Trotz gesundheitsbedingten Absagen: Bizets
'Carmen' feiert Premiere in der Staatsoper

Dirigent und "Carmen" mussten ausgetauscht werden Opern-Star Anna Netrebko als Micaela auf der Bühne

Zwei Absagen musste die "musikalische Neueinstudierung" der Oper Carmen an der Wiener Staatsoper bereits verkraften. Doch sowohl Dirigent als auch "Carmen" selbst wurden schnell ersetzt. Nun feiert die populäre Oper in Wien Premiere. Mit dabei ist auch Opern-Superstar Anna Netrebko.

George Bizets "Carmen" an der Wiener Staatsoper stand bis jetzt unter keinem guten Stern. Zunächst musst der lettische Dirigent Mariss Jansons sein Debüt in Wien absagen. Aufgrund seines Gesundheitszustandes, rieten die Ärzte zu einer Operation und zu einer Arbeitspause von mindestens zwei bis drei Monaten. Nur wenige Tages später kam die zweite Schreckensnachricht für (Noch-)Operndirektor Holender: Hauptdarstellerin Elina Garanca, die eigentlich die Rolle der Carmen spielen sollte, musste ebenfalls aus gesundheitlichen Gründen absagen.

Doch schnell wurde Ersatz gefunden. Statt Dirigent Jansons übernahm der junge Lette Andris Nelsons, 31-jähriger Schüler von Jansons, die Rolle des Dirigenten. Der ausgebildete Trompeter gilt als einer der wichtigsten Dirigenten der jungen Generation. Bereits im Juni 2008 hatte er sich er an der Wiener Staatsoper als Einspringer bewährt: Damals übernahm er von Seiji Ozawa "Pique Dame" und dirigierte später "Tosca" und "Madame Butterfly".

Für die ausgefallene Elina Garanca springt Nadia Krasteva ein. Die bulgarische Mezzosopranistin singt nun die Rolle der "Carmen". Für Direktor Holender ist sie sogar die "richtigere Stimme". "Wir haben zwei Carmen auf hohem Niveau. Aber weil sie schon die größten Verdi-Partien singt und eine dunkle, tiefe Stimme hat, ist sie eine prädestinierte Carmen, die sie auch weltweit singt. Frau Krasteva ist kein Ersatz, sondern eine Luxusbesetzung", so der scheidende Staatsoperndirektor zur APA. Krasteva spielte bereits 49 Vorstellungen in zwölf verschiedenen Produktionen. Ihr Rollendebüt feierte sie 2002 in einem Römersteinbruch in Stara Zagora, einer Stadt "mit großer Operntradition". Weitere Male sang Krasteva die Titelrolle unter anderem in Moskau, Amsterdam, Berlin, Sofia sowie St. Margarethen. Carmen ist für sie eine starke, sogar "gefährliche Frau", die frei geboren sei und frei sterben werde. "Sie ist für mich eher ein schwarzer Panther als ein schnurrendes Kätzchen."

Die beiden Ersatz-Mitwirkenden spielen gemeinsam mit den nicht ausgefallenen Stars Massimo Giordano als Don Jose und Anna Netrebko, in der Rolle der Micaela, ab 3. Mai in der Wiener Staatsoper. Die Premiere wird auch auf dem Herbert von Karajan-Platz auf Video-Leinwänden zu sehen sein. Die zweite Aufführung der Produktion am 6. Mai wird auch vom ORF ab 21.05 übertragen und am 15. Mai überträgt Ö1 live aus der Oper.