Trinidad & Tobagos Latapy im Interview:
"Wollen bei WM neue Freunde gewinnen"

Über WM-Chancen: "Können Überraschung schaffen" Über Zukunft: "Fußball ist meine große Leidenschaft"

Russell Latapy ist mit fast 38 Jahren (geb. 2. August 1968) der Senior im Team von Fußball-WM-Neuling Trinidad und Tobago. Der Spielertrainer des schottischen Zweitligisten Falkirk FC gehörte bereits am 19. November 1989 zur Nationalmannschaft der "Zwillingsinseln", die damals durch eine 0:1-Heimniederlage gegen die USA die erste WM-Teilnahme hauchdünn verpasst hatte. 17 Jahre später geht der große WM-Traum von Latapy in Deutschland nun doch noch in Erfüllung, im Interview offenbart er seine Sicht der Dinge.

APA: Auf Trinidad und Tobago warten in Deutschland harte Gruppengegner. Wen schätzen Sie am stärksten ein?
Latapy: "Ich glaube, es wird gegen alle drei Teams sehr schwer für uns. Viel wird von der Tagesform abhängen. Wenn wir einen guten Tag erwischen und auch das nötige Glück haben, dann können wir vielleicht die eine oder andere Überraschung schaffen."

APA: Wie lautet denn die Zielsetzung von Trinidad und Tabago - ein Punkt, ein Sieg oder gar der Aufstieg ins Achtelfinale?
Latapy: "Das Wichtigste ist für uns, dass wir viele neue Freunde durch unseren WM-Auftritt gewinnen - weltweit und auch in der Heimat. Denn so bekommen unsere Kinder neue sportliche Vorbilder, denen sie nacheifern können, und das ist wiederum gut für die Fußball-Entwicklung in meiner Heimat. Denn nur so können wir es schaffen, so wie Mexiko und die USA regelmäßig an Weltmeisterschaften teilzunehmen. Unsere WM-Mission lautet also, möglichst viel positive Werbung für Trinidad und Tobago zu machen."

APA: Sie hatten sich bereits nach der gescheiterten Qualifikation für die WM 2002 vom Nationalteam verabschiedet. Was oder wer hat den Ausschlag zum Rücktritt vom Rücktritt gegeben? Latapy: "Ich hatte seit meinem 17. Lebensjahr für die Nationalmannschaft gespielt und dann nach 16 Jahren als 33-Jähriger meinen Rücktritt vom Team bekannt gegeben. Doch unser neuer Trainer Leo Beenhakker hat mich dann wieder zum Nationalteam eingeladen, wobei ich anfangs nicht gleich zur Verfügung stand, weil ich bei Falkirk FC als Spielertrainer ziemlich viel zu tun habe. Doch schließlich bin ich dem Ruf meines besten Freundes, Dwight Yorke, gefolgt und habe mein Team-Comeback gegeben."

APA: Welche Erinnerungen verbinden Sie mit dem 16. November 2005, jenem Tag, an dem Ihr Team die erste WM-Qualifikation fixiert hat?
Latapy: "Das war ein ganz wichtiger Tag für uns. Denn da haben wir bewiesen, dass es bei uns nicht nur talentierte Fußballer wie Dwight gibt, sondern wir auch als Team bestehen können. Wir haben damit der Welt gezeigt, dass wir, obwohl wir mit 1,3 Mio. Einwohnern ein sehr kleines Land sind, es wirklich verdient haben, zur WM zu fahren."

APA: Wie groß war der Anteil Ihres niederländischen Trainers Beenhakker an diesem Erfolg?
Latapy: "Leo hat uns vor allem in punkto Disziplin geschult. Er hat es geschafft, dass wir auf dem Platz genauso diszipliniert auftreten wie abseits des Spielfeldes. Das war sein größtes Verdienst."

APA: Wie schaut es mit Ihrer persönlichen Karriere aus? Sie werden im August 38, sind damit der älteste Spieler in der Gruppe B, vielleicht sogar der älteste, der in Deutschland zum Einsatz kommt.
Latapy: "Nach der WM werde ich sicher nicht mehr fürs Nationalteam spielen. Doch wenn es mein Körper erlaubt, werde ich noch eine Saison Klub-Fußball spielen, ehe ich mich ganz aufs Coachen verlegen werde. Denn Fußball ist mein Leben, meine Leidenschaft, deswegen werde ich diesem Spiel immer verbunden bleiben."
(APA/red)