Trauer auf US-Universität: Virginia Tech
nahm Abschied von Opfern des Amoklaufs

Cho erhielt Waffen trotz psychiatrischer Erkrankung Zunehmend feindliche Stimmung gegenüber Medien

In den USA haben am Wochenende Angehörige und Mitstudenten Abschied von den Opfern des Amoklaufs an der Virginia Tech genommen. Zu den Begräbnissen in Blacksburg und anderen Orten im Land kamen hunderte Menschen, Studenten in den Schulfarben Orange und Braun saßen zwischen den schwarz gekleideten Angehörigen.

Auf dem Campus selbst standen weinende Studenten in Gruppen; sie hinterlegten Stofftiere und Abschiedskarten, Fotos der Toten und Blumen an Gedenksteinen für die Opfer. Neben US-Fahnen steckten auch Flaggen aus Kanada, Peru und Israel im Boden zur Erinnerung an die aus dem Ausland stammenden Toten.

Bei dem schlimmsten Massaker der jüngeren amerikanischen Geschichte hatte der geistig verwirrte Seung-Hui Cho 27 Mitstudenten, fünf Dozenten und schließlich sich selbst getötet.

Gedenkstein auch für Täter
Auch für den Südkoreaner gab es einen Gedenkstein. "Du sollst nur wissen, dass ich nicht böse auf Dich bin", hieß es auf einer Karte, die dort zwischen Blumen stand. "Es tut mir so Leid, dass Du nicht Hilfe oder Trost finden konntest." Es seien 33 Menschen gestorben, sagte dazu der 29-jährige Chris Chabalko. "Er war ein Student. Es gibt nichts, was jemand noch tun könnte. Wir müssen uns an alle gleich erinnern." Chos Familie hatte in einer emotionalen Botschaft die Opfer um Verzeihung gebeten. "Er hat die Welt zum Weinen gebracht. Wir leben in einem Albtraum", hieß es darin.

Schusswaffen trotz Erkrankung
Unterdessen wurde weiter ermittelt, wie Cho trotz seiner psychiatrischen Erkrankung an zwei Schusswaffen kommen konnte. Den Bundesvorschriften zufolge hätte er nach seiner ambulanten Behandlung eigentlich keine Waffe kaufen dürfen, sagte der Justizprofessor Richard Bonnie. Im Landesrecht des Bundesstaates Virginia sei das Verbot jedoch nur für Menschen umgesetzt, die stationär behandelt worden seien. Damit wäre Chos Name auch nicht bei der Überprüfung der FBI-Datenbank durch einen Waffenhändler aufgetaucht. "Das ist kein neues Problem", sagte Bonnie. "Das schwelt seit einiger Zeit."

Journalisten angefeindet
Die Stimmung an der Universität wurde am Wochenende auch zunehmend feindlich gegenüber der großen Zahl von Journalisten, die über den Massenmord und die Trauerfeiern berichteten. Allein um ein einziges Gebäude des sonst eher ruhigen Geländes standen 50 Übertragungswagen. Eine Studentin bekam 50 Dollar für ein Foto ihres Schlafzimmers im Wohnheim angeboten. Als ihr Name in einem Bericht auftauchte, stand ihr Telefon Tag und Nacht nicht mehr still. Am Ende musste sie das Kabel herausziehen. Auf einem großen, handgeschriebenen Schild in der Mitte des Campus stand: "Medien, bleibt weg."

(apa/red)