Trayvon Martin von

Todesschütze angeklagt

"Hobby-Polizist" wird wegen Mordes mit bedingtem Vorsatz angeklagt

Trayvon Martin - Todesschütze angeklagt © Bild: Reuters/Bedford

Sechs Wochen nach der Tötung des unbewaffneten afroamerikanischen Jugendlichen Trayvon Martin im US-Staat Florida ist der Todesschütze wegen Mordes angeklagt worden. Der 28-jährige George Zimmerman werde des Mordes mit bedingtem Vorsatz beschuldigt, erklärte Sonderermittlerin Angela Corey. Zimmerman wurde nun in Haft genommen, nachdem er sich gestellt hatte. Die Familie des Opfers reagierte erleichtert.

Zimmerman hat Ende Februar in Sanford den 17-jährigen Trayvon Martin erschossen. Das Mitglied einer Bürgerwehr, das freiwillig auf Sicherheitspatrouille gewesen sein soll, gab an, in Notwehr gehandelt zu haben. Nach Medienberichten gab er nur einen Schuss auf den Teenager ab.

Martin, der sich nach einem Einkauf in einem bewachten Wohngebiet auf dem Heimweg befand, war unbewaffnet. Die Polizei ließ Zimmerman seinerzeit nach einer vorübergehenden Festnahme frei und berief sich dabei auf ein Gesetz, das den Bürgern in Florida das Recht zu schießen gibt, wenn sie sich ernsthaft bedroht fühlen.

Debatte über Rassismus im US-Justizsystem
Der Anwalt von Martins Familie warf Zimmerman dagegen vor, den Jugendlichen kaltblütig ermordet zu haben. Die Eltern des getöteten Burschen brachten den Fall mit einer Online-Kampagne an die Öffentlichkeit. Sie werfen den Behörden vor, nicht angemessen ermittelt zu haben, weil ihr Sohn schwarz und der Schütze weiß gewesen seien.

Der Fall führte zu einer heftigen Debatte über laxe Waffengesetze und Rassismus im US-Justizsystem, in die sich auch Präsident Barack Obama einschaltete. "Wenn ich einen Sohn hätte, würde er wie Trayvon aussehen", sagte Obama und rief die Nation zur "Gewissensprüfung" auf. US-Medien sprachen von einem Verbrechen "Weiß gegen Schwarz", wobei Zimmerman hispanische Wurzeln hat.

Demonstrationen für mehr Gerechtigkeit
Zehntausende Menschen hatten in den vergangenen Wochen bei Demonstrationen die Festnahme Zimmermans gefordert. Mehr als 2,5 Millionen Menschen unterschrieben eine Petition mit der Forderung nach Gerechtigkeit in dem Fall. "Wir wollten ganz einfach eine Festnahme - nicht mehr und nicht weniger - und wir haben sie bekommen, und ich sage Danke", sagte Martins Mutter Sybrina Fulton nach der Bekanntgabe der Anklage. "Ein Herz hat keine Farbe. Es ist nicht schwarz, es ist nicht weiß, es ist rot", betonte Fulton, bevor sie in Tränen ausbrach.

Schütze holt sich neuen Anwalt
Zimmermans neuer Anwalt Mark O'Mara kündigte an, sein Mandant werde bei einer mündlichen Verhandlung nächste Woche auf nicht schuldig plädieren. Zimmerman hatte seine bisherigen Anwälte ausgetauscht und wird nun von dem bekannten Strafrechtler vertreten. Der 28-Jährige befürchte, keinen fairen Prozess zu bekommen. Sonderstaatsanwältin Corey betonte dagegen, die Staatsanwaltschaft handle nicht aufgrund von öffentlichem Druck. Wie in jedem anderen Fall werde auf Grundlage von Fakten und der Gesetze Anklage erhoben.

Die Sonderermittlerin Corey betonte eindringlich, die Entscheidung zur Anklageerhebung mit dem Vorwurf des sogenannten "Second Degree Murder" sei ihr nicht leicht gefallen. Es handle sich um einen "schwierigen Fall". Doch dem Opfer müsse Gerechtigkeit widerfahren. Zu einem möglichen Strafmaß wollte sich die Sonderermittlerin nicht äußern. Im Falle einer Verurteilung droht ihm mit dieser Anklage laut Medienberichten lebenslange Haft. Auch wann ein möglicher Prozess beginnen könnte, blieb offen.

Fall spaltet die USA
Der Tod Martins beschäftigt auch die US-Bundespolizei FBI sowie das Justizministerium in Washington, das vor drei Wochen die Prüfung eines möglichen rassistischen Motivs Zimmermans eingeleitet hatte. Nach Angaben von Justizminister Eric Holder reisten ranghohe Mitarbeiter seiner Behörde im Rahmen der Untersuchung nach Sanford und trafen dort auch mit Martins Familie zusammen. Der Fall spaltet die USA: Laut einer Umfrage der "Washington Post" glauben 80 Prozent der Schwarzen, aber nur 38 Prozent der Weißen, dass die Tötung des Burschen ungerechtfertigt war.