Triumphe und Skandale bei Olympia 2006: Athleten räumen ab, Mayer sorgt für Wirbel

Turin: Raich, Gottwald, "Dorfi" & Co als Goldhamster BILDER: Mayer löst Doping-Razzia aus - Amok-Fahrt!

Triumphe und Skandale bei Olympia 2006: Athleten räumen ab, Mayer sorgt für Wirbel

Die XX. Olympischen Winterspiele in Turin waren für Österreichs Sportler und auch die Fans zu Hause eine Hochschaubahn der Gefühle. Begonnen hat alles mit Kombinations-Silber durch Felix Gottwald am ersten Wettkampftag. Und der 30-jährige Salzburger hat eine wahre Medaillen-Lawine für das ÖOC losgetreten. In der Folge mausern sich die Österreicher zu "Goldgräbern" und übertreffen fast alle Rekorde. Selbst als das gesamte Team wegen der Doping-Razzien von internationalen Medien in ein schlechtes Licht gestellt wird, beweisen die Sportler Moral.

Weit verstreute Wettkampfstätten, eine Host City, in der nur die Eis-Bewerbe und einige Siegerehrungen stattfinden und ein organisatorisches Chaos in Sachen Verkehr, Baustellen und des Englisch nicht mächtigen Freiwilligen. Das war schon vor Beginn der "Fiat-Winterspiele" im Piemont teilweise befürchtet worden, doch trotz aller Unbill hat sich Österreichs Olympia-Team stärker denn je präsentiert.

Nach der ersten Woche und etwas mehr als der Hälfte der Bewerbe verzeichnete Österreich schon eine ausgezeichnete Zwischenbilanz: Mit 4 x Gold, 5 x Silber und 1 x Bronze liegt das ÖOC-Team an 4. Stelle. Michaela Dorfmeister (Abfahrt), die Brüder Andreas und Wolfgang Linger (Doppelsitzer), die Nordischen Kombinierer Felix Gottwald, Mario Stecher, Christoph Bieler und Michael Gruber und Thomas Morgenstern (Großschanze) sorgten dafür, dass bis dahin vier Mal die österreichische Hymne gespielt werden musste.

Doping-Affäre und Amok-Fahrt
Doch Doping-Razzien in den Privatquartieren der ÖSV-Biathleten und Langläufer Sonntag sorgten für Riesen-Unruhe im ÖOC-Team, Hintergrund war das unerwünschte Erscheinen des für Olympia gesperrten Walter Mayer. Ab diesem Zeitpunkt hingen die Worte "Doping" und "Razzia" wie ein Damokles-Schwert über dem gesamten Team.

Mayer, der in Kärnten einen Unfall im offenbar alkoholisierten Zustand verursacht, wird vom ÖSV gekündigt, die ohne Rücksprache heimgereisten Biathleten Wolfgang Rottmann und Wolfgang Perner sowie Langlauf-Cheftrainer Emil Hoch werden vom ÖOC-Team ausgeschlossen.

Wie zum Trotz schlägt Österreichs Mannschaft, die sich im Zuge der Spiele zur Sport-Großmacht entwickelt, im Wettkampf erbarmungslos zurück. Dreimal Gold am Tag nach dem Skandal ist Labsal auf die Wunden der österreichischen Seele. Dorfmeister mit ihrem 2. Gold, Benjamin Raich und die ÖSV-Adler mit Morgenstern, Andreas Kofler, Andreas Widhölzl und Martin Koch sorgen dafür, dass die rot-weiß-rote Fahne neuerlich ganz oben hängt.

Hickhack um negative Testergebnisse
Auch der Rest dieser Spiele blieb ein Auf und Ab zwischen Doping-Spekulationen, hinter der Hand im IOC angedrohten Sperren gegen Österreich und unglaublichen Erfolgen des ÖOC-Teams. Als vor Ende der Spiele die IOC-Information kommt, dass alle 10 Dopingproben aus dem Biathleten- und Langlauf-Lager der Österreicher negativ sind, geht ein großes Aufatmen durch die Reihen der Österreicher.

Und sofort wird, als wäre es ohnehin klar gewesen, in die Gegenoffensive gegangen. Der für die beiden Bereiche zuständige Markus Gandler, der sich noch vor einigen Tagen beim IOC entschuldigt hatte, fordert Rehabilitierung und wünscht sich eine Neuaustragung.

Doch die Ermittlungen des IOC und einer eigens vom ÖOC eingesetzten Untersuchungs-Kommission gehen auch nach den Spielen weiter. IOC-Präsident Jacques Rogge hatte in Mayer "den Mann, der Doping organisiert" vermutet.

Unfassbare Bilanz des österreichischen Teams
Der historische Slalom-Triple-Sieg vorletzten Tag setzte dem sensationellen Abschneides des ÖOC-Teams die Krone auf, anschließend kam noch die Bronzemedaille von Michail Botwinow im 50-km-Langlauf dazu. Österreichs eigentlich unfassbare Bilanz: 9 x Gold, 7 x Silber, 7 x Bronze - 23 Medaillen.

Am Ende der Spiele, die glücklicherweise nur von wenigen Verschiebungen und Wetterkapriolen, aber auch wenigen Zuschauern geprägt waren, stand übrigens nur ein einziger Dopingfall. Und der kam nicht aus Österreich, aber doch aus dem Biathlon: Die "silberne" Russin Olga Pylewa musste ihr Edelmetall zurückgeben.

Deutschland erfolgreichste Wintersportnation
Die deutschen Olympioniken jubelten über den Platz an der Sonne: Mit 29 Medaillen (11/12/6) waren sie die strahlenden "Schneekönige" der Spiele, obwohl das sieben weniger waren als vor vier Jahren in Salt Lake City. Zweitbeste Nation wurden die USA (9/9/7) vor Österreich (9/7/7).

Zum "König" von Turin avancierte Südkoreas neuer Shorttrack-Superstar Ahn Hyun-Soo mit drei Gold- sowie einer Bronzemedaille. Aktive aus 26 Nationen, so viel wie noch nie, holten sich diesmal Medaillen ab.

(apa/red)