Trotz Heiserkeit und wenig Italienisch: John Malkovich begeisterte Wiener Publikum

Tosender Applaus für "The Giacomo Variations" Dapkunaite & Klußmann gerieten in den Hintergrund

Trotz Heiserkeit und wenig Italienisch: John Malkovich begeisterte Wiener Publikum © Bild: APA/Hochmuth

John Malkovich kann nichts falsch machen: Trotz Heiserkeit überzeugte der angeschlagene Hollywoodstar bei der Uraufführung von "The Giacomo Variations" im Wiener Ronacher und erntete frenetischen Applaus und Bravo-Rufe vom Premierenpublikum.

Die Begeisterung galt neben den Köpfen hinter dem gewagten Musiktheaterstück, Regisseur Michael Sturminger und Dirigent Martin Haselböck, auch Bariton Florian Boesch. Der überzeugte als Malkovichs starker musikalischer Konterpart mit komödiantischem Talent und stand seinem prominenten Kollegen in nichts nach.

Frauen-Hauptrollen im Hintergrund
Die aus Litauen stammende Schauspielerin Ingeborga Dapkunaite und die Sopranistin Sophie Klußmann gerieten indes bei einem derart starken, testosteronlastigen Duo ein wenig in den Hintergrund. Mit der Verkörperung zahlreicher Liebschaften - einmal verzehrend, einmal leidend - hatten sie es schwer, gegen die charismatischen Verführer mit elegantem Gang und tiefer Stimme anzukommen. Erzählt wurde die Geschichte eines alternden Giacomo Casanova vor dem musikalischen Hintergrund der drei Da-Ponte-Opern Mozarts, "Don Giovanni", "Le Nozze di Figaro" und "Cosi fan tutte".

"Homogene Gruppe"
Dass weder der Gesang noch die italienische Sprache zu den Stärken Malkovichs gehören, nahm man dem Hollywoodstar, der im Juli 2009 als Jack Unterweger in "The Infernal Comedy" bereits auf der Ronacher-Bühne stand, nicht übel. Weder er noch Schauspielkollegin Ingeborga Dapkunaite ließen es sich nehmen, stellenweise - zurückhaltend, aber doch - bei Musikstücken mitzusingen. Premierengast und Musicaldarstellerin Marika Lichter zeigte sich von der Sangeskunst Malkovichs überzeugt, immerhin habe er "jeden Ton getroffen" und sich "gut in das Ensemble eingefügt". "Er legt es gar nicht darauf an, die anderen an die Wand zu spielen, sie waren eine homogene Gruppe", so Lichter gegenüber der APA.

"Nicht Oper, nicht Theater sondern Persönlichkeit
Ein wenig irritierend gestaltete sich der laufende Rollenwechsel, bei dem Dapkunaite und Klußmann in zahlreiche Frauenrollen schlüpften, während Casanova durch die zahlreichen Musikstücke zu den Figuren der Da-Ponte-Opern wurde. Life-Ball-Organisator Gery Keszler hält es für denkbar, dass Mozart selbst eine Oper über Casanova hätte schreiben können. "Es geht doch in all diesen Opern nur darum, wer wen aufreißt und wie alle danach dafür büßen. Das passt auch gut zu Casanova." Für Harald Serafin, Intendant der Seefestspiele Mörbisch, hatte die interessante Mischung durchaus einen Reiz, der "bestimmt auch Junge für die Oper begeistern kann": "Es ist nicht Oper, nicht Theater, es ist Persönlichkeit."

Spektakulärer Einsatz
Im Anschluss feierten die Premierengäste und das Ensemble im Hotel Imperial. Dass beim Start der Aftershow-Party mehrere Polizeiwägen zum Gebäude nebenan ausrückten, blieb beinahe unbemerkt. Passanten hatten ein Taschenlampen-Licht im Haus an der Ecke zum Schwarzenbergplatz gemeldet, die Entwarnung folgte prompt: Lediglich ein Nachtwächter hatte seinen Rundgang durch das Gebäude gemacht. Ein leises Ende für einen spektakulären Einsatz - ähnlich wie bei Casanova, der in "The Giacomo Variations" alt und schwach einer unerwiderten Liebe erliegt und stirbt.

(apa/red)