Traurigkeit statt Mutterglück: Postpartale Depression muss ernst genommen werden!

Sozial belastete Frauen leiden häufiger an Depression! 21 Prozent der Mütter sind in Österreich betroffen!

Traurigkeit statt Mutterglück: Postpartale Depression muss ernst genommen werden!

Traurigkeit statt Mutterglück: Etwa jede fünfte Frau leidet in den Monaten nach der Geburt eines Kindes an einer so genannten "Postpartalen Depression". Ein Wiener Präventions- und Betreuungsprojekt zeigte jetzt, 85 Prozent der Betroffenen durch Gespräche und rechtzeitige Unterstützung geholfen werden kann, erklärten Experten bei einem Pressegespräch in Wien.

"In Österreich hat eine Studie im Jahr 1997 gezeigt, dass 21 Prozent der Frauen nach der Geburt Depressionen aufweisen. Das ist eine traurige Zahl, auf die man reagieren muss. Es ist oft ein unbeachtetes Leiden, das chronisch werden und die Beziehung zum Kind langfristig belasten kann", erklärte die Wiener Frauengesundheitsbeauftragte, Univ.-Prof. Dr. Beate Wimmer-Puchinger.

International 14 bis 18 Prozent betroffen
Internationale Zahlen gehen von einer Häufigkeit von 14 bis 18 Prozent der "Postpartalen Depressionen" aus. Im Gegensatz zu den "Heultagen" (Baby Blues) unmittelbar nach der Entbindung stellen sich die Depressionen zumeist erst Wochen und Monate später ein. Zu diesem Zeitpunkt sind die Frauen mit ihren Kindern schon längst zu Hause, erleben dort aber noch viel intensiver Gefühle der Antriebslosigkeit, Isolation, Traurigkeit etc.

Projekt an geburtshilflichen Stationen
Das Wiener Frauengesundheitsprogramm hat deshalb seit 1999 in einem vom Fonds Gesundes Österreich unterstützten Projekt ein Versorgungskonzept samt wissenschaftlicher Begleitung entwickelt: An den geburtshilflichen Stationen im Kaiser-Franz-Josef-Spital, der Semmelweis-Abteilung und am Donauspital wurden Teams ausgebildet. Insgesamt rund 3.000 Frauen wurden zwei Mal während der Schwangerschaft und zwei Mal danach per Fragebogen etc. auf Verdachtsmomente untersucht. Bei einer entdeckten Belastung erfolgte ein Gesprächsangebot durch eine Hebamme. Je nachdem, ob soziale oder psychische Probleme als Hauptgründe identifiziert wurden, gab es entsprechende Hilfestellungen (Sozialarbeiter, psychotherapeutische Gespräche, in schweren Fällen Angebot psychiatrischer Betreuung).

Sozial belastete Frauen besonders gefährdet
Die Wiener Frauengesundheitsbeauftragte: "Diese Depressionen kommen nicht von Ungefähr. Besonders gefährdet sind Frauen, die sozial belastet, mit ihrem Lebensumfeld unzufrieden sind oder eine ungeplante Schwangerschaft hinter sich haben." 20 Prozent der Betroffenen waren in ihrem Leben (sexueller) Gewalt ausgesetzt gewesen. Zehn Prozent hatten schon einmal an einer psychiatrischen Krankheit gelitten.

85 Prozent der Frauen konnte geholfen werden
Die Erfahrungen waren ausgesprochen gut. Insgesamt wurden 233 Frauen mit Vor- bzw. Anzeichen postpartaler Depressionen intensiv betreut. 85 Prozent erklärten, dass ihnen diese Unterstützung und Beratung sehr geholfen hätte. Das Wiener Frauengesundheitsprogramm will deshalb das Projekt zu einem Service in allen geburtshilflichen Abteilungen der Bundeshauptstadt entwickeln.

3. Mai: Tagung zum Thema 'Postpartale Depression'
Am kommenden Montag (3. Mai) findet im Wiener Rathaus eine Tagung zum Thema der "Postpartalen Depression" statt. International gibt es zu den Wiener Aktivitäten vergleichbare Aktionen. So zum Beispiel das Projekt "beyondblue", bei dem in Australien fast 100.000 junge Mütter über das Leiden informiert werden.

(apa/red)