Trotz riesiger Energie: Organismen kehren in ihren Lebensraum nach Einschlag zurück

Forscherteam untersuchten Einschlagkrater in Virginia Berggroße Blöcke wurden kilometerweit verschoben

 Trotz riesiger Energie: Organismen kehren in ihren Lebensraum nach Einschlag zurück © Bild: APA

Das unvorstellbare Energien bei einem Meteoriteneinschlag frei werden, zeigen Untersuchungen von österreichischen und US-Wissenschaftern an einem erst Mitte der 1990er-Jahre entdeckten Impact-Krater im US-Bundesstaat Virginia. Vor etwa 35 Mio. Jahren hat ein etwa zwei Kilometer großer Meteorit den Chesapeake Bay Krater mit einem Durchmesser von rund 85 Kilometer geformt. Tiefbohrungen in dem Gebiet haben, dass beim Einschlag "berggroße Gesteinsstücke herum geflogen und gerutscht sind".

Ein internationales Forscherteam, darunter auch der österreichische Impact-Forscher Christian Köberl, hat Mitte mit Hilfe von Schwerkraft- und seismischen Messungen den mittlerweile unter Hunderten von Metern Ablagerungen verborgenen Krater am Rand der Chesapeake Bay in Virginia, rund 200 Kilometer südöstlich von Washington D.C. entdeckt.

Dabei handelt sich um den größten bekannten Einschlagkrater in den USA. In den letzten Jahren haben die Wissenschafter drei Bohrungen bis in eine Tiefe von 1,8 Kilometer vorangetrieben, die ersten Ergebnisse der Bohrkern-Analysen wurden nun im Wissenschafts-Journal "Science" veröffentlicht.

Flutwellen beim Einschlag
"Beim Einschlag wurde nicht alles pulverisiert und geschmolzen, sondern überraschend große, gigantische Blöcke ohne Deformation emporgeschleudert bzw. durch Tsunami-artige Flutwellen nach dem Impact über Kilometer hinweg herumgeschoben", erklärte Köberl.

Der berggroße Granitblock muss während des Einschlags innerhalb von Sekunden mindestens fünf Kilometer weit transportiert worden sein - ein Hinweis auf die enorme Energie und die chaotischen Zustände beim Einschlag.

Rahmenbedingungen untersucht
Erstmals wurden bei einem Einschlagkrater die hydrogeologischen und biologischen Rahmenbedingungen untersucht - mit entsprechend überraschenden Ergebnissen. So fanden die Wissenschafter in Gesteinsporen eingeschlossenes Salzwasser, das aus der Zeit des Impacts stammt, also 35 Mio. Jahre alt ist. Für die Wasserversorgung der in der Gegend lebenden rund zwei Millionen Menschen würden sich daraus wichtige Hinweise ergeben, wo besser nicht nach Grundwasser gebohrt werden sollte.

Die Bohrkerne haben auch gezeigt, wie rasch sich Organismen selbst nach einer derart gewaltigen Katastrophe ihren Lebensraum zurückerobern bzw. neuen finden. So siedelten sich bereits knapp nach dem Einschlag bestimmte Bakterienarten im Zentrum des Kraters an, obwohl es dort noch 300 Grad Celsius heiß war. Die noch über Jahrtausende warme Umgebung im Einschlagkrater war ein guter Nährboden für eine reiche Wiederansiedlung verschiedenster Organismen. (apa/red)