Treffen im Bundeskanzleramt: Religions-
Führer für ein harmonisches Verhältnis

Gusenbauer für Respekt, Toleranz & kritischen Dialog

Treffen im Bundeskanzleramt: Religions-
Führer für ein harmonisches Verhältnis

Spitzenvertreter der österreichischen Glaubens- und Religionsgemeinschaften haben sich bei einem Treffen im Bundeskanzleramt für ein friedliches und harmonisches Miteinander ausgesprochen. Angesichts der jüngsten Festnahmen von radikalen Islamisten und einer aufgeheizten Diskussion über die Rolle des Islam, sprach sich Gastgeber Bundeskanzler Alfred Gusenbauer für Respekt, Toleranz und einen kritischen Dialog aus.

Die "Wurzeln von Hass und Intoleranz" liegen nach Ansicht des Kanzlers nicht nur in "Missdeutungen von verschiedenen Glaubenslehren", dafür gebe es "eindeutig auch soziale Ursachen, die einer Integration und einem friedlichen Miteinander im Wege stehen". Trotz aller Toleranz und Respekt dürfe man aber vor bestehenden Problemen die Augen nicht verschließen.

"Die beste Bekämpfung von Aggression und Gewalt zwischen Angehörigen verschiedener Religionen und Kulturen ist ein besseres Verstehen, getragen von Respekt vor und Toleranz gegenüber dem anderen", sagte Gusenbauer.

Der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft, Anas Schakfeh, nutzte die Gelegenheit, um neuerlich klarzustellen, dass sich seine Glaubensgemeinschaft selbstverständlich gegen Terrorismus, Gewalt und Bedrohung der Gesellschaft ausspreche - "egal ob von Seiten verirrter Muslime oder Nicht-Muslime". Die islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich stehe loyal zur demokratischen Rechtsordnung der Republik. Die Entwicklungen der letzten Tage hätten Schatten geworfen auf das Zusammenleben der Menschen. Seine Glaubensgemeinschaft werde alles dazu beitragen, um wieder zur Normalität zurückzukehren, betonte Schakfeh.

Der Wiener Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn betonte, "wir müssen lernen, in diesem einen Raum, in dieser einen Welt gemeinsam zu leben". Das sei eine Herausforderung vor allem für die beiden größten Weltreligionen, für Christen und Muslime. "Wir sind darauf angewiesen, miteinander zu leben", betonte der Kardinal. Die Herausforderung der Zukunft sei daher, diesen "Dialog des Lebens" zu führen. Österreich bezeichnete er als ein "Experimentierfeld", auf dem ausprobiert werden könne, was weltweit notwendig sei, nämlich miteinander zu leben.

Eigentlicher Anlass der Einladung in das Kanzleramt war ein sogenanntes "Iftar-Essen", ein gemeinsame Mahl der Muslime zum abendlichen Fastenbrechen während des Fastenmonats Ramadan. Ehrengäste Gusenbauers waren neben Schönborn und Schakfeh u.a. der evangelische Bischof Herwig Sturm, der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde, Ariel Muzicant, als Vertreter der Orthodoxie der armenisch-apostolische Erzbischof Mesrob Krikorian, der syrisch-orthodoxe Bischofsvikar Emanuel Aydin und der koptisch-orthodoxe Bischof Anba Gabriel, weiters der Präsident der Österreichischen Buddhistische Religionsgesellschaft, Gerhard Weißgrab, Walter Hessler von der Neuapostolischen Kirche und der Präsident des Österreichischen Kirchenvorstandes der Mormonen, Viktor Wadosch.

(apa/red)