Trotz hoher Insolvenzquote in Österreich: Immer weniger Firmen geraten in Finanznot

Zahl der Privatinsolvenzen 2010 leicht angestiegen Zahlungsmoral ist im EU-Schnitt besonders hoch

Trotz hoher Insolvenzquote in Österreich: Immer weniger Firmen geraten in Finanznot © Bild: dpa/Wolfraum

In Österreich schlitterten im vergangenen Jahr im Schnitt 163 von 10.000 Unternehmen in die Insolvenz. Damit belegt Österreich in Westeuropa den drittletzten Platz und liegt weit vor Griechenland. Während die Zahl der Unternehmensinsolvenzen rückläufig ist, steigt die Zahl der Privatinsolvenzen.

Im vergangenen Jahr war die Insolvenzquote hierzulande mehr als doppelt so hoch wie in Deutschland, wo durchschnittlich 89 von 10.000 Unternehmen insolvent wurden. 2010 mussten in Westeuropa durchschnittlich 68 von 10.000 Firmen Insolvenz anmelden, das geht aus der Insolvenzstatistik der Creditreform hervor.

Überraschend an der Statistik ist, dass das wirtschaftlich schwer gebeutelte Griechenland lediglich einen Wert von 7 Firmenpleiten je 10.000 Unternehmen aufweist. Auch das angeschlagene Spanien kommt nur auf 14 Firmeninsolvenzen je 10.000. Demgegenüber liegt an der Spitze der Insolvenzstatistik Luxemburg mit 321 Pleiten vor Dänemark mit 207 pro 10.000 Unternehmen. Die Insolvenzstatistiken seien nur "bedingt miteinander vergleichbar", so die Creditreform.

Im Vergleich zu 2009 hat es in Österreich einen Rückgang der Firmeninsolvenzen um 5,9 Prozent gegeben. Im westeuropäischen Schnitt betrug das Minus 1,4 Prozent. Am besten entwickelt hat sich Finnland mit minus 12,4 Prozent, den stärksten Zuwachs verzeichnete Luxemburg mit 31,5 Prozent. In Deutschland gab es ein Minus von 2,5 Prozent.

Mehr Privatinsolvenzen
Bei den Privatinsolvenzen kam Österreich 2010 im Vergleich zu 2009 auf ein Plus von 0,5 Prozent, Westeuropa auf einen Zuwachs von 5,2 Prozent. In Deutschland wurde ein Plus von 7,6 Prozent registriert, in Schweden gab es gar um 19,3 Prozent mehr Privatinsolvenzen.

Positiver ist es um die Zahlungsmoral der Österreicher bestellt. Nur Finnen und Deutsche zahlen vergleichbar schnell (unter 30 Tage). Der Schnitt in Westeuropa liegt bei gut 50 Tagen. Eine richtige Engelsgeduld haben die Griechen: Hier dauert es 140 Tage, bis der Auftragnehmer sein Geld sieht.

"Der Wirtschaftsaufschwung wirkt zunehmend positiv auf das europäische Insolvenzgeschehen, zu einem merklichen Rückgang der Insolvenzzahlen ist es 2010 aber nicht gekommen. In den EU-15 Staaten plus Norwegen und der Schweiz wurden im vergangenen Jahr 175.677 Firmenkonkurse registriert - das sind 1,4 Prozent weniger als 2009 (178.235 Fälle). In den Staaten Mittel- und Osteuropas erhöhte sich die Zahl der insolventen Unternehmen um 14,1 Prozent auf 35.581 Fälle (2009: 31.194)", rechnete die Creditreform in einer Aussendung vor.

(apa/red)