut wird wohl nicht jeder ratifizieren zumindest nicht ohne Abänderung, ich denke nicht, dass die Amis so blöd wären..

higgs70
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1) Fracking wurde in den USA erst ab 2006 wirtschaftlich spruch-und erfolgreich, Was war davor?
2)natürlich erkennen die USA den IStGH und das röm.Statut nicht an, sonst könnte man sie ja für die eigenen Kriegsverbrechen zur Verantwortung ziehen und das käme nicht so gut im eigenen Land....ist ja doch einiges zusammengekommen im Lauf der Zeit.

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Den kalten Krieg hätten wir ohne Nato nicht überlebt, zwei mal vor einer Dikatur bewahrt und sie hegen Groll gegen jene Helfer? Mag sein, Krieg ist nun mal Krieg, der ist böse und traurig und Kriegsverbrechen gehören nun mal dazu. Es gibt keinen schönen Krieg! Vietnam wurde ein kapitalistisches Land, Kuweit wurde befreit, Jugoslawien wurde auch befriedet nur ein paar Beispiele.

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Ich denke man sollte die USA nicht verteufeln. Was wäre, wenn sie nicht aktiv geworden wäre? Wer übernimmt die Rolle? Die Russen? China? .....aliud est non melius

higgs70
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Ich hege keinen Groll, aber mich nerven sie.Denn die Liste der Verbrechen in der sehr kurzen Geschichte ist lang und bis in die Jetztzeit wird hier Eigeninteresse vor Menschenrechte und Recht gestellt. Nun haben andere mächtige Regime natürlich ähnliches getan, China oder Rußland sind um nichts besser, da haben Sie recht, selbst unserere nostalgisierte Monarchie war nicht ohne. Was aber das amerikanische Fehlverhalten so heraushebt ist der maßlose, präpotente Anspruch auf die eigene Tugendhaftigkeit und der durchgehende Wahn moralische Noten verteilen zu können, während man sein Gegenüber erbarmungslos köpft. Denn die Welt besteht aus "good guys" (wir) und "bad guys" (die anderen) und damit ist jede mögliche Varianz erfüllt. Und ein Verbrechen ist kein Verbrechen mehr wenn man die Hand aufs Herz legt und grölt. Wie gesagt,sie nerven mich.

Ich glaube,Ihre Verteidigungslinie resultiert ganz einfach aus einem sehr hehren Bild der USA im Kalten Krieg und das ist schon lange ein Potemkinsches Dorf, wenns überhaupt je zutraf. Lesens einmal das "Vietnam-Tribunal" von Russel/Satre, das ist die Tonart in der gespielt wurde und wird.

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Das was sie ansprechen ist genau das Übel unserer Zeit. Wir sehen hier einen Kurs, der uns unweigerlich Probleme bringen wird. Beispiel
Im Grunde ist nichts schlechtes an unterschiedlichen Meinungen, es gilt es einen Konsens zu finden. Wenn man jetzt den anderen vermittelt, es ist falsch wie er denkt und er gehört in seinem TUN verhindert, dann läuft es falsch.

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Anstatt die linke Regierung akzeptiert, dass es Menschen gibt die anderes denken werden sie regelrecht angegriffen. Es gilt das Motto, "WAS NICHT SEIN, DARF BESTIMMEN WIR".
Der Versuch des Konsens wird erst gar nicht versucht. Die Antwort wäre denkbar einfach. Ein bissal was von dort, ein Abstrich dort. Es kann nicht jeder gleich empfinden, aber man sollte dem anderen vermitteln, dass ich deine

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Wünsche respektiere. Alles andere ist doch ein Quatsch, gegenseitige Lügen und alles mit Dreck bewerfen. Bei Staaten ist ebenso, anstatt zu arbeiten wird polarisiert.
Auch in Öster. war die Idee von Kern denkbar schlecht. Auch hier, ich reagiere nur auf das stärker werden der FPÖ, nicht auf die Wünsche der Wähler, es gibt Sachen die die nicht wollen. Wie sagte Kern, "mit Recht verhindert",

higgs70
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Sehns, und deshalb ist es schön, dass wir AvB als BP haben, denn der hat gleich nach der Wahl gesagt: " Den Weg zueinander legen wir schneller zurück, wenn wir von beiden Seiten aufeinander zugehen. Und so lange dieser Weg auch sein mag, er beginnt mit dem ersten Schritt."
Cooler Typ, der Mann, findens nicht?;-))

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Hab da mal gehört, dass er die FPÖ nicht angeloben wird. ;)Mal sehen ob er so cool sein wird....oder ob sich der Wind jetzt dreht.

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