True lies: FORMAT über das Milliarden- Desaster bei Frankreichs Societé Générale

Angestellter nutzte Insider-Wissen & verzockte 5 Mrd. Über Schwächen im Risk-Management von Banken

True lies: FORMAT über das Milliarden- Desaster bei Frankreichs Societé Générale © Bild: Reuters/Kessler

Fünf Milliarden Euro sind viel Geld. Ernsthaft viel. Sämtliche je in Österreich ausgezahlten Lotto-Sechser ergeben nicht einmal ein Viertel dieses Betrags. Dafür könnte man bei der EADS-Tochter Astrium etwa 25.000 private Flüge in den Weltraum buchen. Oder den Stahlgiganten voestalpine komplett übernehmen. Oder man macht es wie Jérôme Kerviel und verzockt sie einfach innerhalb weniger Tage in der Finanzderivate-Abteilung einer angesehenen französischen Großbank.

Das Milliarden-Desaster bei der Société Générale (SocGen) versetzt Bankmanager quer über den Globus in helle Panik, zeigt es doch mit erschreckender Klarheit, wie anfällig die scheinbar so ausgeklügelten Sicherheitssysteme des Finanzsektors sind. Nachdem am Donnerstag vor einer Woche die ersten Informationen durchgesickert waren, ließ Deutsche-Bank-Boss Josef Ackermann noch vom Weltwirtschaftsforum in Davos aus anfragen, ob Derartiges auch bei seinem Institut vorstellbar wäre.

Wie war der Milliarden-Schwindel möglich?
Diese Frage sorgt derzeit in den Vorstandsetagen und Sicherheitsteams jeder größeren Bank für hitzige Diskussionen. Wie ist es möglich, dass ein einzelner, unbedeutender Bankangestellter mit verdeckten Spekulationen ganze Aktienmärkte bewegt und bis in die Chefetagen der Notenbanken die wichtigsten Wirtschaftsbosse der Welt in Panik versetzt?

In der Abteilung Delta One der SocGen war der 31-jährige Kerviel eigentlich ein kleines Licht. Seine Aufgabe war es, Terminkontrakte auf den deutschen Leitindex DAX, den britischen FTSE und den europäischen EuroStoxx zu handeln. Die Bank bietet ihren Kunden Produkte an, die auf die Entwicklung dieser Indizes setzen, Kerviel musste mit gegenläufigen Geschäften solche Wetten absichern.

Nutzte Insider-Wissen
Der kleine Händler träumte jedoch vom ganz großen Ruhm. Um mit wirklich bedeutenden Geldbeträgen zu spekulieren, nutzte er sein Wissen aus der Risiko-Abteilung der Bank, in der er Jahre zuvor gearbeitet hatte, und knüpfte - so die Darstellung des SocGen-Vorstandes in einer eilig einberufenen Pressekonferenz - ein komplexes Geflecht aus Tarnkonten und fiktiven Gegengeschäften. Als der Schwindel am 18. Jänner bankintern aufflog, brauchte auch das Management einige Tage, bis es das gigantische Ausmaß der Scheingeschäfte erkannte: 50 Milliarden Euro - nahezu das Doppelte des SocGen-Eigenkapitals. Die riesigen Pakete wurden schließlich in der Vorwoche panisch verkauft, was Experten zufolge den Einbruch des DAX-Index in diesen Tagen noch massiv verstärkte.

Gestützt wird diese These durch die Handelsstatistik der Derivatebörse Eurex. Kerviel soll seit Jahresbeginn - neben anderen Positionen - mit mindestens 140.000 Futures auf den Anstieg des deutschen Leitindex gewettet haben. Mit jedem Punkt, den der DAX gestiegen wäre, hätte der Händler 25 Euro pro Future verdient. Das Problem: Der Kursverlauf des Dax zeigte seit Neujahr nach unten. Bis zum 17. Jänner verlor der Index 530 Punkte und der Zocker alleine aus diesen Geschäften über 1,8 Milliarden Euro. Vermutet wird, dass Kerviel in dieser Zeit noch hektisch Futures nachgekauft hat, um seine Miesen wieder wettzumachen.

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