Trotz "familiärer Atmosphäre": Bush und Putin im Raketenstreit weiter nicht einig

Russischer Präsident will jetzt NATO ins Boot holen "Teamarbeit": Staatschefs fingen gemeinsam Fische

Trotz "familiärer Atmosphäre": Bush und Putin im Raketenstreit weiter nicht einig

Im Bemühen um die Beilegung des Raketen-Streits mit den USA hat der russische Präsident Putin eine Einbindung der NATO vorgeschlagen. Durch die Beteiligung der Allianz könne der von den USA geplante Raketenschild auf eine breitere Basis gestellt und der bilaterale Streit zwischen den USA und Russland entschärft werden, sagte Putin zum Abschluss seines Treffens mit US-Präsident Bush in Kennebunkport. Ein Ende der Meinungsverschiedenheiten war indes nicht in Sicht. Bush begrüßte Putins neuen Vorschlag als "sehr konstruktiven und mutigen Zug", vermied aber eine ausdrückliche Zustimmung.

Nach den zweitägigen Beratungen in der Sommerresidenz der Familie Bush im US-Staat Maine warb Putin dafür, eine "Kooperationsplattform zwischen Russland und der NATO" für einen gemeinsamen Raketenschutz in Europa zu errichten. Ein solcher Schild würde die von Russland abgelehnte Stationierung von US-Abfangraketen und Radarsystemen in Polen und Tschechien überflüssig machen. "Es ist möglich, die Zahl der europäischen Partnerländer auszuweiten, die an einer Lösung dieser Frage interessiert sind", sagte Putin.

Bush bestand in einer Erwiderung darauf, "dass Polen und die Tschechische Republik integraler Bestandteil dieses Systems sein müssen". Im vergangenen Monat hatte Putin den USA die gemeinsame Nutzung einer Radarstation im Kaukasus-Staat Aserbaidschan vorgeschlagen, die nach Moskauer Lesart die geplanten US-Systeme für Polen und Tschechien ersetzen könnte. Die USA nahmen den Vorschlag mit Skepsis auf.

Bush und sein russischer Gast betonten die familiäre und vertrauliche Atmosphäre des Treffens, zu dem der US-Präsident angesichts der zunehmenden Spannungen zwischen beiden Ländern eingeladen hatte. Bush sagte nach dem Treffen: "Putin ist beständig, transparent, ehrlich, und man kann mit ihm über schwierige Fragen sprechen." Der russische Präsident bedankte sich für die "sehr warme, sehr familiäre Atmosphäre". Bei einem gemeinsamen Bootsausflug am Morgen sei ein Fisch gefangen worden - "in Teamarbeit", wie Putin betonte. "Wir haben ihn wieder freigelassen", fügte er hinzu. Die Einladung nach Kennebunkport galt als besondere Geste: Nie zuvor hatte Bush im Ferienhaus seiner Eltern einen Staatsgast empfangen.

Vertreter beider Seiten hatten zuvor die Erwartungen an das Treffen gedämpft. Es gehe nicht um einen Durchbruch in den Streitfragen, sondern um eine Verbesserung der angespannten Atmosphäre. Neben dem Raketenschild sprachen Bush und Putin auch über ihre unterschiedlichen Vorstellungen in der Iran- und Kosovo-Politik. Bei der Frage nach dem Vorgehen im Atomstreit mit dem Iran seien sich beide Seiten im Grundsatz einig, "dass wir eine starke Botschaft aussenden müssen", sagte Bush. Ob Putin weitere UNO-Sanktionen befürwortet, blieb offen. In der Kosovo-Politik wurde erwartungsgemäß keine Annäherung verkündet. Die USA befürworten die Unabhängigkeit der serbischen Provinz, Russland will dies verhindern.

(apa/red)