Trotz Druck der USA:: Weiter keine
Fortschritte bei Regierungsbildung im Irak

Anschlag auf schiitisches Heiligtum in Najaf: 4 Tote Drahtzieher der Sgrena-Entführung festgenommen

Bei der seit Monaten blockierten Regierungsbildung im Irak zeichnen sich ungeachtet des amerikanischen Drucks weiterhin keine Fortschritte ab. Ranghohe schiitische Politiker sprachen sich am Donnerstag in Bagdad gegen eine Parlamentssitzung in der kommenden Woche aus, auf der über die politische Zukunft des umstrittenen Ministerpräsidenten Ibrahim al-Jaafari entschieden werden sollte, dem Washington offenbar seine Unterstützung entzogen hat. In der schiitischen Pilgerstadt Najaf kamen bei einer Autobombenexplosion mindestens vier Menschen ums Leben, etwa dreißig weitere wurden verletzt. Irakische Soldaten haben nach US-Angaben den Drahtzieher im Entführungsfall der italienischen Journalisten Giuliana Sgrena festgenommen.

Die von Sunniten und Kurden gewünschte Parlamentssitzung wurde von schiitischen Politikern abgelehnt. Diese verlangten, dass zuerst über die Besetzung der Ämter des Staatspräsidenten und des Parlamentsvorsitzenden entschieden werden müsse. Sunniten und Kurden lehnen Jaafari als Premier ab, der auch in den Reihen des schiitisch-religiösen Mehrheitsbündnisses "Vereinigte Irakische Allianz" nicht unumstritten ist. US-Außenministerin Condoleezza Rice hatte bei einem Kurzbesuch in Bagdad erklärt, der künftige Premier sollte eine "starke Führungspersönlichkeit" und "einigende Kraft" sein.

In Najaf detonierte ein Sprengsatz rund 300 Meter von einem schiitischen Heiligtum entfernt. Der Schrein ist einer der wichtigsten für die Schiiten weltweit, dort befindet sich das Grab des Schwiegersohnes des Propheten Mohammed, Imam Ali. In Najaf residiert Großayatollah Ali al-Sistani, die höchste theologische Autorität der irakischen Schiiten. 2003 waren bei einem verheerenden Bombenanschlag im Zentrum der Pilgerstadt über 120 Menschen ums Leben gekommen, unter ihnen der damalige Chef der pro-iranischen Schiiten-Partei "Oberster Rat der Islamischen Revolution" (SCIRI), Ayatollah Mohammed Bakr al-Hakim. Dessen Bruder Abdulaziz al-Hakim leitet jetzt die zur "Vereinigten Irakischen Allianz" gehörende Partei.

Bei einem Anschlag auf eine Polizeistreife wurde im Westen Bagdads ein irakischer Polizist getötet. Wie ein Polizeisprecher mitteilte, wurden fünf weitere Beamte verletzt, als der am Straßenrand versteckte Sprengsatz gezündet wurde. Ein weiterer detonierte, als eine zweite Polizeistreife am Tatort eintraf. Dabei wurden zwei Polizisten verletzt. Nördlich der Hauptstadt war eine Patrouille der irakischen Streitkräfte in Bakuba Ziel eines Anschlags, bei dem ein Soldat ums Leben kam. In der nordirakischen Stadt Kirkuk wurde ein Polizist in der Nähe seiner Wohnung am Mittwochabend erschossen.

Der Drahtzieher der Sgrena-Entführung im Februar 2005, Mohammed Hila Hammad Ubaidi, auch bekannt als Abu Ayman, sei Anfang März im Südirak gefasst worden, erklärten die amerikanischen Streitkräfte. DNA-Tests hätten die Identität des Verdächtigen bestätigt. Ubaidi soll die Gruppe "Geheimes Islamisches Heer" in der Provinz Babil südlich von Bagdad angeführt haben. Ihm werden enge Kontakte zum jordanischen Top-Terroristen Abu Musab al-Zarqawi nachgesagt. Vier Wochen nach ihrer Verschleppung kam Sgrena am 5. März unter dramatischen Umständen frei. Auf dem Weg zum Bagdader Flughafen eröffneten amerikanische Soldaten das Feuer auf den Wagen, in dem Sgrena saß. Der italienische Geheimdienstagent Nicola Calipari wurde getötet, die Journalistin erlitt Verletzungen.

(apa)