"Traue mir zu, auch Rennen zu gewinnen": Meissnitzer hat in den Speedrennen viel vor

33-Jährige sicher: "Zähle nicht zu den alten Eisen" In Altenmarkt-Zauchensee soll Funke überspringen

"Traue mir zu, auch Rennen zu gewinnen": Meissnitzer hat in den Speedrennen viel vor

Mit 33 Jahren ist sie die Älteste im jungen österreichischen Damenskiteam, aber Alexandra Meissnitzer macht sich darüber weniger Gedanken als manch anderer. Ein bisschen rümpft sie mittlerweile bei bestimmten Fragen sogar die Nase, die Gesamtweltcupsiegerin von 1998/1999 hat aber eine - vorerst verbal passende - Antwort parat: "Ich zähle nicht zu den alten Eisen. Im Super G, da bin ich immer noch ein heißes Eisen. So viel Selbstvertrauen habe ich." Bei den Weltcupbewerben in Altenmarkt-Zauchensee soll der Funke überspringen.

Mit den Technikerinnen Marlies Schild (25 Jahre), Nicole Hosp (23), Kathrin Zettel (20) und Michaela Kirchgasser (21) sind nach aktuellem Stand drei der fünf Einzelbewerbe bei der Alpin-WM im Februar in Aare theoretisch bereits komplett aufgestellt, also Slalom, Riesentorlauf und Super-Kombination. Wer als Österreicherin ebenfalls zu den Welttitelkämpfen nach Schweden reisen will, kann das mit einem Stockerlplatz in den Speedbewerben realisieren. Dieser Podestrang fehlt Meissnitzer in diesem Winter noch.

Im Super G ist die Salzburgerin nach zwei Bewerben (Ausfall, Vierte) hinter der zweifachen Saisonsiegerin Renate Götschl (200 Punkte), Hosp (116) und Kathrin Wilhelm (82) mit 50 Punkten die viertbeste ÖSV-Dame, doch dahinter lauern bereits Zettel (45) und Schild (40). Im Abfahrts-Weltcup haben nach vier Rennen Götschl (225), Andrea Fischbacher (148) und Meissnitzer (124/Ränge 19,8,6,6) aus dem rot-weiß-roten Lager die meisten Punkte auf dem Konto.

Jänner ist Monat der Speed-Bewerbe
Der Jänner ist mit je drei Abfahrten und drei Super G die Zeit der Speed-Bewerbe und deshalb der wichtigste Monat der karenzierten Polizei-Beamtin aus Abtenau: "Schön, dass jetzt wieder ein Renn-Rhythmus reinkommt. Es würde sich rentieren, wenn man jetzt in Form ist. Ich fühle mich gut in Form, leider habe ich das bisher noch nicht gezeigt. Ich bin besser drauf, ich darf halt nicht ungeduldig werden. Der Unterschied zur Renate (Götschl/Anm.) ist, dass sie mehr Selbstvertrauen aus dem Dezember mitbringt, weil sie schon Siege hat. Was ich tun kann, ist zum Angriff übergehen, und ich bin zuversichtlich, dass es gelingt."

Sie brauche in den schnellen Disziplinen niemanden zu fürchten, zu alt im Team der Jungen Wilden fühlt sie sich nicht, und wenn sie bei den Rennen in Frankreich als "Grande Dame" bezeichnet wird, dann freut sie das sogar: "Ich hätte die Saison nicht angehängt, wenn ich mir nicht zutrauen würde, mitzuhalten. Und mit mitzuhalten meine ich, Rennen zu gewinnen." An Aare will die Super-G-Bronzemedaillengewinnerin von Olympia 2006 in Turin noch nicht denken: "Es ist das ganz große Ziel, aber noch weit weg. Und wenn ich gute Rennen habe, dann ergibt sich Aare von selbst."

Im Riesentorlauf ist Meissnitzer - 1999 gewann sie zusätzlich zur Großen Kristallkugel auch die kleinen für die Spezialwertungen Super G und Riesentorlauf - in diesem Winter in allen drei Läufen ausgefallen, zuletzt in Kranjska Gora nach Spitzenzwischenzeit: "Ich war in allen Rennen gut dabei, das ist positiv, aber das bringt natürlich nichts, wenn ich es nicht ins Ziel schaffe. Ich war im Kopf zu wenig frei, ich habe mich zu sehr unter Druck gesetzt", kennt die Doppel-Weltmeisterin von Vail 1999 und zweifache Sportlerin des Jahres in Österreich die Ursache.

Meissnitzer kennt keinen Neid
Den Teamkolleginnen gönnt sie den Erfolg: "Die Erfolge von Marlies im Slalom, das betrifft mich weniger, aber das schaue ich mir gerne an. Ist doch klar, dass sie mit diesen Siegen die Aufmerksamkeit hat. Aber es ist nicht allein die Marlies, da sind auch die Niki und die Zetti." In Meissnitzers Augen, und nicht nur den ihren, sind die jungen Österreicherinnen zukünftige potenzielle Gesamtweltcupsiegerinnen. Es hat noch niemanden geschadet, über seinen Tellerrand hinauszusehen. Und es gibt ja auch eine Zeit nach Alexandra Meissnitzer. (apa/red)